Osterpredigten Bayerns Bischöfe rufen Christen zu Einsatz für Gesellschaft auf

01.04.2018

Wie kann ein gesellschaftliches Miteinander gelingen? Dazu braucht es das Engagement jedes Christen. Das haben die bayerischen Bischöfe in ihren Osterbotschaften nochmals unterstrichen.

Christen müssen sich für Gesellschaft einsetzen, so die bayerischen Bischöfe.
Christen müssen sich für Gesellschaft einsetzen, so die bayerischen Bischöfe. © AdobeStock/mangostock

München – Die bayerischen Bischöfe haben zu Ostern an die Christen appelliert, Engagement für eine freie Gesellschaft zu zeigen. "Dazu braucht es viele Menschen, die ihre Freiheit verantwortlich und überzeugend leben", sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Ein solches Miteinander in einer Kultur der Freiheit sei kein Selbstläufer, sondern brauche täglichen Einsatz.

Ostern ist laut Marx eine "Explosion" und ein "Qualitätssprung in eine neue Lebensmöglichkeit und Lebenswirklichkeit". Wenn von der christlichen Prägung des Landes die Rede sei, dann sei die "Orientierung am Ostergeheimnis notwendig". Es zähle der Glaube an die Auferstehung, an die Befreiung aus der Macht des Todes und der Sünde.

Sonntag ist das wöchentliche Osterfest

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, warnte davor, Arme und Schwache aus der Gesellschaft auszugrenzen. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi bedeute für jeden und jede ein neues Leben. Die Liebe Jesu Christi, das radikalste Gegenprogramm zur Ausgrenzung, das man sich vorstellen könne, habe am Ende gesiegt. Jeder Mensch müsse erfahren, dass er Teil dieser Gesellschaft sei, "dass er gewollt ist, dass er gebraucht wird, dass er einfach sein darf, dass er eine Würde hat".

In Bamberg betonte Erzbischof Ludwig Schick, der Sonntag sei das "wöchentliche Osterfest", das gefeiert werden sollte. Zugleich wandte er sich gegen Forderungen aus Politik und Wirtschaft, die grundgesetzlich garantierte Sonntagsruhe abzuschaffen und die Ladenöffnungszeiten völlig freizugeben. So werde das Leben der Familien und der Vereine sowie der Kirchen zunichtegemacht. Eine humane Gesellschaft lebe nicht allein vom Shopping. Die Sonn- und Feiertage müssten für die "seelische Erhebung und die Arbeitsruhe" bleiben, wie es auch in der Bayerischen Verfassung stehe.

Kardinal Reinhard Marx: Ostern ist eine Explosion.
Kardinal Reinhard Marx: Ostern ist eine Explosion. © KIderle

Licht inmitten der Hölle des Terrors

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa erinnerte daran, dass Glaube immer weiter wachsen sowie die Liebe vertieft werden müsse. Menschen, die zum Glauben gefunden hätten, bräuchten vor allem Menschen, die über die Wahrheit des Glaubens nicht nur angestrengt wachten, sondern sie auch anziehend erscheinen ließen. Doch manchmal werde er den Eindruck nicht los, so Zdarsa, "dass auch bei manchen von uns die Rede von den Werten, wenngleich als christliche bezeichnet, und von der Bewahrung der Schöpfung an die Stelle des Gottesdienstes und des katholischen Glaubensbekenntnisses getreten zu sein scheint".

In Regensburg würdigte Bischof Rudolf Voderholzer den französischen Polizisten Arnaud Beltrame. Dieser hatte sich in einem Supermarkt in Trebes als Ersatz für eine als Geisel genommene Frau angeboten. Bei einer späteren Eskalation wurde er schwer verletzt und starb danach im Krankenhaus. Inmitten der Hölle dieses Terrors blitze ein Licht auf, das in seiner Größe und Menschlichkeit sprachlos mache.

Bischof Gregor Maria Hanke: Sozialer Einsatz ist angewandter Osterglaube
Bischof Gregor Maria Hanke: Sozialer Einsatz ist angewandter Osterglaube © pde / Andreas Schneidt Medienzentrale

Sozialer Einsatz ist angewandter Osterglaube

Hier werde etwas vom Ostergeheimnis sichtbar, sagte Voderholzer. Denn dieser Mann habe in vollem Bewusstsein der möglichen Folgen für jemand anderes sein Leben eingesetzt. Dieses Opfer sei nicht nur ein Beispiel für militärische Tugenden, sondern verdeutliche auch das Geheimnis des Daseins für andere. Der Polizist ist laut den Worten des Bischofs ein Held, der Hochachtung und Bewunderung verdiene.

Ostern lädt nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke dazu ein, sich vertrauensvoll mit Dunkelheiten im eigenen Leben und mit dem Leid der Menschen zu befassen. Der soziale Einsatz des Christen für die Not der Welt, für die Armen und wirtschaftlich Benachteiligten, für die an Leib und Seele gebrechlichen Menschen sei angewandter Osterglaube.

Auferstehung im Alltag entdecken

Der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom ermutigte die Gläubigen, die Spuren von Auferstehung in eigenen Alltag zu entdecken. Denn bei allem Scheitern gebe es die Hoffnung, dass es immer weiter gehe. Der Tod sei nicht die letzte Erfahrung. Denn das letzte Wort, das Gott spreche, sei wie das erste Wort nicht der Tod, sondern Leben. (kna)


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