Caritas-Jahreskampagne "Zusammen sind wir Heimat" Ausstellung zeigt Beispiele gelungener Integration

17.05.2017

Sie musste fliehen, jetzt hat sie in Bayern eine neue Heimat gefunden: Sali Kamil aus dem Irak ist ein Beispiel gelungener Integration. Eine Ausstellung der Caritas stellt sie und ihren Lehrer vor.

Sali Kamil und ihr Nachhilfelehrer Helmut Vogler.
Sali Kamil und ihr Nachhilfelehrer Helmut Vogler. © SMB/Rauch

München – „Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt, wo man in Frieden lebt und seine Familie um sich hat. Es spielt keine Rolle, in welchem Land das ist“, erzählt Sali Kamil, die 2009 mit ihren Eltern aus dem Irak geflohen ist und hier in Deutschland eine neue Heimat gefunden hat. Zu diesem Wohlfühlgefühl hat sicherlich auch ihr Nachhilfelehrer Helmut Vogler beigetragen, der sich als Ruheständler ehrenamtlich engagiert und Sali hilft, ihren Traum von einem Medizinstudium zu verwirklichen. Die beiden sind eines von neun „Paaren“, anhand derer die neue Ausstellung des Diözesan-Caritasverbands Beispiele gelingender Integration und Inklusion zeigt. Fotograf Thomas Klinger hat spannende und zugleich berührende Momente festgehalten: In Einrichtungen und Diensten der Caritas begegnen sich Einheimische, Menschen mit Unterstützungsbedarf und Zugewanderte mit ihren Fähigkeiten, ihren Kompetenzen und ihrer Bereitschaft, voneinander zu erzählen, Wissen und Kenntnisse zu teilen. Und das muss nicht immer eindimensional sein – die Roll-Ups in der Ausstellung brechen mit gängigen Klischees: So wird wir eine Kita-Leiterin aus Eritrea vorgestellt, die eine bayerische Praktikantin anleitet oder ein junger Syrer im Job-Center Bad Reichenhall, der seine Klienten bei der Beantragung der ihnen zustehenden Leistungen unterstützt. Weitere „Tandems“: Ein Auszubildender in der Altenpflege, der aus dem Senegal kommt, zusammen mit seinem Altenheimleiter und zwei Altenpflegeschülerinnen, eine aus Kenia und eine aus München.

Ein Miteinander ist sinnvoll

Der Vorstand des Caritasverbandes der Erzdiözese, Georg Falterbaum, sieht in der Schau eine Konkretisierung der bundesweiten Kampagne, die unter dem Motto „Zusammen sind wir Heimat“ steht. Authentizität ist Falterbaum wichtig: „Es sind keine Fotomodelle zu sehen, das ist die Wirklichkeit. Wir zeigen an realen Beispielen in unserem Caritasverband, wie ein Zusammenwirken funktionieren kann.“ Mit der Ausstellung sei auch ein Appell verbunden, meint der Caritas-Vorstand: „Wir wollen dafür werben, dass wir unsere Heimat nicht gegen andere verteidigen, sondern gemeinsam mit anderen, die zu uns kommen, gestalten und dass ein Miteinander nicht nur möglich ist, sondern auch sinnvoll und für alle von Vorteil ist.“ Die Caritas stehe in einer christlichen Verantwortung, diese Aufgabe wahrzunehmen, erst recht seit dem Herbst 2015, wo der Flüchtlingszustrom eine neue Größenordnung erreicht habe.

Roll-Ups zeigen jeweils zwei Menschen, die Unterstützung geben und erhalten.
Roll-Ups zeigen jeweils zwei Menschen, die Unterstützung geben und erhalten. © SMB/Rauch

Weil es Spaß macht

Früher nach Bayern gekommen ist Sali: Die erste Hürde, um in Deutschland Fuß zu fassen, sei die Sprache gewesen, erzählt die Sechzehnjährige, die momentan die Mittelschule an der Implerstraße in München besucht. Ihr „Tandempartner“ Helmut Vogler ist lange in der Wissenschaft und der Industrie tätig gewesen. Als Pensionär suchte er eine neue sinnvolle Aufgabe und entschied sich dafür, ehrenamtlich Nachhilfe an selbiger Mittelschule zu geben und sich bei der Hausaufgabenbetreuung zu engagieren. Er beantworte Fragen, wenn etwas von seinen Schülern nicht verstanden wurde und lerne dabei aber auch selbst jeden Tag etwas aus den vielen verschiedenen Kulturen, aus denen seine Schützlinge kommen, dazu. Ihr Nachhilfelehrer könne weit besser erklären als ihre Klassenlehrerin und sei noch dazu weniger streng, lobt Sali den Akademiker. Seine Motivation für sein Engagement klingt einfach: Es macht doch einfach Spaß! Voglers Schülerin freut sich über die Perspektiven, die ihre neue Heimat bietet: „Hier in Deutschland wird man akzeptiert, wie man ist, man hat Freunde und eine Zukunft.“ Gemeinsam mit ihrem Nachhilfelehrer arbeitet sie daran. (taw)

Geschichten und Bilder zu den jeweiligen „Tandems“ sowie kurze Videofilme zu den Porträtierten sind hier zu finden. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und wird an verschiedenen Orten in Oberbayern zu sehen sein.


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