Studie der Hanns-Seidel-Stiftung Bayern: Wenig Vertrauen in Kirchen

02.03.2018

Auch in Bayern macht sich der Individualismus bemerkbar. Das bekommen einer Studie zufolge die Parteien und die Kirchen zu spüren.

Die Klischees über Bayern stimmen nicht immer mit der Wirklichkeit überein.
Die Klischees über Bayern stimmen nicht immer mit der Wirklichkeit überein. © Fotolia.com

München – Die bayerische Bevölkerung ist nicht mehr so kirchenverbunden wie landläufig vermutet. Geht es um das Vertrauen in öffentliche und staatliche Institutionen, rangieren die Kirchen an letzter Stelle; selbst Parteien und Medien schneiden besser ab. Das geht aus einer am Donnerstag in München vorgestellten Studie hervor, die die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung durchgeführt hat. Für die Befragung wurden im Oktober 2017 rund 2.000 Bürgerinnen und Bürger zufällig ausgewählt.

Die Befragten konnten auf einer Skala von +5 bis -5 ihre Bewertung abgeben. Auf der Liste der acht angeführten Institutionen, denen Vertrauen geschenkt wird, steht die Polizei an erster Stelle (3,1 Punkte). Danach folgen Stadt- und Gemeindeverwaltung, die Gerichte, der Landtag und die Staatsregierung. Die Kirchen kamen auf einen Wert von 0,4 Punkten. Bei Frauen lag der Wert etwas höher als bei Männern, bei Menschen über 60 Jahren deutlich über dem Ergebnis der jüngeren.

Wenig Vertrauen bei AfD-Anhängern

Der Studien zufolge gilt für praktisch alle Einrichtungen ein Basistrend: Frauen, Befragte mit starken Bindungen an das Land Bayern oder Bürgerinnen und Bürger, die intensiv politische Nachrichten konsumieren, entwickeln fast durchgängig überproportional viel Vertrauen. Überdurchschnittlich distanziert stünden Sympathisanten der Linken staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen gegenüber. Fast durchgehend besonders kritisch seien AfD-nahe Befragte.

Deutlich geworden ist laut den Forschern, dass keine Institution stärker polarisiert als die Kirchen. Naturgemäß vertrauten Katholiken und Protestanten den Kirchen zunächst einmal deutlich mehr als konfessionslose Befragte. Ein klarer Einstellungsunterschied gehe mit dem Kirchgang einher: Wer regelmäßig Gottesdienste besuche, bringe der Kirche hohes Vertrauen entgegen, formelle Mitglieder dagegen sähen die Institution ausgesprochen kritisch.

Skepsis gegenüber Kirchen

Unabhängig von konfessionellen Bindungen träten den Kirchen besonders unverheiratete Paare skeptisch-distanziert gegenüber. Gleiches gelte für Befragte ohne Kinder sowie Bürgerinnen und Bürger, die bei den aktuellen Themen Integration, Energiewende, Ganztagsbetreuung oder gleichgeschlechtliche Partnerschaft liberale Positionen einnähmen.

Der Geschäftsführer der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, sagte, die Studie zeige, dass auch im Kirchenvolk die Individualisierung vorangeschritten sei. So besuchten von 53 Prozent Katholiken in Bayern nur elf Prozent häufig die Kirche, 30 Prozent ab und zu sowie 13 Prozent selten bis nie.

Dass der Vertrauenswert für Kirchen auf der Skala in Bayern überhaupt leicht positiv ausfalle, begründe sich vor allem mit CSU-nahen Befragten sowie den Haltungen der älteren Generationen, ergab die Studie. Während Befragte mit Nähe zur Linken (-0,7) und zur AfD (-1,7) die Kirchen klar negativ verorteten und Befragte mit Nähe zur SPD (0,4), Freien Wählern (0,2), Grüne (0,0) oder FDP (0,1) wenig Vertrauen hätten, bewerteten Befragte mit primärer CSU-Nähe die Kirchen mit guten 1,0. (KNA)


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