Caritas-Hospizhelferin mit Hund Bei Sorgen hilft "Socke"

06.10.2016

Der Ambulante Caritas-Hospizdienst feiert heuer 25-Jähriges. Ehrenamtliche wie Stefanie Hettich besuchen Todkranke. Gerne mit Unterstützung von Vierbeinern.

Socke und sein Frauchen Stefanie Hettich (rechts) besuchen Elisabeth Wildgruber © Holzapfel

Stefanie Hettich trägt ihr Schicksal mit Fassung. Bis ein Mensch von der sportlichen Frau mit dem freundlichen Lächeln Notiz nimmt, kann es schon eine Weile dauern. So auch heute, als die 41-jährige ehrenamtliche Hospizhelferin bei Elisabeth Wildgruber klingelt. Statt ihrer Besucherin eine Hand zur Begrüßung zu reichen, beugt die 85-jährige Patientin sich erstmal Richtung Boden und versucht, dem kleinen weißen Wirbelwind, der wieselflink durch den Flur zur Küche wuselt, zu streicheln. Stefanie Hettich beobachtet die Szene gleichmütig, so als hätte sie das alles schon tausendfach erlebt.

„Das kenne ich“, sagt sie schließlich auch, „Socke ist immer zuerst dran“. „Socke“, das ist dieses – man kann es beim besten Willen nicht anders sagen – bezaubernde kleine Malteser-Hündchen, das vermutlich selbst eine Betonwand zum Lächeln bringen könnte. „Socke“ ist der Star, wohin er auch kommt, und Stefanie Hettich weiß, diese Qualitäten ihres vierbeinigen Kumpels sozusagen gewinnbringend einzusetzen. Seit rund vier Jahren begleitet die Unternehmensberaterin Menschen auf ihrem letzen Lebensweg, und weil „Socke“ immer mit dabei ist, wird manches Schicksal zumindest stundenweise leichter erträglich.

Genau genommen ist „Socke“ ja auch schuld daran, dass Stefanie Hettich sich neben ihrem anstrengenden Beruf auch noch um Frauen und Männer kümmert, die krank sind, so krank, dass der Tod natürlich immer auch eine Rolle spielt. „Angefangen hat damals alles mit Sockes Hunde-Sitterin“, erzählt die junge Frau. Die habe nach ihrer ersten Krebsdiagnose recht bald erfahren, dass sich Metastasen gebildet hatten und an eine Genesung nicht mehr zu denken war. „Sie war am Boden zerstört, auch weil alle Menschen um sie herum schon trauerten noch bevor sie gestorben war.“ Eines Tages, nachdem sie zu diversen Behandlungen wiederholt im Krankenhaus war, fragte sie Stefanie Hettich schließlich, ob sie „Socke“ nicht für ein paar Stunden haben könnte. „Sie wollte nicht mich sehen, sondern ausdrücklich den Hund“, berichtet Stefanie Hettich. „Ich hab das schon verstanden: Dem war es nämlich egal, wie krank sie war und was in Zukunft sein würde. Socke hat einfach mit ihr gespielt und die beiden konnten miteinander knuddeln.“

Chemie scheint zu stimmen

Nachdem nun einmal „Sockes“ therapeutisches Talent zutage getreten war, wollte Stefanie Hettich dieses auch in Zukunft nicht brach liegen lassen. Bei nächster Gelegenheit meldete sie sich bei einem Ausbildungskurs der Caritas für ehrenamtliche Hospizhelfer an und kümmert sich seither um Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden. „Die Ausbildung hat mir viel gebracht“, erzählt Stefanie Hettich. „Ich habe da viele Hinweise bekommen, wie man mit kranken und sterbenden Menschen umgeht. Damit hatte ich zuvor keine Erfahrung.“

Auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet auf diesem Gebiet ehrenamtlich betätigt, hat sie eine eher überraschende Antwort parat: „Weil ich es so schön finde“, bringt sie es kurz und bündig auf den Punkt. Die Zeit mit den Menschen zu verbringen, mache ihr einfach Spaß, selbst wenn es da manchmal so richtig ans Eingemachte gehe. Und so plaudert die blonde, zierliche Frau auch heute mit Elisabeth Wildgruber über dies und das und eben auch über deren Krebs-Erkrankung. Das scheint kein allzu schweres Thema zu sein, schließlich lachen die beiden sogar, als sie feststellen, dass es vermutlich leichter wäre, die Organe von Elisabeth Wildgruber aufzuzählen, an denen noch nicht operiert wurde als umgekehrt.

Überhaupt herrscht zwischen den beiden eine wunderbare gelöst-vertraute Atmosphäre. Dabei kennen sie sich erst seit ein paar Wochen. Hier scheint die Chemie zu stimmen, und so sagt Elisabeth Wildgruber, die alleine im Münchner Stadtteil Haidhausen lebt, denn auch: „Ich freue mich immer, wenn die beiden mich besuchen. Dann ist hier mal was los.“ Noch kommt die alte Dame einigermaßen gut in ihren eigenen vier Wänden zurecht.

In ein Heim möchte sie deshalb – wen wundert‘s – nicht gerne gehen, weiß aber, dass es eines vielleicht nicht mehr allzu fernen Tages nötig sein wird. „Dann werden wir Frau Wildgruber eben da besuchen“, sagt Stefanie Hettich und wirft dabei einen fragenden Blick auf „Socke“, der wie zum Einverständnis mit dem Schwanz wedelt. (Susanne Holzapfel)

Die Caritas feiert heuer „25 Jahre Ambulanter Caritas-Hospizdienst“. Dieser ist als eigenständiger Dienst an die Palliativstation des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder angebunden. Derzeit sind 47 aktive Hospizbegleiter tätig, 16 Hospizbegleiter befinden sich in Ausbildung. Diese umfasst einen Kurs mit 120 Stunden. Organisiert wird die Arbeit der Ehrenamtlichen von zwei hauptamtlichen Koordinatorinnen. Pro Jahr finden im Durchschnitt 50 Begleitungen statt. Etwa vier Stunden pro Woche verrichten die Hospizbegleiter ihren Dienst entweder bei den Menschen zuhause oder aber in Altenheimen und Krankenhäusern. Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des ambulanten Hospizdienstes der Caritas findet am Dienstag, 18. Oktober, um 19 Uhr in St. Bonifaz (Karlstraße 34) ein Festgottesdienst mit anschließendem Festakt statt. Bereits am Sonntag, 9. Oktober, gibt es um 16.30 Uhr für Angehörige unter dem Motto „Auf den leisen Atem hören“ eine Soiree im Pfarrsaal der Pfarrei Christkönig, Notburgastraße 15. (hos)


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