Kultursonderpreis Auszeichnung für ein ganzes Dorf

15.11.2019

Das Engagement der gesamten Gemeinde Aschau für das historische Heilige Grab und die dafür geschaffenen Auferstehungsspiele hat der Landkreis Rosenheim mit seinem seit 2008 verliehenen Kultursonderpreis gewürdigt.

Religiöses Theater in historischer Kulisse: Das Auferstehungsspiel in Heiligen Grab von Aschau. © Kiderle/SMB

Oberaudorf/Aschau i. Chg - Rund 300 Aschauer haben monatelang in der kalten Kirche mit Schals geprobt, eine riesige Kulisse aufgebaut, Führungen angeboten oder bei Vorstellungen Karten abgerissen. Der Wiederaufbau des nahezu vergessenen historischen Grabes und die Aufführung von zwei eigens dafür geschriebenen religiösen Theaterstücken mit viel Musik waren eine Gemeinschaftsleistung des gesamten Dorfes. Dafür haben die Beteiligten nun den Kultursonderpreis des Landkreises Rosenheim erhalten.

Ganzes Dorf beteiligt

„Es ist eigentlich schon die zweite Auszeichnung“, freut sich Ulrich Feldmann, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Aschau. „Die erste inoffizielle Auszeichnung war die Riesenresonanz durch die vielen Zuschauer und Besucher, damit haben wir nicht gerechnet.“ Rund 6000 Menschen haben die sogenannten Auferstehungspiele in der Aschauer Pfarrkirche im Frühjahr dieses Jahres besucht. Alle 15 Vorstellungen waren komplett ausverkauft. 4000 weitere Gäste haben sich bei eigenen Führungen das Heilige Grab erläutern lassen, das nach über 60 Jahren mit Hilfe der Hauptabteilung Kunst des Erzbischöflichen Ordinariats wieder restauriert worden war.

Bedingung dafür war ein schlüssiges Konzept und da kamen die Aschauer auf die Idee, die 1797 entstandenen Kulissen wie früher als Bühne für religiöse Theateraufführungen zu nutzen. Vom Bauhof der Gemeinde, über das Kolpingtheater, bis zur Pfarrei und dem Heimat- und Geschichtsverein beteiligte sich das ganze Dorf an diesem Projekt. „Beindruckend“ nannte der stellvertretende Landrat das Josef Huber, die Leistung und die Begeisterung der Aschauer für ihr Heiliges Grab und die dazugehörigen Theaterspiele, als er die Auszeichnung vor rund 100 geladenen Gästen im Kursaal von Oberaudorf überreichte.

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Beitrag zum Kultursonderpreis für Aschau

Auszeichnung, die zum Weitermachen motiviert: Autor Werner Hofmann, Marianne Neumüller vom Kolpingtheater Aschau, stv. Landrat Josef Huber, Wolfgang Rucker von der Kirchenverwaltung Aschau, Ulrich Feldmann vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau bei der Übergabe des Kultursonderpreises 2019, den der Landkreis Rosenheim vergibt. © Landratsamt Rosenheim/Fischer

Die Vorschläge für die Preise macht der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, Christoph Maier-Gehring, der auch die Laudatio hielt: „Das Ganze ist einfach beispielhaft für den Zusammenhalt eines ganzen Dorfes.“ Einzigartig sei die Verbindung eines barocken Heiligen Grabes mit einem zeitgenössischen religiösen Theaterspiel. Für die beiden Stücke waren der Priener Gemeindereferent Werner Hofmann und seine Frau Julia zuständig, die den Text geschrieben haben und an den Aufführungen selbst beteiligt waren. Die Mitwirkenden der Auferstehungsspiele hätten eine enorme Probenlast bewältigt, erzählt Hofmann. Mancher Darsteller habe sich erst „nach einem Überzeugungsschnapserl“ bereit erklärt, eine größere Rolle zu übernehmen. Das Preisgeld von 1500 Euro soll nun in die Pflege des Heiligen Grabes und der Auferstehungsspiele fließen. „Grundsätzlich gibt uns diese Auszeichnung die Motivation diese Spiele und den Aufbau mit ihrem gewaltigen Aufwand in ein paar Jahren zu wiederholen“, erklärt Ulrich Feldmann vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau. Motivation für ihr Schaffen ziehen natürlich auch die anderen Kulturpreisträger 2019 des Landkreises Rosenheim: Die junge Klarinettistin Elisabeth Dögerl, die unter anderem an den Orgelwochen im Pfarrverband Bad Endorf mitwirkt und den Förderpreis in Höhe 2500 Euro erhielt. Der mit 5000 Euro dotierte Kulturpreis ging in diesem Jahr an die Musikfilmtage Oberaudorf, auf dem seit zehn Jahren jährlich Dokumentar- und Spielfilme über verschiedenste musikalische Themen gezeigt werden.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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