Berchtesgadener Land Baumwollbrot zum Josefitag

17.03.2018

Ein seltener Brauch zum Josefitag steht seit vergangenem Jahr im Berchtesgadener Land wieder hoch im Kurs: das Backen eines „Baumwollbrots“. Wie das geht, lesen Sie hier.

Das fertige Baumwollbrot
Das fertige Baumwollbrot © Renoth

Berchtesgaden – Einer reichen Tradition erfreut sich in Bayern der Josefitag am 19. März. Der Namenstag des heiligen Josefs steht nicht nur bei den Arbeitern und Handwerkern, insbesondere den Zimmerleuten und Schreinern, hoch im Kurs, deren Patron er ist. Grund zum Feiern und zur Freude haben auch alle, die Josef oder Josefine heißen. Die Wendelsteinbahn lädt sie an diesem Tag beispielsweise zu einer Gratisfahrt auf den Gipfel ein. Und im Bräustüberl des Klosters Andechs können sich alle Josefs und Josefinen eine Maß bestes Klosterbier zum Nulltarif einschenken lassen. Bis 1968 war der Josefitag im Freistaat sogar gesetzlicher Feiertag.

Ein ungewöhnlicher und seltener Brauch zum Josefitag steht seit vergangenem Jahr im Landkreis Berchtesgadener Land wieder hoch im Kurs: das Backen eines „Baumwollbrots“. Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger und die Leiterin der Landwirtschaftsschule Laufen, Annemarie Hofstetter-Hack, hatten im Vorfeld des Patronatstages Details zur Geschichte und zur Herstellung des Hefegebäcks recherchiert.

Hergestellt wird das Baumwollbrot aus einem Hefeteig mit Rosinen.
Hergestellt wird das Baumwollbrot aus einem Hefeteig mit Rosinen. © Renoth

Woher kommt der Name?

Das Baumwollbrot erfreute sich bis vor zwei Jahrzehnten wohl noch größerer Beliebtheit in der Region im Schatten des Watzmanns. Das mit Rosinen versetzte und aus vier Teilen zusammengesetzte Brot aus Hefeteig wurde eigens zum Festtag gebacken. Für den besonderen Pfiff sorgte eine Glasur aus Puderzucker und Zitronensaft. Die Zimmerleute ließen es vor dem geselligen Verzehr jeweils bei einer Messe in der Berchtesgadener Franziskanerkirche segnen.

Woher der ungewöhnliche Name kommt, darüber kann auch Kreisheimatpfleger Schöbinger nur Mutmaßungen anstellen: „Vielleicht wurde bei der Namensfindung das Bild der weißen aufspringenden Baumwollkapseln auf den ,aufgehenden‘ weißen Hefeteig übertragen.“ Ein Anhaltspunkt dafür könnte sein, dass Dampfnudeln regional auch „Baumwollnudeln“ genannt werden.

Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger
Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger © Pfeiffer

"Echter Renner"

Das Rezept für das Hefegebäck zum Josefitag entwickelte Johanna Renoth, die Betriebswirtin für Ernährungs- und Versorgungsmanagement sowie Fachlehrerin an der Landwirtschaftsschule Laufen ist. Passenderweise ist sie auch Bäckerin, so dass die Abstimmung der Zutaten kein Problem für sie darstellte. Durch einen Glücksfall fand der Tag der offenen Tür an der Landwirtschaftsschule Laufen unter dem Motto „Korn und Blüte“ im vergangenen Jahr am Josefitag statt.

So war es kein Wunder, dass das dort zusammen mit echten Baumwollblüten zum Verkosten vorgestellte Baumwollbrot die „Attraktion des Tages“ war, wie sich Schulleiterin Hofstetter-Hack erinnert.

Ein „echter Renner“, so Schöbinger, waren die wiederentdeckten Baumwollbrote zur selben Zeit auch beim knapp fünfzig Kilometer entfernten Josefimarkt vor der Kirche Maria am Berg in Berchtesgaden. Ehrenamtliche hatten dort – neben zahlreichen anderen Bastelwaren, Geschenkideen und Leckereien – für einen guten Vorrat an den Vierlingen aus Hefe gesorgt. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf wurde die Kirchenrenovierung mitfinanziert. Heuer findet der Markt am Sonntag, 18. März, nach dem 10-Uhr-Gottesdienst statt.

Warum das jetzt wiederentdeckte Baumwollbrot vor Jahrzehnten in Vergessenheit geriet, darüber kann Hofstetter-Hack nur spekulieren: „Meines Wissens wurden zeitweilig Zimmermannsnägel im Baumwollbrot mitgebacken.“ Offensichtlich ist das der Backtradition zum Josefitag nicht so gut bekommen.

Das Aufgehen des Hefeteigs erinnert vermutlich an aufspringende Baumwollkapseln.
Das Aufgehen des Hefeteigs erinnert vermutlich an aufspringende Baumwollkapseln. © Renoth

Brauch breitet sich aus

Dass der Brauch des Baumwollbrotes aber nicht nur im Berchtesgadener Land für Furore sorgt, zeigt das Beispiel von Silvia Schlögel, Bettina Eder und Christine Schilcher. Die drei betreiben unter dem Namen „Die Hauswirtschafterei“ einen kleinen Verlag für Koch- und Backbücher in Peiting im bayerischen Pfaffenwinkel. Auf der Suche nach passenden Backrezepten zum Josefitag stießen sie bereits 2015 durch einen alten Pfarrbrief im Internet auf den Brauch des „Baumwollbrotes“. In einem Blogbeitrag im Internet berichteten sie darüber und stellten gleich noch ein Rezept dazu vor. Ihr dort geäußerter Wunsch, „vielleicht gelingt es uns ja, so einen alten Brauch wieder aufleben zu lassen“, ist ganz offensichtlich auf fruchtbaren Boden gefallen. (Axel Effner)

Rezept Josefibrot

Zutaten:

500 Gramm Weizenmehl Type 550
200 Milliliter Vollmilch
30 Gramm Hefe
60 Gramm Zucker
75 Gramm weiche Butter
1 Ei
5 Gramm Salz
100 Gramm Sultaninen in Rum oder Wasser eingelegt
Zitrone, Vanille, etwas Zimt, 1 Pr. Salz
Ei-Streiche: 1 Ei, 1 Pr. Salz, 1 EL Sahne
Beliebig: Puderzuckerglasur

Zubereitung:

1. Das Mehl sieben, die Hefe in der zimmerwarmen Milch auflösen. Mit Zucker, Butter, Ei, Salz und Aromen zügig einen Teig herstellen.

2. In der Küchenmaschine zwei Minuten mischen (langsam kneten), sieben Minuten kneten (schneller), aus der Maschine nehmen.

3. Die eingelegten Sultaninen dazugeben, mit den Händen nur noch so lange kneten, bis alle gleichmäßig im Teig verteilt sind.

4. Den Teig zu Ballen kneten und unter einem Küchentuch 15 Minuten ruhen lassen.

5. Den Teig in gleichgroße Stücke zu etwa 50 Gramm teilen (sieben mal vier Gruppen).

6. Die Teiglinge in Vierergruppen (2 mal 2) auf das Backblech setzen, unter einem Tuch weitere zehn Minuten gehen lassen.

7. Mit Ei-Streiche einpinseln.

8. Bei 190 Grad Ober-/Unterhitze 20 Minuten backen.

9. Nach dem Auskühlen mit Puderzuckerglasur bestreichen und trocknen lassen.


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