ARD-Themenwoche Aufgewühlte Zuschauer

10.06.2017

Woran glauben die Deutschen? Wie geht Glaube? Und welche Rolle spielt er für die Gesellschaft? Diesen Fragen geht vom Sonntag, 11., bis Samstag, 17. Juni, die ARD-Themenwoche "Woran glaubst du?" nach.

Mit zahlreichen verschiedenen TV-Formaten will die ARD die Zusachauer im Rahmen der Themenwoche dazu animieren, sich Gedanken über ihren Glauben zu machen © Fotolia

Zwischen dem 11. und 17. Juni behandeln Spielfilme, Magazinformate und Dokumentationen in der ARD verschiedene Spielarten des Glaubens. Schon seit Ende April sind die Zuschauer zum aktiven Mitgestalten des aktuellen Themenschwerpunktes aufgerufen. Über die Website der Themenwoche soll ein Stimmungsbild zur titelgebenden Frage entstehen: „Woran glaubst du?“ Die ARD sammelt Statements von Kirchgängern, Fußballfans oder Romantikern, die auf die wahre Liebe hoffen. Auch Prominente kommen mit „Glaubensbekenntnissen“ zu Wort. So weit, so erwartbar.

Um so ungewöhnlicher sind verschiedene Beiträge in Funk und Fernsehen. So zeigt der Spielfilm „Atempause“ (14. Juni, 20.15 Uhr) eine Familie, deren neunjähriger Sohn durch einen Sportunfall aus ihrer Mitte gerissen wird. Die getrennt lebenden Eltern, die große Schwester und die Großeltern begegnen den existenziellen Fragen, die sich nach der Diagnose Hirntod stellen, sehr unterschiedlich.

Als weiteres Highlight im fiktionalen Bereich kündigt der Sender den Spielfilm „Die Konfirmation“ an (16. Juni, 20.15 Uhr). Ist die Konfirmation für manchen Jugendlichen vor allem ein willkommener Anlass für Geldgeschenke, so bedeutet sie der Hauptfigur viel. Der Bub sucht Halt im Glauben – und bringt seine Eltern damit durcheinander, obwohl die sich doch als aufgeschlossene Menschen betrachten.

„Land ohne Glauben“

Die offene Gesellschaft, die mit der Religion oftmals fremdelt: Diesem Thema widmet sich auch die „Story im Ersten: Land ohne Glauben“ (12. Juni, 22.45 Uhr). Die Reportage führt den Zuschauer ins Herzgebiet der Reformation, nach Ostdeutschland – wo viele Menschen heute kaum noch eine religiöse Bindung haben. Auf den ersten Blick scheint die DDR ganze Arbeit geleistet und die Kirchen aus der Öffentlichkeit verdrängt zu haben. Die Sendung beleuchtet diese historischen Spuren ebenso wie das heutige Verhältnis von Kirche und Gesellschaft – und wagt einen Ausblick, wie die Zukunft aussehen könnte.

Religiös motivierte Gewalt

Ein Thema, das wie kaum ein anderes in der Luft liegt, ist das Verhältnis von Glaube und Gewalt. Schließlich vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt im Namen einer Religion getötet wird. Zugleich verstehen sich Religionen als Quelle von Frieden und Toleranz. Die Dokumentation „Was glaubt Deutschland?“ (12. Juni, 23.30 Uhr) stellt daher die Frage, wie es dennoch zu religiös motivierter Gewalt kommen kann – und was die verschiedenen Religionsgruppen ihr entgegensetzen.

Auch grundlegende Fragen spielen eine Rolle; vor allem in Formaten für Kinder. Ergänzend zur Themenwoche stellt die „Aktion Schulstunde“ für Schüler der dritten bis sechsten Klasse verschiedene Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, darunter Filme und Projektideen. Die „Sendung mit der Maus“ (11. Juni, 9.30 Uhr) zeigt ein Spezial rund um den Glauben, und online können Kinder in einer virtuellen Stadt etwa die verschiedenen Gebetshäuser erkunden.

„Das Geschäft mit der Esoterik“

Das Wirtschaftsmagazin „plusminus“ (14. Juni, 21.45 Uhr) beleuchtet „Das Geschäft mit der Esoterik“. Abgerundet wird das umfangreiche Programm von Porträts eines jungen Priesters („Alles wird neu sein“, 17. Juni, 18 Uhr) sowie der früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann („Freiheit wagen!“, 15. Juni). Bei der „Lindenstraße“ (18. Juni, 18.50 Uhr) können die Zuschauer abstimmen, wie die Eltern auf den Konfirmationswunsch der 13-jährigen Antonia reagieren sollen. Die Radioprogramme beteiligen sich ebenfalls an der Themenwoche.

Auch der „Tatort: Level X“ (11. Juni, 20.15 Uhr) behandelt das Thema Glaube – allerdings taucht Religion nur am Rande auf. Vielmehr bezieht die Krimireihe die Frage „Woran glaubst du?“ auf Glaubwürdigkeit im Internet. Hochaktuelle Themen wie ethische Regeln in den sozialen Medien verbindet der Krimi mit klassischen Motiven wie Neid, Eitelkeit und Verrat. Ein gelungener „Tatort“ (Team Dresden), der den Zuschauer aufgewühlt zurücklässt. So wie die Themenwoche vielleicht insgesamt mehr zum Nachdenken anregt, als sie endgültige Antworten formuliert. (Paula Konersmann)

In den ARD-Themenwochen lenken die Landesrundfunkanstalten der ARD alljährlich im Fernsehen, im Radio, im Internet und auf den Social Media-Kanälen die Aufmerksamkeit ihres Publikums auf gesellschaftlich relevante Themen.

„Woran glaubst Du?“ – das Thema der diesjährigen ARD-Themenwoche – ist in Zeiten globaler Krisen, gesellschaftlichen Wandels, einer Fragmentierung in vielen Lebensbereichen und ins Wanken geratener langjähriger Gewissheiten publizistisch hoch relevant.

Mit Buchempfehlungen möchte der Sankt Michaelsbund die ARD-Themenwoche literarisch begleiten.


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