Mit Céline durch den Advent Auf Osterrieders Spuren

08.12.2018

Michaelsbund-Volontärin Céline Kuklik stammt aus dem Saarland. Hier schildert sie, wie sie zum ersten Mal die Adventszeit in München erlebt. Diesmal bestaunt Céline die Krippen im Nationalmuseum.

Thomas Schindler stellt Céline die faszinierende Krippenwelt des Bayerischen Nationalmuseums vor.
Thomas Schindler stellt Céline die faszinierende Krippenwelt des Bayerischen Nationalmuseums vor. © Kiderle

München – „Ich kann dir eine wunderschöne Krippe besorgen“, schwärmte mein Opa, als ich etwa zehn Jahre alt war. „Warum nicht?“, dachte ich mir – ohne zu wissen, was mich kurze Zeit später erwarten würde: Die Krippe war so groß wie zwei Mandarinenkisten, das Dach mit Sägespänen bedeckt und obendrein viel zu kleine Figuren, die im Stall zu Bethlehem verloren wirkten. Nach einmaligem Aufstellen unterm Christbaum wurde das Ungetüm zweckentfremdet und dient seitdem im Garten als Vogelhaus. Meine persönliche Beziehung zu Krippen ist also nicht allzu eng. Umso mehr erstaunt mich die Krippenkultur, die in München gepflegt wird – nicht nur im Bayerischen Nationalmuseum mit der wohl bedeutendsten Krippensammlung der Welt, sondern auch in den vielen Kirchen der Stadt. Also alles auf Anfang und die eigene Erfahrung zurücklassen.

Krippen sollen auf Franz von Assisi zurückgehen

Die Spuren der ersten Krippen lassen sich auf Mitte des 16. Jahrhunderts datieren, wie mir Thomas Schindler, Konservator der Krippensammlung im Bayerischen Nationalmuseum, erklärt; der „Vorläufer“ der Krippe soll allerdings noch länger zurückliegen: „Es existiert der Mythos, dass Krippen auf Franz von Assisi zurückgehen. Er ist bis heute bekannt für seine unkonventionelle Art und soll samt Ochse und Esel im Wald von Greccio die Weihnachtsgeschichte nachgespielt haben. Bewiesen ist das natürlich nicht.“ Vor der Industrialisierung waren Krippen aufgrund ihrer teuren Herstellung der gesellschaftlichen Oberschicht und dem Klerus vorbehalten.

Wir gehen durch die Gänge des Museums und bleiben bei einer Krippe aus dem Servitinnenhaus Innsbruck von 1750 stehen. Im untersten Bereich mittig ist die Heilige Familie zu sehen; von der darüber gelegenen Ebene, felsig und bemoost, schreiten von links Hirten in teils zerfetzter Kleidung heran, von rechts nähern sich wohlhabende Herrschaften in farbenprächtigen Kostümen. „Die Botschaft lautet, dass jeder, egal, welcher Herkunft, bei Jesus ankommt und willkommen ist“, erläutert Schindler. Eine schöne Deutung, die mich sehr berührt.

Céline erstaunt die Krippenkultur, die in München gepflegt wird.
Céline erstaunt die Krippenkultur, die in München gepflegt wird. © Kiderle

Hirten mit Fernrohr

Auch unerwartet Skurriles gibt es bei den vielen verschiedenen Krippen zu entdecken: einen Hirten mit Fernrohr, Figuren, die den drei Musketieren ähneln, oder Kühe, die ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen. „Die Krippe ist ein offenes Format. Wie die Figuren aussehen, ist zunächst nebensächlich; auch die dargestellten Randgeschehnisse variieren stark. Den ,Kern‘ der Krippe bilden immer das Jesuskind, Maria und die drei Weisen aus dem Morgenland. Krippen sollen den Betrachter emotional ansprechen“, ergänzt Schindler.

Eine weitere Krippe fasziniert mich ganz besonders: eine des Münchner Bildhauers Sebastian Osterrieder aus den 1920er Jahren. Das Museum hat die Vitrine speziell illuminiert, um die Szenen der Weihnachtsgeschichte einzeln hervorzuheben: angefangen mit einem blutroten Sonnenaufgang, über einen Spot auf den Engel, der den Hirten die Geburt des Heilands verkündet, bis hin zur Geburt Jesu in der bläulichen Abenddämmerung.

Jede Bewegung muss stimmen

Doch es ist nicht die Beleuchtung allein, die den Figuren Leben einhaucht. Wie mir die Krippenbauerin Annette Krauß erzählt, braucht sie mindestens einen Vormittag, um eine Szene aufzubauen: „Ich stelle die Figuren nicht einfach auf, denn sie sollen ja eine Geschichte erzählen. Da muss jede angedeutete Bewegung stimmen.“

Als wir die neapolitanischen Krippen mit ihren vielen Details betrachten – Fische, die in Körben zum Verkauf angeboten werden, Schweinehälften, die von der Decke eines Ladens baumeln, ein freundlich lächelnder Kleinwüchsiger – frage ich Schindler, ob er eine Erklärung dafür hat, warum in meiner Heimat, dem Saarland, nicht dieselbe Tradition gepflegt wird wie in München. „Das könnte zum einen an der seit jeher eher dünnen Besiedlung des Saarlandes hängen, aber zum anderen auch an der Tatsache, dass Bayern in Person der Wittelsbacher, anders als das Saarland, enge Beziehungen nach Italien pflegte und damit im regelmäßigen Austausch über Krippen stand. Vieles ist denkbar.“ Dieser Frage muss ich wohl selbst einmal auf den Grund gehen. (Céline Kuklik)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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