Freisinger Bischofskonferenz Bayerische Bischöfe halten an Kirchenasyl fest

16.11.2017

Bei ihrer Herbstvollversammlung haben die bayerischen Bischöfe eine Fülle von Themen diskutiert. Beim Kirchenasyl brachten sie eine klare Haltung zum Ausdruck.

Die bayerischen Bischöfe bei ihren Beratungen im Kardinal Wendel Haus in München.
Die bayerischen Bischöfe bei ihren Beratungen im Kardinal Wendel Haus in München. © SMB/Weiss

München – Die bayerischen Bischöfe wollen an der Tradition des Kirchenasyls festhalten. Das machte die Freisinger Bischofskonferenz bei ihrer Herbstvollversammlung in München deutlich. Man sei besorgt über die hohe Anzahl von Ermittlungsverfahren in Bayern gegen Flüchtlinge, die im Kirchenasyl Schutz gesucht hätten, und gegen Pfarrer und Ordensleute, die diese aufgenommen hätten, erklärte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Bischofskonferenz. „Beim Kirchenasyl wird niemand versteckt, wir sprechen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) darüber und mit den Pfarrern“, so Kardinal Marx. Das Prozedere sei ein offenes Verfahren und stelle keinen Rechtsbruch dar. „Wir tun mit diesen Ausnahmefällen etwas, das der ganzen Gesellschaft möglicherweise ein gutes Zeichen gibt“, sagte der Erzbischof von München und Freising auf einer Pressekonferenz.

2015 hatten sich Kirchenvertreter mit dem BAMF auf eine abgestimmte Vorgehensweise beim Kirchenasyl verständigt. Dazu zählt, dass sowohl die kirchlichen Vorgesetzten sowie die Behörden rechtzeitig über solche Fälle informiert werden. Marx versicherte, jede Pfarrgemeinde, die sich daran halte, könne beim Kirchenasyl weiter mit dem Rechtsbeistand durch das Katholische Büro Bayern rechnen. Dessen Leiter, Prälat Lorenz Wolf, bezifferte die aktuelle Zahl katholischer Kirchenasyle im Freistaat auf rund 180 Fälle mit etwa 200 bis 300 Personen bei derzeit insgesamt rund 14.000 Ausreisepflichtigen.

Kinderarmut

Beim Thema Ganztagsbetreuung appellieren die Bischöfe an die politischen Entscheidungsträger, mit allen beteiligten Partnern ein Gesamtkonzept abzustimmen. Vieles im Bereich von Bildung, Erziehung und Betreuung werde schon angeboten, laufe aber nebeneinander her. Es sei zudem davon auszugehen, dass der Bedarf an Ganztagsangeboten steige. Dabei komme den Horten eine große Bedeutung zu, die jedoch anders als die Schulen für die Eltern kostenpflichtig seien. Kommunen und Landespolitik müssten daher für gerechte Lösungen sorgen. Es dürfe nicht zu einer "sozialen Selektion und zu einer Zwei-Klassen-Betreuung" kommen.

Die Zahlen zur Kinderarmut in Deutschland seien durchaus „besorgniserregend“, erklärte Kardinal Marx. Davon betroffen seien vor allem kinderreiche Familien und alleinerziehende Frauen. „Gerade in München und Bayern, wo uns immer wieder der Wohlstand und das Wachstum in Zahlen vor Augen sind, ist die Gefahr groß, dass das schnell übersehen wird“, so der Erzbischof. Die Bischöfe erinnerten dabei an den „Welttag der Armen“, den Papst Franziskus für den kommenden Sonntag, 19. November, ausgerufen hat.

Aufruf zu Pfarrgemeinderatswahlen

Mit Blick auf die bayernweiten Pfarrgemeinderatswahlen 2018 rufen die Bischöfe alle wahlberechtigten Katholiken zum Mitmachen auf. Die zuletzt gestiegene Wahlbeteiligung von fast 16 Prozent im Jahr 2010 auf 18,3 Prozent 2014 stimme zuversichtlich. Sehr wichtig ist den Bischöfen, dass sich alle Kandidaten dem biblisch-christlichen Menschenbild verpflichtet fühlen. Ausgrenzung und Missachtung von Minderheiten dürften keinen Platz haben in Pfarrgemeinden.

Auf Nachfrage von Journalisten sagte der Kardinal, dies sei nicht als Ausschluss von Personen mit bestimmten Parteipräferenzen zu verstehen. Wer aber nicht die Überzeugung teile, dass alle Menschen Gottes Ebenbild und damit gleich wertzuschätzen seien, werde es schwer haben, konstruktiv mitzuarbeiten. (ksc/KNA)

In der Freisinger Bischofskonferenz sind die sieben bayerischen Erzdiözesen und Diözesen Bamberg, München und Freising, Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg, Würzburg sowie das Bistum Speyer vertreten.

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Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
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