Beichten gehen Beidhändige Barmherzigkeit

25.11.2017

Jesuitenpater Peter Linster ist seit vielen Jahren in der Beichtseelsorge tätig. Er hat seinen ganz eigenen Blick auf das, was da passiert, wenn ein Mensch kommt, um ihm davon zu berichten, was ihm auf der Seele brennt.

Gott tut nichts lieber, als Dir Deine Schuld zu vergeben.
Gott tut nichts lieber, als Dir Deine Schuld zu vergeben. © Fotolia.com

Gott, Du bist da. Du siehst mich, Du kennst mich, Du magst mich, und dafür danke ich Dir.“ (Rosina Schmidkonz)

Diese Worte habe ich kürzlich bei einem Besuch meines Mitbruders Pater Theo Schmidkonz gelesen. Und gern erkläre ich seither den Menschen, die zum Beichten kommen, diesen Satz. Ich tue das, indem ich sie bitte, die Hand auszustrecken. Dann kann ich die kleinen Sätze dieses schönen Wortes an den Fingern abzählen und dabei folgendermaßen erklären.

Sehen Sie her: Der Daumen steht für Gott, den, der da war, der da ist und der sein wird – der immer für uns da ist. Der Zeigefinger steht für sein Sehen, dass er mich liebevoll anschaut. Der Mittelfinger steht dafür, dass er mich kennt, und alles von mir weiß. Der Ringfinger steht dafür, dass er mich mag, und mich liebt. Und der kleine Finger steht für meinen Dank an diesen, meinen Gott.

Anleitung zum Dialog mit Gott

Sehen Sie weiter: Sie können nämlich diesen Spruch und seine Bedeutung auch als eine Anleitung zum Dialog mit Gott benützen. So wie ich als Mensch all das, was ich ausgeführt habe, über Gott sagen kann, so kann ich umgekehrt auch selber sagen, dass ich um Gott weiß in meinem Leben, dass ich ihn sehen kann in seiner Schöpfung, und auch dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind; auch dass ich ihn immer besser kennenlernen darf durch die Worte der Schrift, die uns Jesus gegeben hat, weiterhin: dass ich ihn mag und lieben darf mit all meiner Unzulänglichkeit. Und dass ich zugleich weiß, dass auch er sich darüber freut und dass er mir auch weiterhin das Leben und seine Gnade schenken wird.

Und so denke ich, dass diese kleine Übung in der Gegenwart unseres liebenden und verzeihenden Gottes uns gut und leicht zur Beichte anleiten und diese selber einleiten kann.

Dazu nur noch ein letzter Schritt: Nachdem wir uns von Gott anschauen ließen, und nachdem wir dann selber ihn angeschaut haben, können wir nun leichter auf uns und in uns selber schauen. Wir schauen auf unsere Schuld, wir wollen diese bereuen, schließlich vor seinem Angesichte bekennen und so einen neuen Anfang machen. Es muss dabei nicht jedes Mal eine weltumstürzende Bekehrung geschehen. Es genügt schon, wenn wir einfach mit einem neuen Schwung und neuer Freude unser Leben weiterführen.

Gott weiß um Dich

Dann ist der Beichtvater dran. Er darf dem, der da vor ihm kniet oder sitzt, im Namen Jesu sagen: „Gott weiß um Dich, er weiß auch um Deine Schuld, er weiß, dass Du sie eingesehen, bereut und bekannt hast vor ihm und vor dem Priester und vor Dir selber. Und nun tut dieser Gott nichts lieber, als Dir Deine Schuld zu vergeben. Und dabei darfst Du in den Worten der Vergebung immer auch die Worte mithören, die ganz am Anfang stehen. Nämlich, dass Gott um Dich weiß, dass er Dich kennt, Dich liebt und bei Dir sein und bleiben will alle Tage deines Lebens.“

Und zuletzt noch ein Blick von der anderen Seite des Beichtstuhles: Ich meine, deshalb ist es wohl auch verständlich, dass ich selber gerne Beichten höre, und dass es mir nie zu viel wird, wenn ich gleichsam mit beiden Händen die Barmherzigkeit unseres Gottes austeilen darf. (Pater Peter Linster)

Jesuitenpater Peter Linster ist Rektor der Münchner Bürgersaalkirche.

 

 

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität und zum Thema Monat der Spiritualität

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