Eindämmung der Pandemie Behinderteneinrichtung mit eigener Teststation

12.02.2021

Mit Hilfe von zwei Bundeswehrangehörigen untersucht das Franziskuswerk Schönbrunn kontinuierlich alle Mitarbeiter, Besucher und Helfer auf Covid 19.

Mit Visier, Maske und Haube: Oberstabsgefreite Steinort testet einen Besucher.
Mit Visier, Maske und Haube: Oberstabsgefreite Steinort testet einen Besucher. © Wedler/Franziskuswerk

Schönbrunn b. Röhrmoos - Michelle Steinort steckt in einem gelben Schutzkittel, über die Schuhe hat sie blaue Überzieher gestreift. Auf dem Kopf trägt sie eine weiße Haube, vor den Augen eine Schutzbrille, über Mund und Nase eine Maske und vor dem ganzen Gesicht noch einmal ein Schutzvisier. Die Oberstabsgefreite der Bundeswehr nimmt ein Stäbchen, schiebt es ihrem Gegenüber tief in den Rachen und weiß, dass jetzt ein leichtes Würgen kommt. Weit über 1000 Abstriche hat die 23jährige Soldatin schon im Corona-Testzentrum des Franziskuswerkes in Schönbrunn genommen. Zusammen mit ihrem Kollegen Alexander Tweedale verstärkt sie die Teststation der katholischen Betreuungseinrichtung im Landkreis Dachau. Beide haben sich freiwillig gemeldet, um die Mitarbeiter dort zu unterstützen. „Die Belegschaft ist  froh, dass wir da sind und haben uns mit offenen Armen empfangen“, sagt Michelle Steinort und steckt das Abstrichstäbchen in ein Plastikröhrchen. Nach einer Viertelstunde kann sie das Ergebnis des Schnelltests überreichen. Zwischen 160 und 300 Testungen nimmt die Station seit Mitte Januar an jedem Werktag vor, die Bernd Haugg leitet, der normalerweise als Heilpädagoge im Franziskuswerk arbeitet.

Tests von 5.30 bis 20.30 Uhr

Rund 500 Menschen mit verschiedenen Handicaps wohnen ständig am Ort und viele davon gehören zu den Covid-19-Risikogruppen.  „Von 5.30 Uhr bis 20.30 Uhr werden alle, die Kontakt mit den Bewohnern haben, hier untersucht: Pfleger, Verwaltungsangestellte, Besucher und auch Handwerker von außen.“  Zehn Abstriche pro Viertelstunde schafft die Station, erläutert Bernd Haugg. Dafür hat das Franziskuswerk sogar einige Hilfskräfte angestellt und bekommt seit Februar eben auch Unterstützung durch die Bundeswehrangehörigen. „Hier wird kein Klo mehr repariert, ohne dass der Installateur auf Covid 19 überprüft worden ist“, betont Geschäftsführerin Michaela Streich. Immerhin gab es in Schönbrunn schon zwei Infektionsgeschehen: Bei der jüngsten Welle im Januar haben sich 44 Bewohner und 25 Betreuer angesteckt. Sie flaut gerade ab. Die Geschäftsführerin ist heilfroh, dass das Landratsamt nach vielen Appellen zugestimmt hat, eine Teststation direkt auf dem Gelände zu errichten. Zuvor untersuchten eigens angelernte Mitarbeiter ihre Kollegen dezentral vor den Wohngruppen, was aber erheblich zeitaufwändiger war. 

Immenser Aufwand

Trotzdem schlich sich das Virus ein, glücklicherweise mit überwiegend milden Verläufen. Ist ein Schnelltest bei einem Mitarbeiter positiv, macht die Station sofort einen PCR-Tests, der im Labor geprüft wird und noch zuverlässiger ist. Betroffene gehen natürlich sofort in Quarantäne. „Der Aufwand ist immens“, sagt Michaela Streich. Aber dadurch ließe sich ein größerer Ausbruch der Krankheit schon früh unterbinden. Trotzdem bleibt die grundsätzliche Unsicherheit, die das Pandemiegeschehen in einer Einrichtung mit vielen Menschen und direktem Kontakt in der Pflege mit sich bringt. Auch wenn die meisten Mitarbeiter den täglichen Abstrich ohne zu murren akzeptierten, „wächst der psychische Dauerstress von Woche zu Woche und zehrt an den Nerven“.

Helfen gibt gutes Gefühl

In der Teststation erlebt die Oberstabsgefreite Michelle Steinort, aber „nur nette Menschen, die den Abstrich auch mit Humor nehmen.“ Ein Handwerker, der gleich in einer Wohngruppe etwas zu reparieren hat, spricht von einer „gewohnten Prozedur“. Er ist froh, dass dadurch die Sicherheit der Bewohner erhöht wird, „aber ein negativer Test beruhigt auch, wenn man heim zur Familie kommt.“ Der Hauptgefreite Alexander Tweedale steht schon in voller Schutzmontur neben ihm, um den Abstrich zu nehmen. Ein Dienst, der ihn genauso ausfüllt wie seine Kollegin: „Es ist ein glückliches Gefühl, das ich jeden Tag hab´, man fühlt sich gebraucht und ist auch stolz auf diese Arbeit.“ Wie lange sie noch dauert, ist ungewiss. Das Team der Teststation rechnet aber damit, dass es noch das ganze erste Halbjahr 2021 im Einsatz sein wird. Auch wenn über 200 der ältesten Bewohner Schönbrunn bereits die ersten Impfungen erhalten haben.

Audio

Beitrag im Münchner Kirchenradio über die Corona-Teststation im Franziskuswerk

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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