Radtour im Erzbistum Aus dem Sattel in die Kirche

23.08.2020

Im Erzbistum München und Freising sind zahlreiche Radwege mit Sehenswürdigkeiten zu finden. Eine Pause in einer der schönen Kirchen eignet sich zum körperlichen und seelischen Kraft tanken.

Wasserburg
Wasserburg ist über den Innradweg von Rosenheim oder Mühldorf aus zu erreichen. © Gästebrief der Erzdiözese München und Freising

München – Ein reißender Gebirgsfluss, der immer wieder Münchner Brücken zum Einsturz brachte – das war einmal die Isar. 1813 kamen hundert Menschen auf der Münchner Ludwigsbrücke ums Leben, die das rasant anschwellende Hochwasser beobachteten. Es ließ die Brücke plötzlich einstürzen und verschlang die Schaulustigen. Die Arbeit eines sogenannten Wassermeisters wie Martin Achleitner war also lebensgefährlich, wenn er am Isarwehr in der Nähe des heutigen Tierparks Hellabrunn arbeitete.

Achleitner ist immer heil davongekommen und hat 1866 zum Dank eine idyllische Kapelle errichtet: die sogenannte Marienklause. Sie ist ganz aus Holz gebaut und erinnert an ein Blockhaus aus dem Wilden Westen. Unterhalb des Giebels hält ein Engel ein Schild mit dem Namen der Kapelle und in römischen Zahlen ist das Erbauungsjahr zu lesen.

Pause in Landshut

Die Isar ist schon längst kein gefährlicher Gebirgsfluss mehr, sondern lädt heute zum Spazierengehen und zu kleinen oder großen Radltouren ein. Mit guter Kondition lässt sich von der Marienklause in ein paar Stunden Landshut erreichen, die niederbayerische Bezirkshauptstadt. Fast jeder Radler, der den Isarradweg entlangfährt, steigt dort vom Sattel. Denn die Stadt präsentiert sich spektakulär. Direkt am Fluss liegt die Heilig-Geist-Kirche, in der heute meistens Kunstausstellungen zu sehen sind. Allerdings wird gelegentlich auch noch Gottesdienst gefeiert.

Die Altarinsel hat der Bildhauer Fritz König gestaltet. Von ihm stammt die berühmte Kugelskulptur im World Trade Center, die den Angriffvom 9. September 2001 in New York schwer beschädigt überstanden hat. In Heiliggeist sind zahlreiche Werke von ihm ausgestellt und am Fuß des Hofbergs ist dem Künstler ein eigenes Museum gewidmet. Der Weg dorthin führt an St. Martin vorbei. Mit 131 Metern besitzt die Kirche den höchsten Backsteinturm der Welt. Monumental geht’s im Innern von St. Martin weiter. Am Chorbogen hängt ein mittelalterliches Kruzifix. Mit rund 7,5 Metern ist es so hoch wie ein einstöckiges Haus. Es zieht den Betrachter aber nicht nur aufgrund seiner Größe, sondern auch durch die eindringliche Darstellung des Gekreuzigten an.

Fluss als ehemalige Diözesangrenze

Teilweise dieselben Bauhütten haben auch in Wasserburg am Inn Meisterleistungen vollbracht. Von den Anhöhen ist die mächtige Jakobskirche zu sehen. Das Patrozinium macht deutlich, dass die Stadt an einem alten Jakobsweg liegt. Bis auf eine schmale Landverbindung ist Wasserburg vollständig vom Inn umgeben. Der hat sich hier ein tiefes Bett mit hohen Steilufern gegraben und umgibt die Stadt in einer Schleife. An der Brücke über den Inn sind zwei Heiligenfiguren zu entdecken: Der heilige Korbinian mit dem Bären steht für das Erzbistum München und Freising. Der heilige Rupert mit dem Salzfass für das Erzbistum Salzburg. Denn bis vor gut 200 Jahren bildete der Strom die Diözesangrenze.

Wer Wasserburg über den Innradweg von Rosenheim oder von Mühldorf aus ansteuert, muss auf Teilstrecken gut bei Puste sein, denn es sind hin und wieder steilere Anstiege zu bewältigen. Wer’s gemütlicher haben will, findet im Westen der Erzdiözese den Amperradweg. Ein Teilstück verbindet Grafrath und Fürstenfeldbruck.

Frommer Reliquiesammler

In der Ortsbezeichnung Grafrath klingen noch der Adelstitel und der Name des heiligen Rasso an. Heute würde man ihn als religiösen Sucher bezeichnen. Der bayerische Graf war im Mittelalter zuerst als Feldherr und dann als frommer Pilger immer auf Achse. In Rom und im Heiligen Land hat er zahlreiche Reliquien gesammelt, um sich seinen Glauben auch dinglich vor Augen halten zu können. Diese Heiligtümer brachte er in dem von ihm gegründeten Kloster am Ammersee unter: in Grafrath. Später sind sie nach Andechs gekommen, das dadurch zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte im damaligen Deutschland aufstieg.

Grafrath hat es aber auch ohne die ursprünglich dort aufbewahrten Reliquien geschafft, ein Wallfahrtsort zu bleiben. Schließlich ist der heilige Rasso selbst in seiner Kirche geblieben, dessen Gebeine reichgeschmückt im Hochaltar zu sehen sind, an dem auch Ignaz Günther mitgewirkt hat. Johann Georg Bergmüller malte die Fresken, die den Lebensweg des heiligen Rasso zeigen. Noch prächtiger ausgestattet präsentiert sich die Asamkirche in der früheren Zisterzienserabtei Fürstenfeldbruck. Die 21 Kilometer dorthin lassen sich nicht nur an, sondern auch auf der Amper zurücklegen. In Grafrath bietet ein Verleih Schlauchboote an, die in Fürstenfeldbruck zurückgegeben werden können.


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