Trotz Lockdown Bayerns Erzbischöfe fordern mehr Solidarität in der Corona-Krise

23.11.2020

Körperliche Abstand ja, sozialer Abstand nein - so die Botschaft der Bischöfe zur derzeitigen Situation. Schwache, Alte und Kranke dürfen nicht übersehen werden.

Nachbarin überreicht Blumen
Trotz Lockdown soll die Solidarität untereinander nicht vergessen werden. © Peter Maszlen - stock.adobe.com

München – Bayerns Erzbischöfe haben angesichts der Corona-Pandemie die Menschen zu mehr solidarischem Handeln aufgerufen. Die Pandemie sei zwar keine Gerichtsstunde Gottes, zeige aber, was wirklich wichtig sei, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx am Sonntag anlässlich des Christkönigfestes. Dies bedeute etwa, dass die Schwachen in die Mitte gehörten, man die Alten und Kranken nicht übersehe, "dass wir die Armut in der Welt nicht einfach wegdrücken und sagen, das interessiert uns nicht". Bambergs Erzbischof Ludwig Schick erklärte, der "Lockdown light" dürfe nicht zu einem Lockdown der Seele und der sozialen Beziehungen werden.

Die Menschen sollten nicht zulassen, sich "bei allem nötigen körperlichen Abstand auch sozial abzuschotten", betonte Schick. Gott wolle nicht das fortwährende Wohlergehen für die einen, Armut und Unterdrückung für die anderen, so der Erzbischof weiter. Es brauche Solidarität und Gerechtigkeit. Dazu gelte es, die Erfordernisse der jeweiligen Zeit zu erkennen. "Im Königtum Christi geht man auf die globalen Herausforderungen unserer Welt ein, verliert sich nicht in Nationalismen und verstrickt sich nicht in Populismus."

Die Möglichkeiten des Menschen

Marx verwies darauf, dass Ideologien wie der Kommunismus, Nationalismus oder Faschismus versucht hätten, mit Gewalt und Unterdrückung neue Menschen zu schaffen. "All dies, liebe Schwestern und Brüder, endet in einem Alptraum." Mit dem Evangelium dagegen würden Menschen eingeladen zu begreifen, welche Möglichkeiten sie hätten und was wirklich zähle. "Was hat denn Bestand? Eure Aktienkurse? Euer Wirtschaftswachstum? Eure Kriege? Eure Denkmäler?" Jesus überforderte die Menschen nicht. "Einem Hungrigen zu essen zu geben, einen Fremden willkommen zu heißen, einen Kranken zu besuchen - das übertrifft ja nicht die Möglichkeiten des Menschen."

Zwar gebe es ständig Gewalt, Krieg, Hass, Krankheit, Tod. "Aber darunter und darin gibt es auch die neue Schöpfung: dass Menschen einander begegnen", erklärte der Erzbischof von München und Freising. Der Anbruch des Reiches Gottes zeige sich etwa, wenn den Armen geholfen werde oder wenn Menschen in der Corona-Zeit sich aufopferten für andere. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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