„Jahr der Bibel“ Aufruf zum intensiven Schriftstudium

11.12.2019

Die Direktorin des Katholischen Bibelwerks erklärt im Interview, warum man besonders im Jahr 2020 die Bibel lesen sollte.

Die Internationale Katholische Bibelföderation hat bis 30. September 2020 ein „Jahr der Bibel“ ausgerufen.
Die Internationale Katholische Bibelföderation hat bis 30. September 2020 ein „Jahr der Bibel“ ausgerufen. © KNA

mk online: Frau Brockmöller, worum geht es beim jetzt beginnenden Bibellesejahr?

Katrin Brockmöller: Die Internationale Katholische Bibelföderation (KBF) feiert in diesem Jahr 50-jähriges Bestehen und hat aus diesem Anlass zu einem Jahr der Bibel aufgerufen. Es begann mit dem neuen Kirchenjahr am 1. Dezember und endet am 30. September 2020. Das ist das Todesdatum des heiligen Hieronymus, der die Vulgata verfasst hatte, also die lateinische Bibelübersetzung der Heiligen Schrift.

Was geschieht in dem Jahr?

Der Präsident der KBF, Kardinal Luis Antonio Tagle, hat dazu aufgerufen, die Idee regional umzusetzen und vor Ort Aktionen zum Lesen der Bibel zu starten. Unsere Idee heißt: Wir wollen die „Lectio Divina“ fördern.

Was ist das?

Eine Art betende Meditation über die Heilige Schrift, in der Menschen sich in Gruppen über die Bedeutung der Texte für ihr persönliches Leben, aber auch über die literarische Dimension einer Stelle austauschen. Kurz zusammengefasst: Ich lese den Text, der Text liest mich. Schon die Kirchenväter haben die Heilige Schrift so gelesen. Im Mittelalter hatte diese Form in den Klöstern Hochkonjunktur, wurde aber später bis hin zum Zweiten Vatikanischen Konzil fast vergessen. In Deutschland ist die Methode im Unterschied zu anderen katholisch geprägten Ländern wenig bekannt, weil sie unter dem Verdacht stand, gegen die in der Wissenschaft genutzte historisch-kritische Methode zur Analyse der Bibeltexte zu stehen.

Katrin Brockmöller ist Direktorin des Katholischen Bibelwerks.
Katrin Brockmöller ist Direktorin des Katholischen Bibelwerks. © KNA

Welche Erfahrungen hat das Bibelwerk mit der „Lectio Divina“?

Wir unterstützen dieses Format seit genau zehn Jahren mit unterschiedlichsten Materialien. Ganz neu erarbeiten wir eine Lectio-Divina-Bibel, das Neue Testament ist druckfrisch. Zu einzelnen Abschnitten stehen am Rand jeweils zwei Fragen. Diese Impulse sollen helfen, sich literarisch und persönlich mit dem Text zu befassen.

Aber wer liest heute überhaupt noch die Bibel?

Alle, die geistige Nahrung suchen. Ich möchte nicht gerade einem Bibel-Frühling das Wort reden, aber je schlimmer die Krise der Kirche wahrgenommen wird, desto mehr Menschen wenden sich der Heiligen Schrift zu als dem Grunddokument und dem Ursprung des Glaubens.

Der Flyer zum Bibellesejahr wirkt ausgesprochen weiblich, ...

... was auch damit zu tun hat, dass die Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz mit im Boot sitzt. Alle Frauen sind ausdrücklich gebeten, die Gelegenheit zu nutzen und zum Beispiel in Andachten oder bei Festen Gottes Wort zu verkünden. Wir laden alle Frauen ein, uns ihre Bibelauslegungen zu schicken. Das Projekt heißt: „Frauen verkünden das Wort“. Eine Jury trifft daraus eine Auswahl, aus der ein Buch veröffentlicht wird. Unsere gedankliche Schirmherrin ist dabei Hildegard von Bingen. Auch die hat gepredigt – sogar vor Bischöfen und Kardinälen. (Das Interview führte Michael Jacquemain von der Katholischen Nachrichten-Agentur.)

Predigten und Katechesen von Frauen können bis 30. September 2020 per Mail geschickt werden.


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