Rundweg durch Miesbachs Konfessionsgeschichte Auf Luthers Spuren

11.05.2017

Miesbach war im 16. Jahrhundert Hochburg der Reformation und Ort erbitterter Glaubenskämpfe. Wie es dazu kam und wie die Gegend wieder katholisch wurde, verraten die 15 Stationen eines historischen Rundwegs. Am Sonntag wird er eröffnet.

Mit Theaterszenen wird der historische Rundweg am Sonntag eröffnet © Langheiter

Miesbach – „Miesbach war im 16. Jahrhundert evangelisch. Aus dieser Zeit haben wir aber keine Exponate“, erklärt Stadthistoriker Alexander Langheiter. Eine ökumenische Projektgruppe entschied sich deshalb, die konfessionelle Geschichte des Orts nicht in einer Ausstellung, sondern mit einem historischen Rundweg zu zeigen. Am kommenden Sonntag, 14. Mai, wird er eröffnet.

15 Stationen, in die ein Kinderrätsel integriert ist, geben einen Überblick über die Geschichte von der „Miesbacher Reformation“ bis heute. Gestaltet haben die mannshohen Stelen mit Langheiters Texten Menschen unterschiedlichen Alters – von Schülern bis zu Senioren. Auf der Stele vor der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius in Parsberg, die zur Reformationszeit als Urpfarrei für Miesbach zuständig war, ist zum Beispiel die Grabinschrift von Wolf Dietrich von Maxlrain nachzulesen. Er hatte sich 1563 öffentlich zur Lehre Luthers bekannt und so dafür gesorgt, dass die Gegend schon damals protestantisch wurde.

Den benachbarten Bayern-Herzögen gefiel das gar nicht. Sie sorgten mit einem Handelsembargo dafür, dass die Herrschaft Waldeck zwanzig Jahre später wieder katholisch wurde. Wie das vonstatten gegangen sein mag, veranschaulichen Studierende des Beruflichen Schulzentrums Miesbach am Eröffnungstag in einer Theaterszene vor der katholischen Pfarrkirche. Der Spaziergang beginnt um 14.30 Uhr an der evangelischen Apostelkirche (Rathausstraße 10). Dritter Spielort ist die Grundschule. Am 15. September 1941 demonstrierten hier katholische und evangelische Miesbacherinnen gemeinsam gegen das Verbot des NS-Regimes, Kreuze in den Schulzimmern aufzuhängen. Für Langheiter ist das ein Ausdruck dafür, dass die Ökumene in Miesbach bereits damals „verhältnismäßig gut“ war.

Termine für weitere Führungen können vereinbart werden unter info@waitzinger-keller. Wer den Rundweg auf eigene Faust gehen möchte, findet alle wichtigen Informationen hier.

Die Autorin
Karin Hammermaier
Münchner Kirchenzeitung
k.hammermaier@st-michaelsbund.de


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