Mitarbeiten Landshut e.V. "Bei uns ist es einfach netter"

16.10.2017

Weil sie wollte, dass ihre lernbehinderte Tochter auch Kontakt mit Nichtbehinderten hat, hat Gabriele Wachter zusammen mit anderen Müttern Cafés eröffnet, in denen Lern- und Sprachbehinderte arbeiten.

Gabriele Wachter
Gabriele Wachter © privat

Landshut – Als die Tochter von Gabriele Wachter geboren wurde, schien alles bestens zu sein. Aber nach und nach stellte sie fest, dass das Kind sich langsamer entwickelte als andere. „Das fing schon in der Krabbelstunde an“, sagt sie. Nach und nach mussten sich die Eltern eingestehen, dass ihre Tochter behindert ist. Die Entscheidung, sie auf die Förderschule zu geben, fiel ihnen nicht leicht. Aber das Kind war dort sehr gut aufgehoben. Nach der Schule allerdings musste es irgendwie weitergehen. Wie wohl alle Eltern wünschten sich Gabriele Wachter und ihr Mann, dass ihr Kind einen Beruf findet, der es glücklich und selbständig macht.

Wachsendes Selbtbewusstsein

Auf dem ersten Arbeitsmarkt hätte Christina nicht bestehen können, aber für beschützende Werkstätten – also Orte, an denen nur Behinderte arbeiten – war sie zu fit. Das ging einigen aus ihrer Klasse so. Deshalb haben einige Mütter zusammen ein Café aufgemacht, in dem die Jugendlichen arbeiten konnten. Heute sind es drei Cafés und ein Cateringservice, die zum Verein Mitarbeiten Landshut e.V. gehören. Fast zehn Jahre gibt es den Verein schon und Gabriele Wachter freut sich immer wieder, die Fortschritte der Jugendlichen zu sehen: „Am Anfang trauen sie sich fast nicht, den Gästen ins Gesicht zu sehen. Aber nach einiger Zeit sind sie selbstbewusst und schaffen viele Aufgaben, die sie sich nie zugetraut hätten.“ Dass die Jugendlichen in einer so stressigen Branche wie der Gastronomie bestehen können, liegt am Konzept:

Die Jugendlichen bekommen die Zeit, die sie brauchen, machen das, was sie können und können nach und nach immer mehr. Dazu gibt es Anleiter: zum Teil sind das Ehrenamtliche, zum Teil Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt selbst Schwierigkeiten haben. Die machen die anderen Dinge, wie zum Beispiel kassieren.

Für die Gäste ist es übrigens auch anders hier als anderswo. Aber nicht, weil alles langsamer geht, sondern „weil unsere Mitarbeiter einfach nett sind“, lacht Gabriele Wachter. Eine echte Win-Win Situation.

In unserer Sendung "Hauptsache Mensch" spricht Gabriele Wachter in der Woche ab dem 16. Oktober mit Brigitte Strauß über den Verein und über ihre eigene Geschichte. Zu hören ist der Talk im Münchner Kirchenradio am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 10 bis 12 Uhr, 15 bis 17 Uhr und von 22 Uhr bis Mitternacht.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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