Thailändischer Leihmutterfall Bentele fordert mehr Sensibilität für Behinderte

09.08.2014

Verena Bentele, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, ist „schockiert und zutiefst betroffen“ über den Fall einer Leihmutter in Thailand. Ein Kind mit der Genkrankheit Trisomie 21 wurde dabei von den biologischen Eltern bei der Leihmutter zurückgelassen. „Das war für mich bisher nicht vorstellbar“, so Bentele.

Verena Bentele, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung (Bild: imago/epd)

Berlin/München – Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, fordert nach einem Leihmutter-Fall in Thailand eine öffentliche Debatte: „Wir alle brauchen eine hohe Sensibilisierung, um dafür ein Unrechtsbewusstsein zu schaffen“, sagte die SPD-Politikerin im Münchner Kirchenradio. Es müsse weitere Informationskampagnen geben, die den Wert eines Kindes mit Behinderung verdeutlichen.

Über den in Thailand bekannt gewordenen Fall einer Leihmutter sei sie schockiert. Dort ließ sich eine junge Frau die befruchtete Eizelle eines australischen Ehepaars einsetzen. Sie brachte Zwillinge zur Welt. Die biologischen Eltern akzeptierten aber lediglich das gesunde Mädchen. Das zweite Kind, ein Junge, wurde bei der Leihmutter zurück gelassen. Sie frage sich, ob so etwas auch einmal in Deutschland passieren könnte, so die Behindertenbeauftragte, die auch dem Münchner Stadtrat angehört.

Die Menschen müssten sich auch hierzulande hinterfragen, in welcher Gesellschaft sie leben möchten: „Ich will jedenfalls in einer Gesellschaft leben, die jeden Menschen so aufnimmt und annimmt wie er ist“, sagte Bentele, die als Sportlerin auch zwölf Goldmedaillen bei den Paralympischen Winterspielen gewann. (alb/ww)


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