Kirchenaustritte in Bayern rückläufig Austrittszahlen im Erzbistum bleiben stabil

15.07.2016

Im Jahr 2015 haben in Bayern weniger Gläubige die Katholische Kirche verlassen als im Vorjahr. Im Erzbistum München und Freising blieben die Austrittszahlen nahezu stabil.

Beunruhigend aber stabil: Austrittszahlen im Erzbistum München und Freising (Bild: Sankt Michaelsbund) © Sankt Michaelsbund

München – Die Zahl der Kirchenaustritte in Bayern ist 2015 leicht zurückgegangen. 53.318 Menschen verließen die katholische Kirche, 24.914 kehrten der evangelischen Kirche den Rücken, zusammen also etwa 78.200. Im Vorjahr hatten die beiden großen Kirchen 85.500 Mitglieder verloren. Die Büros der Kirchen veröffentlichten ihre Zahlen am Freitag erstmals zeitgleich.

Obwohl die Kirchenaustritte durchaus zurückgegangen seien, "muss uns die dennoch hohe Ziffer weiterhin anhalten, in unserem seelsorglichen Bemühen nicht nachzulassen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Die Kirche brauche eine "anspruchsvolle Pastoral", die den unterschiedlichen Lebenswelten der Menschen gerecht werde und die Hoffnung des Glaubens überzeugend weitergebe. "Der Abschluss der Bischofssynode im vergangenen Jahr und das Apostolische Schreiben ‘Amoris laetitia‘ von Papst Franziskus sind dazu wichtige Wegweiser", so der Kardinal.

Der Abschwung der Austrittsbewegung fiel diesmal konfessionell unterschiedlich stark aus. Die katholische Kirche verlor im Freistaat 6,6 Prozent weniger Mitglieder als 2014, die evangelische 12,3 Prozent. Insgesamt lebten zum Jahresende 6,57 Millionen katholische und 2,43 Millionen evangelische Christen in Bayern. Das bedeutet ein Minus von zusammen etwa 70.000 gegenüber 2014. Für die orthodoxen Kirchen liegen keine Zahlen vor. Während die Christen weniger wurden, wuchs die bayerische Bevölkerung 2015 um gut ein Prozent auf 12,8 Millionen Menschen.

Die Zahl der Katholiken im Erzbistum München und Freising bleibt nahezu stabil. Zum 31. Dezember 2015 lebten auf dem Gebiet der Erzdiözese rund 1,732 Millionen katholische Menschen (2014: 1,739 Millionen), was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von etwa 47,0 Prozent (2014: etwa 48,0) entspricht. Die Zahl der Katholiken ist damit geringfügig um 0,4 Prozent zurückgegangen, während die Zahl der Austritte leicht sank, um 1,3 Prozent auf 20.282 (2014: 20.552). Weiterhin besteht hohes Interesse an den Sakramenten, so gab es 2015 mehr Taufen und Trauungen als im Vorjahr.
Die nahezu stabile Katholikenzahl ist laut Erzbistum zurückzuführen auf die weiterhin hohe Zuwanderung in die Region München. Rechnerisch ergibt sich aus der Zahl der Taufen, Eintritte und Wiederaufnahmen im Vergleich zur Zahl der Beerdigungen und Austritte ein Verlust von 23.003 Katholiken. Da der tatsächliche Verlust nur 7.102 Katholiken beträgt, ergibt sich ein positiver Wanderungssaldo von 15.901 (2014: 9.621). Von den Zuwanderern aus dem Ausland stammen die meisten aus Kroatien und Polen, weitere wichtige Herkunftsländer sind Italien und Ungarn.

Positiv bewerteten katholische und evangelische Kirchenvertreter ein fast bayernweit durchgängiges leichtes Plus bei den Taufen. Angesichts des Sterbeüberhangs hätte die Zahl der katholischen und evangelischen Christen 2015 noch stärker abnehmen müssen. Statistisch wurde dieser Effekt jedoch vor allem durch katholische Zuwanderer abgefedert. So ging die Zahl der Katholiken im Erzbistum München und Freising statt um 23.000 nur um 7.100 zurück. Die evangelische Landeskirche verwies zudem auf einen weiteren aus ihrer Sicht günstigen Trend. So sei die Zahl der in ihren Kirchengemeinden ehrenamtlich Engagierten seit 2011 kontinuierlich gestiegen.

In Bayern war die Zahl der katholischen Austritte um fast zehn Prozentpunkte weniger stark rückläufig als im Bundesdurchschnitt. Ein Hauptgrund dafür liegt in der Entwicklung in der größten der sieben Diözesen, dem Erzbistum München und Freising. Dort verabschiedeten sich wie schon 2014 mehr als 20.000 Katholiken - so viele wie in keiner anderen deutschen Diözese. Aber auch im ländlich geprägten Passau gab es keinen nennenswerten statistischen Rückgang bei den Austritten im Vergleich zu 2014.

Die katholischen bayerischen Austrittszahlen im Einzelnen: Augsburg 10.040 (2014: 12.090), Bamberg 5.241 (5.785), Eichstätt 2.794 (3.153), München und Freising 20.282 (20.552), Passau 2.707 (2.740), Regensburg 6.632 (7.042), Würzburg 5.240 (5.735). (KNA/ks)

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