3D-Scans der Pariser Kathedrale Bayerische Forschung hilft beim Wiederaufbau von Notre-Dame

14.01.2020

Eigentlich wollten die Denkmalwissenschaftler aus Bamberg nur die Baukunst des Mittelalters verstehen lernen. Nun sind ihre Scans zum wichtigen Bestandteil des Wiederaufbaus von Notre-Dame geworden.

Punktwolkenansicht des Querhauses der Notre Dame.
Bamberger Daten wie diese Punktwolkenansicht gehen derzeit maßgeblich in ein 3D-Modell der Kathedrale von Paris ein. © Stephan Albrecht/Universität Bamberg

Bamberg – "Am Ende wird man über keine Kathedrale so gut Bescheid wissen wie über Notre-Dame", sagt Stephan Albrecht. Die Forschung werde profitieren von dem großen Unglück, dem Brand vor einem halben Jahr. Doch wann dieses Ende erreicht und die gotische Kathedrale wiederaufgebaut sein wird, darüber möchte der Bamberger Professor für Kunstgeschichte nicht spekulieren. Sicher ist, dass das Projekt ohne sein Forscherteam schwieriger werden würde. Denn Albrecht hat zwischen 2015 und 2018 mit weiteren Bamberger Professoren Teile von Notre-Dame mit Laserscannern dreidimensional erfasst.

Schon direkt nach dem Feuer am 15. und 16. April hatten die Forscher vom Bamberger Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und -technologien (KDWT) ihre Hilfe angeboten. Die Verantwortlichen in Frankreich nahmen sie dankend an. Albrecht war schon öfters in Paris. Nun ist die Kooperation offiziell, ein entsprechender Vertrag mit der französischen Forschungsorganisation "Centre national de la recherche scientifique" (CNRS) unterzeichnet. In der Initiative "Chantier Notre-Dame" wird Albrecht in drei der zehn Arbeitsgruppen mitarbeiten, konkret zu den Themen "Digitale Daten", "Holz" und "Stein".

Ein richtiger Glücksfall

"Einen richtigen Glücksfall" nennt Albrecht die Scans an 50 verschiedenen Positionen in Notre-Dame - "auch wenn wir sie nicht für den Fall einer Zerstörung gemacht haben". Herausgekommen ist eine äußerst detailreiche Betrachtung des besonders betroffenen Querhauses: Stein für Stein könne man später dann sehen, was verloren gegangen sei. Dafür braucht es natürlich einen weiteren Vergleichs-Scan, der ebenfalls von den Bamberger Wissenschaftlern gemacht werden könnte. Entschieden sei noch nichts. "Wir haben hier an der Uni aber einen Schwerpunkt zu diesem Thema - und damit auch die passende technische Ausstattung und die Fachleute."

So gelang auch der ursprüngliche Scan. Diese Arbeit ermöglicht es, überall quasi durch die Mauern zu schneiden, um etwa an bestimmten Stellen Wand- oder Gewölbestärken zu erheben. "Und wir haben die eingestürzten Gewölbe auf den Scans. Sie kann man anhand der Aufnahmen detailgenau rekonstruieren.

Originalgetreue Rekonstruktion

Das wäre die einzig sinnvolle Lösung, ist der Kunsthistoriker überzeugt. Von anderen Alternativen als einer originalgetreuen Rekonstruktion hält er nichts. "Die Gewölbe sind extrem komplex, kommen teils aus verschiedenen Jahrhunderten; da ist oft irrsinnig viel mittelalterliche Kalkschicht drauf." Dies müsse auch so wiederhergestellt werden, findet der Forscher. Alles andere, etwa ein Dachstuhl aus Stahl statt aus Holz, würde die Statik des Bauwerks beeinflussen.

Dazu kommt, dass die vielen Naturmaterialien Bauingenieure mit ihren Berechnungsmethoden an die Grenzen stoßen ließen, sagt Albrecht. Der Mörtel zwischen den Steinen sei etwa so angelegt, dass das Mauerwerk sich bewegen könne. Damit halte die Kathedrale dem teils extremen Winddruck stand. "Sie bewegt sich immer - und das wusste man im Mittelalter. Der Bau hat damit immerhin 850 Jahre gehalten; und ich möchte den Wolkenkratzer sehen, der 850 Jahre hält."

Demut vor den Baukünsten

Der Wissenschaftler hat nach eigenen Worten viel Demut vor den Baukünsten der damaligen Zeit. "Die wussten, was sie machen." Das alles gelte es nachzuvollziehen und dann den Wiederaufbau zu planen. Mit mindestens drei Jahren intensiver Begleitung der Planung rechnet Albrecht. Zudem erwartet er wichtige Erkenntnisse für die Forschung. So gebe es durch den Brand Risse in den Wänden, die man für Forschungszwecke nie geschlagen hätte. "Aber wenn sie eh da sind, schaut man natürlich auch rein."

Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg. Zunächst müsse sich Notre-Dame wieder zusammenziehen, also austrocknen. Erste Erkenntnisse gibt es trotzdem schon. Und die sind sensationell, wie Albrecht sagt: "Die Ölbilder etwa, die an den Wänden hingen, sind nahezu unbeschädigt. Auch die meisten Balken sind zwar angekohlt, aber im Kern sehr gut erhalten. Es ist erstaunlich, wie sie dem Feuer stand gehalten haben." (kna)


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