Gegen das Chaos im Kopf Auszeit mit Meditieren und Beten

25.11.2018

Die Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung, Susanne Hornberger, verbrachte im Exerzitienhaus Schloss Fürstenried ein ganzes Wochenende in Stille. Hier schildert sie, was sie dabei erlebt hat.

Das Tor geht zu, die Anspannung löst sich.
Das Tor geht zu, die Anspannung löst sich. © Hornberger

München – Als das große, schmiedeeiserne Tor hinter mir ins Schloss fällt, löst sich in mir schnell eine gewisse Anspannung. Das Tor schiebt den stressigen Alltag nach draußen, innen beginnt nun meine Zeit, Zeit, die ich nur für mich habe. Ich stehe vor Schloss Fürstenried, dem Exerzitienhaus der Erzdiözese, und beginne mein kontemplatives Wochenende in Stille: „Beten mit dem Namen Jesus Christus“. Ich bin sehr gespannt, ob ich Nachrichten- und Internet-Junkie es tatsächlich schaffe, ein ganzes Wochenende das Handy ausgeschaltet zu lassen – und wie es mir überhaupt dabei ergeht, zu schweigen, mich ganz der Stille und dem Gebet, der Meditation hinzugeben – und auch mir selbst.

Handy ausschalten

Noch bevor es zum Kaffee an diesem Freitagnachmittag geht, wo ich meine Gruppe, fünf Frauen und einen Mann, sowie Kursleiterin Martina Klenk kennenlernen werde, werfe ich einen letzten Blick auf mein Smartphone. Ich freue mich auf die handyfreie Zeit. Endlich mal nicht ständig, Tag und Nacht, erreichbar sein. Keine Erwartungshaltung verspüren, sofort jede WhatsApp beantworten zu müssen. Nichts auf Facebook, Instagram oder Twitter posten. Ruhe. Schweigen. Als ich mein Smartphone ausschalte, huscht mir ein Lächeln übers Gesicht. Dieser Schritt, das vermag der ein oder andere nicht nachzuvollziehen, bedeutet für mich schon einen kleinen Sieg – denn dieses Ding, typische Journalistenkrankheit, war seit Monaten nicht ausgeschaltet.

Nun wird’s ernst. Im Gruppenraum, einem schmalen Zimmer, an dessen Wand eine Jesus-Ikone lehnt, flankiert von einer pink-weißen Orchidee und einer weißen Kerze im Glas, liegen weiße Matten mit braunen Kuscheldecken bereit. Jeder sucht sich einen Platz, dazu ein Kissen oder einen Hocker, manche nehmen lieber einen Stuhl, wie er eben besser meditieren kann. Wir stellen uns vor, erzählen von Erwartungen und Ängsten. Keinem ist etwas unangenehm, Vertrauen liegt in der Luft. Auch deshalb, weil Leiterin Martina eine angenehme Atmosphäre und Nähe schafft, indem sie mit uns das „Du“ vereinbart. Ich äußere meine Furcht, dass mich anstrengende, dunkle Gedanken packen, was man bislang im Leben so falsch gemacht hat, woran man privat gescheitert ist, was man nicht erreicht hat, obwohl man es unbedingt wollte. Ab jetzt wird geschwiegen. Das gilt auch während der Mahlzeiten, die wir gemeinsam einnehmen. Wir werden bis Sonntagmittag lediglich in unseren Austauschrunden jeweils mittags und abends erzählen, wie es uns mit den Meditationsübungen ergangen ist.

Einfach nur atmen

Zum Einstieg sollen wir unsere Augen schließen, ruhig ein- und ausatmen und nur unseren Körper fühlen, Arme, Beine, Hände, den Atem spüren. Ziel: wenig bis nichts zu denken und Jesus Christus zu erreichen. Kann ja nicht so schwer sein, denke ich mir. Ich sitze auf einem runden Kissen im so genannten Reitersitz, das fühlt sich bequem an. „Wichtig ist, stabil und aufrecht zu sitzen, um für Gott präsent zu sein, bereit zu sein, ihm zu begegnen“, erläutert Martina. Andere sitzen im Schneidersitz (Lotus-Sitz), oder auf einem kleinen Hocker oder Stuhl. Hauptsache bequem, immerhin muss man es ja pro Einheit gute 25 Minuten aushalten. Nun also einfach nur atmen. Es gelingt mir zunächst, ich höre lediglich den Regen an die Fenster prasseln und die Rufe einer Krähe. Diese Stille tut unheimlich gut. Ich genieße sie in vollen Zügen und freue mich. Doch dann schweife ich ab: Ich denke an die Arbeit, was zu tun ist, was mich im November alles erwartet: viele Termine, wichtige Treffen, die Weiterentwicklung der Zeitung. Ich versuche mich verzweifelt wieder zu konzentrieren, auf meinen Atem, auf meine Hände und Beine. Das gelingt mir wieder etwas, aber sie kommen erneut, die Gedanken, was noch alles zu stemmen ist. Wieder gelingt es mir, diese Gedanken einzufangen und wegzuschieben. Ich bin ein kleines bisschen stolz.

Ein Gedanke jagt den nächsten

Nach der ersten Meditation gehen wir zweimal im Kreis durch den Raum. Langsam, bedächtig. Es tut gut, kurz aufzustehen und sich zu bewegen. Dann die zweite Runde. Sie ist der ersten ganz ähnlich. Ein Gedanke jagt den nächsten: Wie soll ich das schaffen, im Januar soll ich einen Vortrag über meine journalistische Tätigkeit an der Uni halten, was stürzt am Montag alles auf mich zu, Dienstag ist Redaktionsschluss, dann Privates: Ich denke an Menschen, die mir wichtig sind, was die jetzt wohl gerade machen? Und dann kommt mir in den Sinn, wie gut mir diese Stille tut, nach der ich mich so lange gesehnt habe – bereits in meiner Zeit als Vatikan-Korrespondentin von 2011 bis 2013 in Rom wollte ich diesen Selbstversuch fürs Fernsehen machen, hatte aber nie, ja genau: Zeit! – und dann, geradezu hämmernd steigt wieder mein Drang nach Perfektion in mir hoch. Mir wird klar, dass es gar nicht so einfach ist, mal nichts zu denken, nicht zu grübeln, einfach nur zu sein. Doch die Perfektionistin in mir ist gnadenlos und gewinnt schon wieder die Oberhand: Ich spüre plötzlich einen gewissen Druck, Leistung zu bringen, nicht zu scheitern. Es muss doch einfach klappen. Andere können es doch offensichtlich auch! Ein bisschen frustrierend sind da die Gedanken.

Im Gruppenraum lehnt eine Jesus-Ikone, beleuchtet von einer Kerze, an der Wand.
Im Gruppenraum lehnt eine Jesus-Ikone, beleuchtet von einer Kerze, an der Wand. © Hornberger

Kontemplation ist das Wahrnehmen des Hier und Jetzt

Nach dem Abendessen – schweigend, was zunächst völlig ungewohnt und unerwartet angenehm ist, da man sich völlig auf die Speise, den Geschmack (wie gut eigentlich Spinat ist, den ich seit gefühlt Jahrzehnten nicht mehr gegessen habe!) hingibt – folgt unsere erste Austauschrunde. Und die beruhigt mich ungemein. Denn auch andere schildern ihr Chaos im Kopf. Martina berichtet, dass die meisten Teilnehmer hier anfangs nicht zur Ruhe kommen können, weil der Leistungsdruck sie verfolgt. Dieser habe allerdings in der Kontemplation nichts verloren. „Man kann ganz frei sein“, erklärt sie ruhig, „Kontemplation ist das Wahrnehmen des Hier und Jetzt, des Gegenwärtigen. Wir müssen nicht wie sonst im Leben einordnen, analysieren, bewerten.“ Sie schaut jedem in die Augen. „Einfach sein lassen.“ So banal das klingt, so schwierig ist es umzusetzen, denke ich mir. Die freie Zeit, die wir nun haben, verbringe ich in der Kapelle. Hier, mit Blick auf das flackernde Ewige Licht, überwältigen mich Gedanken und Gefühle. Wie schön doch eigentlich alles ist. Welch ein Glück, so wunderbare, enge Freunde zu haben, die mit mir lachen, aber auch weinen und mich durch jedes noch so tiefe, schlimme, schmerzhafte Tal begleiten. Welch ein Geschenk! Diese friedvolle Stille in dieser Kapelle. Noch schöner und intensiver wird es, als draußen, im Flur, das Licht im Zuge des Bewegungsmelders ausgeht und in der Kapelle nur noch das Flackern der Kerze des Ewigen Lichts zu sehen ist, das wunderbar tanzende Schatten an die Wand wirft. Ein echter, ja, Glaubens-Genuss, denn da ist für mich Jesus Christus zum Greifen nah. Als ich ins Zimmer gehe, ertappe ich mich zwar, wie ich aufs Handy auf dem viereckigen Tisch glotze und kurz das Bedürfnis in mir aufsteigt, lieben Menschen zu sagen, was ich gerade erlebe – es aber lasse. Ich empfinde mich als ziemlich tapfer – und gehe ins Bett.

Der angenehme Charme im Zimmer sorgt auch für eine wohlige Atmosphäre während des kontemplativen Wochenendes.
Der angenehme Charme im Zimmer sorgt auch für eine wohlige Atmosphäre während des kontemplativen Wochenendes. © Hornberger

Das Herz spüren

Noch vor der Eucharistiefeier am nächsten Morgen, es ist Samstag, haben wir Gelegenheit zur freien Meditation, beutetet, nicht jeder muss teilnehmen. Mit Martina sind wir zu dritt. Das am frühen Morgen, um 6.50 Uhr, hat seinen besonderen Reiz. Während es draußen langsam hell wird, finde ich meine ganz eigene Ruhe. Die Gedanken sind zahm. Ich bin völlig bei mir. Es fühlt sich wunderbar an.
Nach der Eucharistiefeier, in der wir Pater Rupert Mayer gedenken, und dem Frühstück, das mich, weil ein Teilnehmer Mandarinen isst, an Weihnachten in der Kindheit erinnert, beginnen wir wieder mit Anleitung zu meditieren. Nun ermuntert uns Martina, unsere Handhaltung zu verändern. Die Orante-Haltung. Dabei hält man die Hände auseinander, die Handflächen stehen sich gegenüber. Man solle probieren, wie es sich anfühlt, sie zueinander zu führen. Ich teste. Und erlebe Großartiges. Je näher ich meine Handflächen zueinander führe, desto beflügelnder ist das Gefühl. Umso näher ich meine Hände führe, peu à peu, desto mehr Wärme, Energie spüre ich. Meine Hände sind etwa 20 Zentimeter auseinander, da durchströmt mich ein Fluss direkt ins Herz, voller Wärme und Energie, ich kann sogar das ganze Organ spüren in mir. Ein unglaubliches Gefühl.

Spaziergang durch den Schlosspark

Diese Wärme transportiert gleichzeitig Optimismus: Alles ist schaffbar, alles machbar, auch wenn ich denke, es sei noch so aussichtslos. Und: Es gibt kein Scheitern im Leben, auch wenn ich es für mich so empfinden mag. Alles ist gut, so wie es ist. Ich werde so akzeptiert und geliebt, auch ohne Kinder, auch ohne Trallala. Es sind schwer zu beschreibende Glücksgefühle, die ich empfinde. Ich möchte gar nicht heraus, aus dieser Meditation. Vor dem Mittagessen verbringe ich die freie Zeit bei einem Spaziergang durch den Schlosspark. Martina hat uns zuvor ermuntert, rauszugehen, die Natur mit allen Sinne zu fühlen. Und genau das mache ich. Ich liebe den Herbst, es fällt mir leicht, die frische Luft, die wundervollen Farben aufzusaugen. Rosen, die noch einmal stolz ihr tiefes Rot präsentieren, das Laub, das noch farbenträchtig gelb-rot schildernd an den Bäumen hängt oder unter meinen Schritten raschelt, und sich auf den grünen Grashalmen wie ein Teppich legt. Und wie weich sich dieser anfühlt, als ich vorsichtig darübergehe. Ich wirble – wie früher als kleines Mädchen – das Laub mit den Händen in die Luft. Sie fühlt sich wunderbar an, diese Natur.

Eine Meditation in der Natur eröffnet neue Perspektiven.
Eine Meditation in der Natur eröffnet neue Perspektiven. © Hornberger

Meditation mit dem Namen Jesus Christus

Ich beobachte ein Eichhörnchen, wie es grazil und flink von Ast zu Ästchen hüpft, so leicht und geschmeidig. Ich gehe weiter, beschwingt durch diese angenehm kühle Herbst-Luft. Diese Glücksgefühle tragen mich, lassen in mir Optimismus wachsen: Alles ist machbar, alles ist stemmbar. In der Meditation kurz vor dem Mittagessen, sollen wir beim Ausatmen „Ja“ Sagen. Eine Steigerung Richtung Jesus-Gebet, sagt Martina. Auch hier umgibt mich das Gefühl, alles ist gut, alles wird akzeptiert, was man macht.
Am Nachmittag geht es „ans Eingemachte“. Nachdem wir Atmung, Körper, Hände wahrgenommen haben, kommen wir zum Punkt. „Beten ist eine Beziehung aufbauen“, erklärt Martina, „eine Verbindung nun zu Jesus Christus.“ Eine Meditation mit dem Namen Jesus Christus. Also: ausatmend: Jesus, einatmend: Christus. Zunächst lediglich beim Ausatmen „Jesus“ gedanklich vor sich sagen. Wer im Rhythmus ist, soll „Christus“ beim Einatmen sagen. Bei mir funktioniert das sehr gut. Ich bin achtsam. Mir gelingt es eine ganze Weile, Jesus beim Ausatmen zu sagen, Christus beim Einatmen. Doch plötzlich erscheinen sie wieder, die Gedanken. Was hat man geschafft? Wie ergeht es den Lieben? Was erwartet mich? Was habe ich nicht geschafft im Leben?

Eine neue Stufe im Gebet

Ich versuche konsequent, Ruhe hineinzubringen, indem ich mein Atmen „kontrolliere“. Und plötzlich empfinde ich Atmen als anstrengend. Beim Sport, beim Joggen auf dem Laufband, funktioniert Atmen automatisiert. Hier nicht. Aber „Jesus Christus“ zu sagen, ist entspannend, befriedend, tut gut. Es ist tatsächlich eine neue Stufe im Gebet. Trotzdem „sacke“ ich einige Male während der Meditation nach vorne etwas weg.Martina wird später erklären, dass dies eine Form der Entspannung der Muskeln ist, wenn bei einem gerade viel los ist, beruflich oder privat, dass die Muskeln so entspannen. Also irgendwie doch positiv. Diese Entspannung. So empfinde ich das jedenfalls. Es ist Samstagabend. Ich gehe wieder in die Kapelle. Und hier finde ich wieder Ruhe, Stille, bin ganz bei mir. Und ganz allein in der Kapelle. Hier funktioniert das Meditieren eigentlich noch besser als im Gruppenraum. Ich bin ganz ruhig, vergesse allen Trubel da draußen, vermisse mein Handy keine Sekunde. Was zählt, bin ich und ich und nochmals ich. Das ist neu, das ist überwältigend. Denn sonst zählen tausend andere Dinge. Aber nicht wirklich ich. Das tut gut. Und ich hoffe, dieses Gefühl aus dieser Oase mit nach Hause retten zu können.

"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"

Am Sonntagmorgen, um 6.50 Uhr, sind wir mit Martina wieder zu dritt. Diese Morgenmeditation ist erneut umwerfend und natürlich, ganz eigen. Draußen erwacht das Leben. Und wir mittendrin. Wunderbar. Friedlich. Ganz eins mit sich. In der anschließenden Eucharistiefeier ist das Thema des Evangeliums: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Bei der Meditation beschäftigt mich das extrem. So einfach der Satz, so unendlich schwierig, ihn umzusetzen. Liebt man sich wirklich selbst? Und alle anderen? Nicht ganz einfach, das sehen auch meine Mitstreiter so. „Beten lernen heißt Beziehung lernen“, erläutert Martina, „lerne lieben sieht Jesus als Grundvoraussetzung.“

Mich beschleicht das Gefühl immer mehr, dass ich mich in der Kapelle, in der Kirche, in einem sakralen Raum, besser, also Jesus Christus, Gott, näher zu fühlen als an anderen Orten. Und überhaupt, alleine kann ich wohl besser meditieren als mit mehreren in einem Raum, wo mich irgendwelche Atemgeräusche ablenken. Als ich in der kurzen freien Zeit spazieren gehe im Park, merke ich, wie mich der Alltag langsam wieder einholt. Das Rauschen, das von der Olympiastraße, der Autobahn, in den Park dringt, erscheint mir lauter als noch am Vortag. Es nervt mich. Trotzdem genieße ich diese Natur, mit all ihren Gerüchen und dem fröhlichen Vogelgezwitscher.
In der Abschlussrunde gibt uns Martina den Tipp, jeden Tag eine halbe Stunde zu meditieren und lieber auf Fernsehen oder Internet zu verzichten.

Kontemplatives Wochenende ist kein „Wellness-Wohlfühl-Programm“

Und erklärt Meditation. „Das ist erstens immer die Ausrichtung auf Jesus Christus, auf Gott schauen.“ Zweitens gehe es darum, jeder Gedanke sei gut, alles, was passiert, was ist, sei gut und anzunehmen, und nicht wegzudrücken. Wen jemand an die sogenannte Mauer käme, also, wenn sehr unangenehme Gefühle hochkommen wie Wut, Angst, Hass, Ungeduld oder Körperschmerzen, sei es ein Zeichen dafür, dass sich etwas lösen wolle. Und, so fährt Martina fort, es gebe zwei Möglichkeiten, dem zu begegnen. Erstens: diese bösen Gefühle analysieren zu wollen. „Doch dann ist man weg aus der Meditation“, sagt sie eindringlich. Die zweite Möglichkeit bestünde darin, ein sanftes Bordlicht anzuknipsen, das Gefühl liebevoll anzunehmen. „Das kann dann Heilung erfahren.“ „Wie geht ,richtiges Meditieren‘?“, frage ich. Martina berichtet, dass auch ein Profi nach so vielen Jahren nicht frei von diversen Gedanken meditieren kann. Aber: Es gebe diese Momente, in denen man kein Gefühl mehr verspüre, keine Gedanken mehr habe. Und dann sei da „ein Nichts, das guttut und aus dem man Kraft schöpft. Und dies ist eine unglaubliche Gnade“. Sie zitiert Teresa von Ávila: „Gott gibt was wem, wann und wie er es möchte.“ „Was ist überhaupt der Sinn des Meditierens?“, fragt eine Teilnehmerin. „Ein Stück reinwachsen“, antwortet Martina, „ins Einswerden mit Gott, seiner Liebe und Barmherzigkeit. Das hilft uns dann, uns der Liebe zu öffnen.“ Ein kontemplatives Wochenende sei kein „Wellness-Wohlfühl-Programm“, meint Martina. Denn: „Ich stelle mich vor Jesus Christus, und der reißt die ein oder andere schmerzhafte Wunde auf.“ Und der Wert des Gebetes sei, dass man im Alltag öfter zuhören, Dinge auch mal stehen lassen könne, die man nicht ändern kann.

Die Hoffnung, das Erlebte mit in den Alltag zu nehmen

Mit all den Erfahrungen und Eindrücken verlassen wir Schloss Fürstenried wieder. Ich tue es schweren Herzens. Diese Oase der Ruhe, der Stille, der Zufriedenheit und des Glücks verlasse ich allzu ungern. Als ich im Auto sitze, mache ich das Handy wieder an. Was mich erwartet sind über 80 WhatsApps, mehrere Anrufe auf meiner Mailbox und SMS. Ganz zu schweigen von über 300 E-Mails. Ich überlege, was ich mitnehme, dass mich ein derartiger „Ansturm“ weniger oder gar nicht mehr stresst. Ich will es versuchen mit der Meditation, mir Ruhe-Oasen in der Hektik schaffen und diese auch bewahren. Das müsste doch zu schaffen sein! Und als das große schmiedeeiserne Tor von Schloss Fürstenried sich für mich öffnet, hat er mich wieder, der Alltag. Hoffentlich verschlingt er mich künftig nicht mehr ganz.

Hier finden Sie das Kursangebot des Exerzitienhauses Fürstenried.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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