Impuls von Pater Andreas Batlogg Aufatmen lassen

30.06.2019

„Ich werde euch aufatmen lassen“, verspricht Jesus. Bei Pater Andreas Batlogg hat er damit einen Nerv getroffen. Warum, verrät der Jesuit hier.

„Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen.“ So übersetzt Fridolin Stier Mt 11,28.
„Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen.“ So übersetzt Fridolin Stier Mt 11,28. © absolutimages – stock.adobe.com

Vor kurzem habe ich eine Sabbatzeit in Jerusalem beendet. Drei Monate lang konnte ich das Heilige Land bereisen, Abstand gewinnen, auftanken, die Seele baumeln lassen, wie man so sagt, „meine Batterien“ aufladen, leben, was ich anderen gerne predige: Reduktion und Entschleunigung! Es war eine erholsame, eine segensreiche Zeit.

Um ehrlich zu sein: Ich hätte es noch länger ausgehalten! Zurückgezogen nach München hat es mich nicht wirklich. Aber der Flug war gebucht. Und irgendwann musste ich ja in den Alltag zurück. Finde ich wieder hinein? Und wie? Das beschäftigte mich in den letzten Tagen, als ich mich noch zu den Benediktinern in der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg zurückzog. Ein Wort aus dem Matthäusevangelium fiel mir dort auf: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)

Vergleiche können manchmal ein Aha-Erlebnis auslösen, weil sie Gewohntes in neuem Licht erscheinen lassen, allzu Bekanntes vielleicht hinterfragen. Die revidierte Einheitsübersetzung lautet: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ In der Übersetzung des Tübinger Theologen Fridolin Stier († 1981), die sich eng an den griechischen Urtext hält und stilistische Eigenheiten nicht glättet, liest sich das so: „Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen.“

Da bekommt die Verheißung Jesu ganz neue Konturen: Ich werde euch aufatmen lassen … Da schwingt Sehnsucht mit. Ein Lebensnerv ist getroffen.

Pater Andreas Batlogg SJ ist Seelsorger an der Jesuitenkirche St. Michael in München und war bis 2017 Chefredakteur der „Stimmen der Zeit“.
Pater Andreas Batlogg SJ ist Seelsorger an der Jesuitenkirche St. Michael in München und war bis 2017 Chefredakteur der „Stimmen der Zeit“. © Christian Ender

Verheißung Jesu

Es kommt ja vor, dass man in Anwesenheit eines bestimmten Menschen fast nicht mehr zum Atmen kommt, dass es einem die Sprache verschlägt. Es kommt vor, dass Dinge, die einem widerfahren, wie eine schwere Last auf der Brust liegen. Auch in solche Situationen hinein ist uns dieses Wort Jesu zugerufen: Ich werde euch aufatmen lassen! Verbunden damit die Einladung: „und lernt von mir. Denn: Sanft bin ich und von Herzen niedrig, und ihr werdet Aufatmen finden für euer Leben.“ (Mt 11,29) Hier ist es schon wieder: ein Aufatmen finden fürs Leben!

Dieser Verheißung wegen versammeln wir uns wieder und wieder zum Gottesdienst: um vielleicht einem Wort Gottes zu begegnen, das uns anspricht und anregt; um Trost zu bekommen, ein wenig Kraft, in einem kleinen Stück Brot, wunderbarerweise. Und um eine Ahnung von der Ruhe und Geborgenheit zu erleben, die uns Gott in Aussicht stellt in Jesus von Nazareth: für heute, für morgen, für die kommende Woche – und dann einmal für immer: Ewigkeit.

Geht so über uns der Himmel auf, schon jetzt? Aufatmen können, andere aufatmen lassen, ein Aufatmen finden für den Alltag: Das lässt sich einüben!


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