Wohnungsnot Azubi-Wohnen der Zukunft

05.12.2019

In München soll ein Pilotprojekt für Entspannung am Wohnungsmarkt für Auszubildende sorgen. Dafür wurde extra ein neues Bündnis geschmiedet.

Mona Wenzel (3. v. l.) kocht mir ihren Azubis © SMB/Hasel

München - Sebastian Margner hat eine regelrechte Odyssee hinter sich. Der 19-Jährige kommt im Frühjahr nach München, weil er Lokführer werden möchte. Den Ausbildungsvertrag bei der S-Bahn hat er schon in der Tasche, nur die Wohnung fehlt noch. „Das mit dem Zimmer wird schon irgendwie klappen“, denkt sich Sebastian. Die Realität sieht dann aber doch ganz anders aus. Als Auszubildender verdient er zu wenig, um sich in München eine Wohnung leisten zu können. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als vorerst in eine Pension zu ziehen. Danach zieht er für zwei Monate in eine Übergangswohnung.

Sebastian Margner (2. v. l.) beim Pizza-Backen © SMB/Hasel

Bezahlbare Miete

Schließlich hat er Glück im Unglück. Seine Chefin erzählt ihm vom neuen Azubi-Wohnprojekt am Innsbrucker Ring. Das Wohnhaus für 124 Auszubildende direkt am Mittleren Ring ist gerade bezugsfertig geworden. Das Azubi-Wohnen ist ein Pilotprojekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag mit verschiedenen Ausbildungsbetrieben. Hier bekommt Sebastian ein 30 Quadratmeter großes Ein-Zimmer- Appartement für 320 Euro warm. Der günstige Preis ist nur möglich, weil sich sein Ausbildungsbetrieb verpflichtet hat, ein Drittel der Mietkosten zu übernehmen. Aber nicht nur die bezahlbare Miete hat den angehenden Lokomotivführer überzeugt. Zum Projekt gehört auch eine Anlaufstelle im Wohnhaus, die Mona Wenzel vom Kolping Bildungswerk leitet.

Pädagogische Begleitung

Die Sozialpädagogin ist eine Art Ersatzmutter für die Bewohner. In ihr Büro kann Sebastian kommen, wenn er in irgendeiner Form Unterstützung benötigt oder einfach nur jemanden zum Reden. Wenzel bietet auch ein Freizeitprogramm für die Azubis an. Im Gemeinschaftsraum mit Küche organisiert sie regelmäßige Treffen, bei denen zum Beispiel Pizza gebacken wird. Beim Kochen und Essen lernten sich die jungen Leute am einfachsten kennen, betont Wenzel. Das sei wichtig, denn die meisten kämen alleine nach München und hätten an ihrem neuen Wohnort zunächst keine Freunde oder Bekannte.

Allein, aber nie einsam

Ilvi Süß kann das bestätigen. Die angehende Veranstaltungskauffrau aus der Nähe von Regensburg fängt zwischenmenschlich in München bei null an. Sie ist komplett in die Landeshauptstadt gezogen, nach Hause fährt sie höchstens noch an Weihnachten. Mit ihren Nachbarn habe sie sich schon angefreundet, erzählt die 19-Jährige. Und am Freizeitprogramm von Wenzel nehme sie auch regelmäßig teil. „Allein wohnen und trotzdem Gemeinschaft erleben, diese Kombination ist bislang einzigartig beim Jugendwohnen und wird von den jungen Erwachsenen gut angenommen“, betont Wenzel. Das liege vielleicht auch daran, dass die Azubis selbst vorschlagen dürften, was sie gemeinsam unternehmen. Wenzel ist gerade dabei, einen weiteren Freizeitwunsch zu planen: Bowling mit open end. Langweilig wird es den Azubis am Innsbrucker Ring also ganz bestimmt nicht werden.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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