Hilfe rund um die Uhr Bei der Telefonseelsorge glühen die Drähte

26.03.2020

Das Coronavirus verändert auch die Seelsorge im Erzbistum München und Freising. Einfach einmal mit der Pastoralreferentin ratschen oder auch beim Pfarrer zum Beichten gehen, kann man gerade nicht – dafür wird ein anderes Angebot der Diözese immer wichtiger: Das Seelsorgstelefon.

Die Telefone klingeln andauernd. © familie-eisenlohr.de - adobe.stock

München – Alexander Fischhold leitet die Telefonseelsorge des Erzbistums München und Freising seit knapp zehn Jahren. An Langeweile kann sich der 46-Jährige Theologe kaum erinnern. Aber das Anruferpensum, das er uns seine ehrenamtlichen Telefonseelsorger aktuell bewältigen müssen, hat er so auch noch nicht erlebt. Von Kurzarbeit ist man hier weit entfernt. Dienste an den Telefonen kann er momentan reichlich vergeben. „Noch mehr als sonst, weil wir einfach ein unglaublich hohes Anruferaufkommen haben“, sagt Fischhold. „Das heißt, wir sind 24 Stunden am Tag mit eins, zwei, drei, vier Leuten telefonisch per Mail und in der Chatberatung erreichbar.“ Ein Angebot, das während der Corona-Krise immer wichtiger wird. 

Viele andere Seelsorgseinrichtungen haben geschlossen – die Telefonseelsorge versucht auszuhelfen. Aber auch die Pandemie an sich sorgt dafür, dass sich Menschen an die Hotline wenden, sagt Fischhold: „Viele Menschen haben Angst vor Isolation, vor Einschränkungen. Alte Menschen, die ihre Enkel und Kinder nicht mehr sehen können, fürchten, dass sie noch mehr vereinsamen und das merken wir aktuell natürlich schon sehr.“ Rund 90 Ehrenamtliche und zehn Hauptamtliche arbeiten beim Seelsorgstelefon der Erzdiözese in München. Für ihre Tätigkeit durchlaufen die ehrenamtlichen Seelsorger eine einjährige Ausbildung, lernen Gesprächsführung, Beratungskonzepte und ausgewählte Bereiche der Psychologie kennen. Ein professionelles Fundament für die Arbeit am Telefon, das gerade jetzt notwendig ist, da viele Menschen auf fachliche Hilfe angewiesen sind, die sie anderswo nicht mehr bekommen.

Auf Gesundheit der Ehrenamtlichen achten

„Wir haben viele psychisch kranke Anrufer, die gerade aus den Kliniken entlassen werden, weil die die Betten frei machen für mögliche Coronafälle“, sagt Fischhold. „Die hängen jetzt in der Luft, weil deren niedergelassene Therapeuten und Psychiater natürlich auch nur noch sehr eingeschränkt erreichbar sind und die wenden sich jetzt ganz massiv an uns.“ Für die Telefonseelsorger wird die Arbeit dadurch intensiver und die Themen teilweise schwieriger. Es zeigt auch: Die Hotline ist wichtiger denn je. Fischhold will die Mitarbeiter deshalb schützen und muss dabei sowohl auf die körperliche als auch die seelische Gesundheit der Ehrenamtlichen achten. „Das ist ja ein Marathon, den wir da laufen.“ Ein Großteil der Ehrenamtlichen Mitarbeiter gehört darüber hinaus altersbedingt einer Risikogruppe an. Für sie versucht die Telefonseelsorge die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, organisiert Taxischein und versucht, zusätzliche Büros um München einzurichten, damit die Helfer von außerhalb nicht lange mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reinfahren müssen. „Wir müssen einfach schauen, dass wir gut arbeitsfähig bleiben können“, sagt Fischhold. „Jeder Kontakt für unsere Mitarbeiter, ist eine Infektionsgefahr und desto mehr wir die vermeiden, können wir hier bleiben.“

Telefonseelsorge selbst betreiben

In der Coronakrise kann aber auch jeder einzelne selbst Telefonseelsorge betreiben, indem er zum Beispiel Freunde und Verwandte anruft. Das ersetzt im Ernstfall zwar keine professionelle Hilfe, kann aber trotzdem trösten und ermutigen. Die Grundregeln für ein solches Telefonat sind gleichermaßen einfach wie wichtig, erklärt Telefonseelsorgsleiter Alexander Fischhold. „Es geht ums Zuhören! Keine Ratschläge geben oder gleich in eine Gegenargumentation verfallen.“ Auch mache es wenig Sinn die Situation zu relativieren sagt Fischhold: „Es ist gerade schlimm und das darf man auch anerkennen“. Wichtig ist, dem Gesprächspartner zu zeigen, dass er mit seinen Problemen nicht allein gelassen wird. Es ist aber auch noch mehr möglich, meint Fischhold: „Vielleicht gelingt es an der ein oder anderen Stelle auch, einen Blick auf das zu werfen, was plötzlich möglich wird, was sich in manchen Familien entschleunigt.“ Dadurch entstehe auch Zeit für Begegnung, für Gespräche und dafür, Zeit im kleinen Kreis miteinander zu verbringen. „Wenn ich nur auf das schaue, was nicht geht, dann wird es fatal.“ Wer dann ein professionelles seelsorgliches Gespräch braucht, kann sich rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche unter der Nummer 0800 111 0 222 an die Telefonseelsorge der Erzdiözese wenden.

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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