Fastentuch in Heilig Blut Rosenheim Barmherzigkeit vor Augen

12.02.2016

Das neueste Werk des Künstlers Raoul Rossmy ist nun in der Kirche Heilig Blut in Rosenheim zu sehen: Ein von ihm gestaltetes Hungertuch verhüllt dort während der Fastenzeit das Hochaltarbild. Das Motiv hat eine besondere Botschaft.

Das Fastentuch zeigt Jesus, der dem Betrachter die Hand zur Versöhnung entgegenstreckt. (Bild: Rossmy)

Rosenheim – In der Fastenzeit geht es um Verzicht. Auch in den Kirchen wird in gewisser Weise Verzicht geübt. Von Aschermittwoch an verhüllen meist schlicht anmutende violette Tücher die Kreuze und Altarbilder in den Kirchen. Den Gnadenstuhl in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Heilig Blut in Rosenheim aber verdeckt ein ganz besonderes Exemplar: Ein eigens vom Künstler Raoul Rossmy entworfenes Fastentuch. Dessen Botschaft orientiert sich stark am Motto des von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahres: Barmherzigkeit.

Nachdem dort bereits eine von insgesamt acht „Pforten der Barmherzigkeit“ im Erzbistum München und Freising geöffnet wurde, wollte Dekan Daniel Reichel das Thema gerade in der Fastenzeit wieder aufgreifen. „Das Jahr der Barmherzigkeit zielt in erster Linie darauf ab, dass wir Menschen uns bewusst machen, dass wir Fehler haben und dass wir diese Fehler auch wiedergutmachen können, dass uns Christus entgegenkommt und immer wieder vergibt, wenn wir uns auch den Weg zu ihm machen“, so Reichel.

Die Fastenzeit als Höhepunkt des Jahres der Barmherzigkeit, wo es um Umkehr, Neuanfang und Versöhnung geht, sei ein geradezu prädestinierter Ort dafür. „Dieses Fastentuch soll uns den Blick auf Christus weiten und dennoch diesen Prunk und das Schöne, was wir in unserer Kirche gewohnt sind, etwas zurücknehmen, damit wir uns neu an Ostern freuen können“, wünscht sich Dekan Reichel.

Eine überlebensgroße Christusfigur

2,40 Meter mal 1,80 Meter misst das Tuch, auf dem eine überlebensgroße Christusfigur dem Betrachter die Hand entgegenstreckt. Wer durch die Heilige Pforte geht, habe in gewisser Weise die Barmherzigkeit Jesu direkt vor Augen, das war die Intention des Künstlers. Raoul Rudolf Maria Rossmy hat sich als Maler durchaus schon einen Namen gemacht. Der angehende Pastoralassistent hat bereits ein Altarbild für das Kloster Ettal entworfen und die Kapelle im niederbayerischen Kloster Rohr umgestaltet. In Heilig Blut zählt für den Künstler auch die Gesamtkomposition im Altarraum: Umrahmt wird Jesus von zwei Figuren, Maria und Johannes: „Diese sind ergriffen, von dem was sie da sehen und ihr Blick geht nach innen auf diese Christusfigur, während ihre Körper nach außen gewandt sind. Das heißt, ihre Kraft, warum sie barmherzig handeln können, ist Christus in ihrer Mitte. Aber ihr christliches Handeln geht immer nach außen, zum Nächsten“, deutet der Künstler das Ensemble. Sieben Wochen habe es schließlich gedauert, bis das Bild fertiggestellt war.

Malen als spirituelles Erlebnis

Rossmy verbindet mit dem Malen jedoch weit mehr als nur kreatives Schaffen. Ehrfürchtig steht er vor seinem neuesten Werk: „Für mich ist es auch immer ein spiritueller Prozess“. Während sein Hauptaugenmerk zu Beginn sicher eher auf Farbkomposition und Symmetrie gelegen, also der „künstlerische Blick“ dominiert habe, sei Christus auf dem Bild für ihn selbst irgendwann greifbarer, lebendiger geworden. „Je mehr Christus zu sehen ist, wird es auch für mich Christus, der dann irgendwann mir entgegenschreitet“, zeigt sich Rossmy gerührt. (taw)

Beim Gottesdienst in Heilig Blut am Sonntag, 14. Februar, um 10.30 Uhr wird das Fastentuch feierlich enthüllt und das Kunstprojekt vorgestellt.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Heiliges Jahr der Barmherzigkeit

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