Die italienische Künstlerin Debora Vezzani Aus Wunden werden Wunder

10.11.2019

Schon als Kleinkind wollte Debora Vezzani Rockstar werden. Keine große Bedeutung maß die Italienerin damals Gott bei. Das änderte sich.

Debora Vezzani singt und erzählt in München von ihrem Weg zum Glauben.
Debora Vezzani singt und erzählt in München von ihrem Weg zum Glauben. © Braun

München — Während es draußen noch spätsommerlich warm ist, fühlt sich der Innenraum der neogotischen Kirche Mariä Geburt im Münchner Stadtteil Pasing eher frisch an. Schnell jedoch wird es einem wärmer, denn die italienische Sängerin Debora Vezzani heizt mit ihren Liedern und den übersetzten Erläuterungen dazu ganz schön ein. Sie singt, begleitet von ihrer Gitarre, selbstbewusst und aus tiefster Seele überzeugt. So, wie sie auftritt, ist es offensichtlich: Sie hat etwas zu verkünden, sie hat ihren Weg gefunden, was der Flyer zum Konzert bereits vermuten lässt: „Sei mutig, wage das Leben und du wirst Wunder erleben.“ Seit 2014 ist Vezzani mit ihrem Mann auf der „Wie ein Wunder“-Tour – nicht nur in Italien – unterwegs, erzählt in Pfarreien und Kirchen von ihrer „Geschichte“ und ihrem Weg zum Glauben.

Dieser ist geprägt von drei „tiefen, großen Wunden“. Die erste erlitt Vezzani nach ihrer Geburt, als sie von ihrer Mutter „im Stich gelassen“ und zur Adoption freigegeben wurde. Schon als Kleinkind wollte die heute 35-Jährige Rockstar werden. Denn Musik war für sie eine „komplette Freude“ und „ein Ventil, Wut rauszulassen, um die erste große Wunde zu verarbeiten“. Die Italienerin besuchte ein Konservatorium für Querflöte und Musikpädagogik und machte eine Ausbildung als Dolmetscherin und Komponistin. Alles in ihrem Leben drehte sich um die Musik.

Debora Vezzani wollte am liebsten sterben

Gott maß Vezzani in ihrer Kindheit keine große Bedeutung bei. Er war zwar eine „Art Gewohnheit“, sie wunderte sich jedoch, dass er sich nicht „um ihren Schmerz kümmerte“, kehrte ihm den Rücken zu und ging seit ihrer Firmung nicht mehr in die Kirche. Im Alter von 20 Jahren wurde Vezzani dann die „zweite Wunde“ zugefügt, die Adoptiveltern ließen sich scheiden. Sie zog zu ihrem Freund. Nach vier Jahren Partnerschaft trennte sich der Mann im Dezember 2010 von ihr, was die Künstlerin als „dritte Wunde“ bezeichnet. Gleichzeitig platzte ein Musikvertrag, sie fühlte sich von allen verlassen und wollte am liebsten sterben.

Eine Freundin jedoch bat sie in dieser Zeit, anlässlich ihrer Hochzeit ein Lied zu Psalm 139 zu komponieren und es entstand das Lied „come un prodigio“, „Wie ein Wunder“. Aus Vezzanis Sicht war es damals eine „Schande“, ein kirchliches Lied zu schreiben, wollte sie doch Rockstar werden. Der Freundin zuliebe las sie zum ersten Mal in der Bibel. Der Inhalt des Psalms jedoch war für sie alarmierend, wie eine Offenbarung: Sie war nicht mehr alleine, sie gehörte zu Gott. Sie war nicht mehr nutzlos, sie war ein Wunder. Im Refrain des Liedes singt sie: „Du hast mich als Wunder erschaffen, deine Werke sind wunderbar und deshalb lobe ich dich.“

Trotzdem, so berichtet sie, lebte sie weiter ohne Gott, denn sie „wollte Fakten“, die sie überzeugen würden. 2013 beschäftigte sie sich mit dem Leben von Padre Pio, dem stigmatisierten Kapuziner. Der Ausspruch Jesu „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ brachte sie Gott näher, sie ging wieder zur Beichte und in die Messe. Die Auseinandersetzung mit diesem Heiligen veränderte ihren Blick auf Maria, die sie als ihre himmlische Mutter ansieht. Und sie hat, so stellte sich heraus, eine besondere Beziehung zu ihr, denn Vezzanis Geburtstag, der 25. März, ist der Tag der Verkündigung an Maria und der Tag ihrer Adoption, der 22. August, der Tag Maria Königin.

Über 1,8 Millionen Mal angeklickt

Die endgültige Bekehrung, die allerletzten Fakten, die ihr noch fehlten, erhielt Vezzani, als ihr ein Heiligenbild, ein Dankbild anlässlich ihrer Taufe 1984, in die Hände fiel. Darauf standen just die gleichen Verse wie in Psalm 139, der Grundlage für ihr Lied „come un prodigio“. Und es scheint wie ein Wunder. Das Lied, ohne Plattenvertrag und ohne Video, stattdessen mit der Fürbitte des heiligen Josef, auf YouTube gestellt, wurde inzwischen über 1,8 Millionen Mal angeklickt. Und es soll Wunder bewirken, berichtet die Sängerin: Verzweifelte, schwangere Frauen hätten nach dem Hören des Liedes nicht abgetrieben und suizid-gefährdete Menschen hätten wieder Lebensmut gefasst und sich nicht umgebracht. (Karola Braun)


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