Nach "Nein" des Vatikan Bätzing kritisiert Segnungsfeiern für homosexuelle Paare

28.04.2021

Bundesweit haben Seelsorger für den 10. Mai zu Segnungsgottesdiensten für gleichgeschlechtliche Paare aufgerufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hält diese Aktion für nicht hilfreich.

Hände, die gesegnet werden
Für den 10. Mai haben Seelsorger aus ganz Deutschland zu Segnungsgottesdiensten aufgerufen. © Jörg Loeffler/KNA

Bonn – Die Deutsche Bischofskonferenz kritisiert die für den 10. Mai geplanten Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare. "Segnungsgottesdienste haben ihre eigene theologische Würde und pastorale Bedeutung. Sie sind nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet", erklärte der Konferenzvorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing, am Mittwoch in Bonn. Eine solche öffentliche Aktion sei kein hilfreiches Zeichen und kein weiterführender Weg.

Bätzing betonte zugleich: "Selbstverständlich haben Menschen mit homosexueller Orientierung, auch diejenigen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, einen Platz in der Kirche. Sie sind uns willkommen." Es gehöre zum pastoralen Dienst der Kirche, all diesen Menschen in den jeweiligen Situationen auf ihrem Lebensweg gerecht zu werden und sie seelsorglich zu begleiten.

Aufruf zu Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Verschiedene Seelsorger hatten Mitte April zu bundesweiten "Segensgottesdiensten für Liebende" aufgerufen und dabei auch ausdrücklich homosexuelle Paare eingeladen. "Paare, die hieran teilnehmen, sollen den Segen bekommen, den Gott ihnen schenken will - ganz ohne Heimlichkeit", heißt es in dem Aufruf unter den Leitworten #mutwilligSegnen und #liebegewinnt.

Die Seelsorger reagieren damit auf das Nein des Vatikan zur Segnung homosexueller Paare, das auch unter deutschen Theologen und bei einigen Bischöfen auf deutliche Kritik gestoßen war. Die Glaubenskongregation im Vatikan hatte zuvor im März erklärt, die katholische Kirche habe keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Beziehungen zu segnen. Diese Verbindungen entsprächen nicht dem göttlichen Willen und könnten daher nicht gesegnet werden.

Weltweite Diskussionen zur kirchlichen Sexualmoral

Bätzing wiederholte am Mittwoch zugleich seine Einschätzung, dass es in Deutschland und in anderen Teilen der Weltkirche seit längerem Diskussionen gebe, in welcher Weise die kirchliche Sexualmoral, auch hinsichtlich der Homosexualität, weiterentwickelt werden könne. Das müsse "auf der Basis grundlegender Wahrheiten des Glaubens und der Moral, der fortschreitenden theologischen Reflexion und ebenso in Offenheit für neuere Ergebnisse der Humanwissenschaften und der Lebenssituationen heutiger Menschen" geschehen. "Dazu gehört auch eine angemessene Erörterung der Frage nach Segnungsgottesdiensten", so der Limburger Bischof. Der Synodale Weg sei ein zentraler Ort, das Thema gelingender Beziehungen in einer umfassenden Weise zu diskutieren. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Zwei Hände formen Herzen
© Masson - stock.adobe.com

"Segensgottesdienste für Liebende" sorgen für Diskussionen

Um den 10. Mai sind bundesweit in katholischen Gemeinden «Segensgottesdienste für Liebende» geplant. Die Aktion richtet sich auch an schwule und lesbische Paare - und erhöht den Druck in der...

05.05.2021

Pfarrer Peter Vogelsang
© privat

Pfarrer Vogelsang: „Nicht der Priester segnet, sondern Gott“

Pfarrer Peter Vogelsang aus Schäftlarn segnet auch homosexuelle Paare. Die vatikanische Glaubenskongregation hat die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nun verneint. Das jüngste...

06.04.2021

Stefan Alof steht vor dem Liebfrauendom. Neben sich ein Plakat mit der Aufschrift: "Kann denn Liebe Sünde sein?" Er erhebt seinen rechten Daumen.
© Kiderle

Kirchenpfleger entsetzt über Nein zur Segnung Homosexueller

Stephan Alof demonstriert am Münchner Liebfrauendom gegen die Haltung der Glaubenskongregation. Seit Jahren ist der engagierte Katholik in der Pfarrei St. Maximilian tätig – und bekennt sich zu seiner...

23.03.2021

Zwei Menschen stehen vor einem Priester im Messgewand. Die Gesichter sind nicht zu sehen.
© Jörg Loeffler/KNA

Fragen und Antworten zum Segen

Kürzlich sprach sich die Römische Glaubenskongregation dagegen aus, homosexuelle Paare zu segnen. Doch was bedeutet Segen, und wer darf überhaupt segnen?

23.03.2021

Michael Brinkschröder
© privat

Schwuler Theologe: „Bin wütend und enttäuscht“

Nein zur Segnung homosexueller Paare! Die klare Aussage der vatikanischen Glaubenskongregation hat für viel Unruhe gesorgt. Auch bei Michael Brinkschröder. Er ist katholischer Theologe,...

16.03.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren