Synodaler Weg Auftakt mit vielen Fragezeichen

02.12.2019

Mit der Entzündung der Synodalkerze hat am ersten Advent im Münchner Dom der Synodale Weg offiziell begonnen. Die Erwartungen an den Beratungsprozess sind hoch.

ZdK-Vizepräsidentin Kortmann entzündet die Synodalkerze.
ZdK-Vizepräsidentin Kortmann entzündet die Synodalkerze. © Kiderle

München - Jetzt kann es also losgehen. Mit einer Pontifikalmesse ist am ersten Adventssonntag im Münchner Dom der Synodale Weg eröffnet worden. Zum Beginn des Reformdialoges der katholischen Kirche in Deutschland entzündete die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, im Beisein des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, im Münchner Liebfrauendom eine Synodalkerze. Beide gehören auch dem Präsidium des Synodalen Wegs an. In seiner Predigt sagte der Münchner Erzbischof, es gehe darum, aufeinander zu hören und auch bei unterschiedlichen Meinungen zur Einmütigkeit zu finden. "Nach der schrecklichen Erfahrung, dass sexueller Missbrauch in der Kirche stattgefunden hat", gelte es nun, "Gefährdungen systemischer Natur" anzuschauen, etwa "falsche Herrschaftsorganisationen", ergänzte der Kardinal. Um wieder glaubwürdige Zeugen der Freude und der Hoffnung zu sein, "müssen wir manche Hindernisse beseitigen". Dabei müsse die Einheit mit der Weltkirche und dem Papst bewahrt werden. Ohne Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes und ohne eine Atmosphäre des Gebets könne der Synodale Weg nicht fruchtbar sein, betonte Marx.

Joachim Unterländer © Kiderle

Zurück zu einem guten Miteinander in der Kirche

Für den Diözesanrat im Erzbistum München und Freising hat Joachim Unterländer an dem Eröffnungsgottesdienst teilgenommen. Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern vertrat den Diözesanratsvorsitzenden Hans Tremmel, der die Laien im Erzbistum beim Synodalen Weg als Delegierter vertreten wird. Unterländer stellte am Rande des Eröffnungsgottesdienstes klar, dass der Synodale Weg aus seiner Sicht nur ein Anfang in einem langen Prozess sei. Die Distanz vieler Gläubigen zur Kirche sei so groß, dass es mit den zwei Jahren allein nicht getan sein werde. Er forderte die Menschen im Erzbistum auf, sich aktiv am Reformdialog zu beteiligen. Auf der Homepage des Synodalen Weges, die am ersten Advent online ging, sollen die Gläubigen die Gelegenheit bekommen, sich aktiv mit ihrer Meinung einzubringen. Unterländer kündigte zudem an, dass sich die nächste Vollversammlung des Diözesanrats mit den einzelnen Foren des Synodalen Weges beschäftigen werde. Sein persönlicher Wunsch sei es, dass der Dialog zwischen Klerus und Laien auch zur Versöhnung mit denen führe, die in der Vergangenheit unter der Kirche gelitten hätten. Unterländer nannte hier die Missbrauchsopfer, aber auch jene, die unter „anderen Machtstrukturen“ gelitten hätten. Diesen Menschen solle ein Signal gegeben werden, “dass es wieder ein gutes Miteinander im Glauben in unserer Kirche geben kann“.

Hiltrud Schönheit © Kiderle

Verbindlichkeit der Beschlüsse ist wichtig

Als positiven Aufbruch wertet die Vorsitzende des Katholikenrates in der Region München, Hiltrud Schönheit, die Auftaktmesse im Liebfrauendom. Sie sei zuversichtlich, dass es am Ende des Synodalen Weges in einzelnen Punkten Einmütigkeit geben könnte, erklärte Schönheit nach dem Eröffnungsgottesdienst. Am Schluss des Dialoges müsse die Verbindlichkeit stehen, so dass man „ein Ergebnis hat, das alle mittragen können“, und nicht jeder Ortsbischof wieder nur das tue, was er persönlich für richtig hält.

Als Frau wünsche sie sich ganz konkret, dass der Synodale Weg bei der „Geschlechtergerechtigkeit ein Stück vorankommt“. Optimal wäre für Schönheit als Ergebnis die „Priesterinnen-Weihe“. „Aber das wird ein ganz langer Weg dahin sein“, schränkt Schönheit ihre Forderung dann auch gleich wieder ein.

Karin Kortmann © Kiderle

Große Sorge vor dem Scheitern

ZdK-Vizepräsidentin Kortmann stellte klar, dass es nur Erneuerung in der Kirche geben könne, wenn man anfange, Strukturen zu verändern. Das ginge nur mit mutigen, reformorientierten Bischöfen, „die in Rom dafür werben, dass es keinen deutschen Sonderweg gibt“. Kortmann betonte auch, das ZdK gehe mit großem Respekt und Verantwortung an die Aufgabe, gemeinsam mit der Bischofskonferenz die Beratungen nun auf den Weg zu bringen. "Die Erwartungen der Gläubigen an substanzielle Ergebnisse sind hoch, aber auch die Sorge vor einem Scheitern ist groß."

Ob es den Bewahrern und Reformern in den kommenden zwei Jahren leichter fallen wird, von ihren Positionen abzurücken und sich auf Kompromisse zu verständigen, davon war bei der Eröffnung des Synodalen Weges am Sonntag jedenfalls noch nichts zu spüren. Wahrscheinlich dürfte es eher darum gehen, sich erst einmal zu konstituieren und Wege für einen konstruktiven Dialog auszuloten.

Synodaler Weg

Mit dem auf zwei Jahre angelegten Synodalen Weg wollen die Bischöfe und das ZdK über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Schwerpunktthemen sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche. Höchstes Gremium des Reformprozesses ist die Synodalversammlung mit mehr als 200 Frauen und Männern. Bis Mitte Dezember soll die Teilnehmerliste komplett sein. Die inhaltliche Arbeit beginnt mit der ersten Synodalversammlung Ende Januar in Frankfurt am Main.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

Das könnte Sie auch interessieren

© Kiderle SMB

Synodaler Weg Nicht nur Kirchen-, sondern Glaubenskrise

Die unterschiedlichen Strömungen im Synodalen Weg müssen zunächst einander zuhören lernen und die unterschiedlichen Fragestellungen genau beschreiben.

02.12.2019

Die Präsidenten des Synodalen Weges, Prof. Dr. Thomas Sternberg und Kardinal Reinhard Marx.
© dbk

Reformbewegung Prof. Dr. Sternberg und Kardinal Marx zum Synodalen Weg

Die Präsidenten des Synodalen Weges schicken zum Startschuss der Reformgespräche eine gemeinsame Videobotschaft.

01.12.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren