Christus ist das Licht Autospiegel auf dem Kirchdach als Lichtquelle

01.04.2018

Ein Dorf in dem drei Monate keine Sonne fällt, hat eine clevere Lösung gefunden, um das zu ändern. Auch das Kreuz in der Kirche wird auf diese Weise angestrahlt. Max Kronawitter sieht darin die Umkehrung der österlichen Theologie.

Die Leute von Viganella haben es schwer. Drei Monate lang fällt kein Sonnenstrahl auf das norditalienische Bergdorf. Wie furchtbar, wo doch bekannt ist, wie sehr Sonnenmangel auf das Gemüt schlägt. Doch nun gibt es einen Lichtblick. Der ehemalige Bürgermeister von Viganella hat jahrelang an seiner Vision gearbeitet. Auf dem gegenüberliegenden Berghang hat er einen riesigen Spiegel anbringen lassen. Und siehe da, seit das seltsame Bauwerk aus Glas und Stahl über dem Ort errichtet ist, fallen auch zwischen November und Februar Sonnenstrahlen auf die Piazza. Seither ist der Dorfplatz vor der Kirche auch im Winter ein beliebter Treffpunkt. Auf einer Fläche in der Größe eines Fußballfeldes können die Bewohner Sonne tanken. Das neuartige Licht lässt sie zusammenkommen, so, wie sich in fernen Kulturen Dorfbewohner um die Feuerstelle versammeln.

Umkehrung der österlichen Theologie

Der mächtige Spiegel über dem Dorf ist nicht der einzige, der die Sonnenstrahlen umlenkt. Findige Gemeindemitglieder haben auf dem Kirchdach einen Autospiegel zu einer weiteren Lichtquelle umfunktioniert. Die Sonnenstrahlen, die der große Spiegel ins Tal schickt, werden auf diese Weise in die Kirche umgeleitet und auf einem Kreuz vor dem Altar gebündelt: Das Antlitz Christi erstrahlt so täglich in ungewöhnlichem Licht.

Max Kronawitter ist Theologe und Filmemacher
Max Kronawitter ist Theologe und Filmemacher © privat

Als ich von der Geschichte gehört habe, dachte ich: „welch ungewöhnliches Bild.“ Was sich auf der Christusfigur physikalisch ereignet, ist die Umkehrung der österlichen Theologie. Im Exultet der Osternacht wird Christus gepriesen als wahrer Morgenstern, der den Menschen den Weg aus der Dunkelheit ins Licht weist. In vielfacher Weise greift die Osterliturgie das Thema Licht auf, um auszudrücken, dass Christi Durchgang durch den Tod die Menschheit der irdischen Finsternis entreißt.

Mensch kann Licht bringen

Am Beginn dieser Befreiungsaktion steht das Kreuz. Der Opfertod des Gottessohnes durchbricht die Finsternis. Christus macht die Welt hell. Wenn die Gläubigen von Viganella ihren Christus mithilfe eines Autospiegels erstrahlen lassen, dann werden hier Ursache und Wirkung vertauscht. Denn theologisch betrachtet ist es Christus, der die Welt hell macht, nicht umgekehrt. Und doch drückt sich in der Aktion mit dem Autospiegel etwas Bemerkenswertes aus: Von Gott erleuchtet ist der Mensch befähigt, seinerseits Licht in jeden noch so dunklen Fleck der Erde zu bringen. (Max Kronawitter, Theologe und Filmemacher)


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