Kampf gegen Antisemitismus Bayern plant Kontaktstelle für Juden

29.05.2018

Der neue bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle will eine „Kultur des Hinschauens“ schaffen.

Juden in Bayern soll sich in Zukunft an eine Kontaktstelle wenden können.
Juden in Bayern soll sich in Zukunft an eine Kontaktstelle wenden können. © imago

München – Der neue bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) will eine eigene Kontaktstelle für Juden im Freistaat ins Leben rufen. "Sie soll ein Ansprechpartner sein für jeden Juden, der sich bedrängt fühlt", sagte Spaenle am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in München. Er plane ein niedrigschwelliges Angebot, das gerade auch bei nicht strafrechtlich relevanten Taten erreichbar sei und etwa Fälle sammeln solle, in denen der Begriff Jude als Schimpfwort missbraucht werde. So wolle er eine "Kultur des Hinschauens" schaffen, erklärte der frühere Kultusminister, der seinen neuen Posten seit zwei Wochen innehat.

Bewahrung der Menschenwürde

Wie genau die Kontaktstelle aussehen soll, ist laut Spaenle noch unklar. Vermutlich werde sie "netzgestützt" funktionieren, eine 24-Stunden-Hotline sei organisatorisch wohl nicht leistbar. Als Vorbild diene die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), ein Melde-Netzwerk für antisemitische Vorfälle. Spaenle erklärte, es sei wichtig, eine genaue Übersicht judenfeindlicher Aktivitäten zu bekommen und zu schauen, inwieweit sich dieses Phänomen verändere, etwa durch den Zuzug von Flüchtlingen. Es gehe beim Kampf gegen Antisemitismus um nichts weniger als die Bewahrung der Menschenwürde.

Die gesammelten Daten sollen Spaenle zufolge analysiert werden, um zu schauen, wie man sich gegen solche Vorkommnisse in Zukunft wappnen kann. Er werde die jüdischen Gemeinden Bayerns in seine Planungen einbinden, ergänzte Spaenle. Auch mit anderen Antisemitismusbeauftragten wolle er eng zusammenarbeiten. "Antisemitismus ist ja nichts, was an einer Ländergrenze aufhört, da sind konzertierte Aktionen nötig." Noch in dieser Woche werde er den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, treffen. (kna)


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