Beerdigung in der Großstadt Beisetzungen im 45-Minuten-Takt

30.10.2019

Strikte Zeiteinhaltung ist Pflicht auf den Münchner Friedhöfen. Der Dekan des Dekanats München-Forstenried und Leiter des Pfarrverbands Mittersendling, Detlef Kahl, berichtet.

Aussegnung an Allerheiligen auf dem Alten Südfriedhof
Aussegnung an Allerheiligen auf dem Alten Südfriedhof © SMB/Ertl

München – Wenn das Faxgerät piept, herrscht gespannte Stille im Pfarrbüro. Denn oft handelt es sich um die Meldung eines Sterbefalls. Meistens erfahren wir vom Tod eines Mitglieds aus dem Pfarrverband leider erst über das Faxgerät. Mit dieser Meldung beginnt ein intensives Planen. Der Zeitraum bis zur Beerdigung kann zwei Tage oder auch mal fünf Wochen betragen, je nachdem, ob es sich um eine Erdbestattung oder eine Urnenbeisetzung handelt. Es folgen: Kontaktaufnahme mit den Hinterbliebenen und Absprachen zur Beerdigung.

Doch dann ist es soweit. Mein erster Weg auf dem Waldfriedhof führt mich in die Sakristei des Friedhofs, eigentlich mehr ein Raum zum Anziehen der liturgischen Kleidung. Die spannende Frage beim Betreten des Raumes ist immer, gibt es einen Mesner oder nicht. Jeder Teil des Waldfriedhofs hat je einen Mesner. Wenn er krank, im Urlaub oder auf einem anderen Friedhof ist, gibt es keine Vertretung. Wobei ich schon erleben durfte, dass der Mesner beide Teile zu versorgen sucht!

Strenge zeitliche Taktung

Der nächste Kontakt führt mich zum Friedhofsschaffner, der für die Beisetzung zuständig ist. Fast standardmäßig teilt er mir mit, wie lange die ausgewählten Musikstücke sind, und erklärt mir, dass ich nur 15 Minuten Zeit in der Trauerhalle habe. Diese Erklärung gibt er mir meist lächelnd, da wir uns doch über die Jahre hinweg schon sehr gut kennen. Diese strenge zeitliche Taktung ist ein Spezifikum der Münchner Friedhöfe. Für die Mitarbeiter, also Friedhofsschaffner, Sargträger und auch Mesner, erfolgen die Beisetzungen im 45-Minuten-Takt. Da der Weg zum Grab am Waldfriedhof durchaus einmal 25 Minuten dauern kann, ist der Aufruf zur Zeiteinhaltung durchaus verständlich.

Beerdigung als Arbeitsroutine

Mein nächster Weg führt mich zum Vorraum der Trauerhalle. Hier merkt man deutlich, dass auch Beerdigungen für die Angestellten Arbeitsroutine sind. Oft beschäftigen sich die Sargträger noch mit ihren Handys, es wird geredet und auch mal ein Witz gemacht. Doch mit Beginn der Beisetzung spürt man sofort, dass alle Beteiligten dem Verstorben in der rechten Weise die letzte Ehre erweisen!

Am Anfang der Trauerfeier stehe ich am Eingang zur Trauerhalle. Ein vorsichtiger Blick in die Halle verrät mir, wie viele Trauergäste sich versammelt haben. Da die Trauerhallen in München zum Teil sehr groß sind, entscheide ich erst hier, ob ich ein Mikrofon benötige oder mich näher zu den Trauergästen stellen kann. Gerade auch an der Zahl der Trauergäste erkennt man ein Stück weit die gelegentliche Anonymität der Großstadt. So hatte ich auch schon Beisetzungen, bei denen überhaupt kein Trauergast anwesend war. Insgesamt kann ich persönlich sagen, dass alle Mitarbeiter der Münchner Friedhöfe stets dafür Sorge tragen, dass die Beisetzungen in einer würdevollen Art ablaufen, und dass die Zusammenarbeit mit ihnen sehr gut funktioniert. (Detlev Kahl, Dekan des Dekanats München-Forstenried und Leiter des Pfarrverbands Mittersendling)

 

Tradition, Tracht und Trauerfeier - wie laufen Begräbnisse auf dem Land heutzutage ab? Lesen Sie dazu den Bericht "Auflösung traditioneller Rituale" von Monsignore Thomas Frauenlob, Dekan des Dekanats Berchtesgaden und Leiter des Pfarrverbands Stiftsland-Berchtesgaden.

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tod und Sterben

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