Kardinal Reinhard Marx und die Union Ausgesprochen, was viele denken

11.10.2017

Kardinal Reinhard Marx habe klare Worte zum Obergrenze-Kompromiss von CDU und CSU gefunden, kommentiert Susanne Holzapfel.

CSU-Vorsitzender Horst Seehofer und CDU-Chefin Angela Merkel stellten am Montag, 9. Oktober, den Unionskompromiss zur Flüchtlingspolitik der Presse vor.
CSU-Vorsitzender Horst Seehofer und CDU-Chefin Angela Merkel stellten am Montag, 9. Oktober, den Unionskompromiss zur Flüchtlingspolitik der Presse vor. © imago/IPON

Er hat es mal wieder auf den Punkt gebracht. Hat ausgesprochen, was viele denken, und denen aus der Seele gesprochen, die ein deutliches Unbehagen mit dem empfinden, was unter dem Stichwort „Unionskompromiss zur Flüchtlingspolitik“ von CDU und CSU nun als Erfolg präsentiert, in Wahrheit aber doch eher ein Etikettenschwindel ist. Kardinal Reinhard Marx hat als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz klare Worte gefunden, um seine persönliche Haltung und stellvertretend die der deutschen Bischöfe zu äußern. „Der Begriff der Obergrenze ist nicht hilfreich“, erklärte Kardinal Marx während der Bundespressekonferenz am Dienstag in Berlin. Denn, so begründete der Kardinal: „Das Asylrecht kann man nicht begrenzen.“

Allein die Tatsache, dass Kardinal Marx weiterhin den Begriff der „Obergrenze“ benutzt, obwohl doch die beiden Schwesterparteien CDU und CSU alles daran setzen, dieses Wort, das für so viel Unfrieden innerhalb ihres Bündnisses gesorgt hat, vergessen zu machen, beweist, dass man katholischerseits nicht gewillt ist, sich verbal Sand in die Augen streuen zu lassen. Schließlich spielt es im Alltag keine Rolle, welchen Namen man einem Kind gibt, wenn doch mehr als deutlich ist, welch wenig humanitäre Ziele man verfolgt.

Finger in die Wunde gelegt

Von 200.000 Asylsuchenden ist in dem Kompromiss die Rede. Faktisch also eine Begrenzung nach oben, selbst wenn man neuerdings lieber von einem Richtwert spricht. Und auch hier legt der Vorsitzende der Bischofskonferenz den Finger in die Wunde und sagt: „Die Zahl ist irgendwie fiktiv; ich kann sie nicht genau verstehen.“ Wie gesagt, mit diesem Unverständnis ist der Kardinal nicht allein, und deshalb ist es umso begrüßenswerter, dass er beim Namen nennt, was nicht nur Christen in Deutschland umtreibt.

Diese Kritik mag dem Erzbischof von München und Freising möglicherweise den Vorwurf einbringen, das tagespolitische Geschäft sei nicht das Feld der Bischöfe und daher tabu für Anmerkungen aller Art. Dessen ist Kardinal Marx sich bewusst. Dass er trotzdem, also auch angesichts des Anwurfs der unzulässigen Einmischung, sagt, was katholische Sache ist, ist gut und richtig und wichtig. Schließlich geht es um Fundamentales, um Menschenrechte, um den Umgang mit dem Nächsten und damit um das große Ganze. Dass die katholische Kirche hier – im Gegensatz zu CDU/CSU – eine kompromisslose Haltung vertritt, darf ihr nicht verwehrt werden. Mehr noch, die Menschen erwarten zu Recht eine Einmischung und nicht ein stummes Abnicken von Entscheidungen, die mit dem Christlichen, das beide Parteien in Großbuchstaben vor sich hertragen, nichts zu tun hat. Auch daran hat Kardinal Marx übrigens erinnert und gesagt: Das C im Namen von CDU und CSU „steht nicht für konservativ“.

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de


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