Barmherzige Brüder Gremsdorf Besonderes Arbeitsklima in der Kicker-Werkstatt

04.06.2018

Die Barmherzigen Brüder im mittelfränkischen Gremsdorf sind bekannt für ihre Kicker-Werkstatt. Jetzt zur Fußball-WM gibt es natürlich eine Sonderanfertigung.

"Der Kicker ist ein ideales Spielgerät, dass auch sehr viel Kollegialität schafft.“
"Der Kicker ist ein ideales Spielgerät, dass auch sehr viel Kollegialität schafft.“ © SMB/Burkhard

Gremsdorf – Nur noch wenige Tage, dann startet in Russland die Fußball-WM. Passend dazu gibt es bei den Barmherzigen Brüdern in Gremsdorf (Mittelfranken) jetzt einen neuen Kicker. Rund zwei Wochen lang war das Team aus der Benedikt-Menni-Werkstatt damit beschäftigt.

Egal aus welchem Blickwinkel man den WM-Kicker betrachtet, es gibt viele interessante Details zu entdecken. Der Oberkasten und die Füße sind golden gestrichen. Dazu finden sich Aufkleber mit typisch russischen Symbolen. Außerdem sind das Spieljahr und die Spielorte der WM verewigt. An der Innenseite der Bande ist jubelndes Publikum zu sehen und zur Gedächtnisauffrischung kann man dort auch noch die Gewinner aller bisherigen Weltmeisterschaften nachlesen. „Da legen wir immer sehr viel Wert drauf, dass auch das optische Bild gut passt“, verrät Werkstattleiter Detlev Troll im Interview mit mk online.

Ganzer Stolz der Mitarbeiter: der neue Kicker zur Fußball-WM in Russland.
Ganzer Stolz der Mitarbeiter: der neue Kicker zur Fußball-WM in Russland. © SMB/Burkhard

Fast jeder Wunsch wird erfüllt

Der neue Kicker zeige laut Troll auch, was die Spielgeräte aus der Werkstatt der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf so besonders macht. So habe jeder Kunde die Möglichkeit, seinen Kicker ganz individuell zu gestalten. Das reiche von der Auswahl der Farbe über die Wahl des Vereins bis hin zum Geschlecht der kleinen Plastikspielfiguren – die gibt es nämlich in männlich und in weiblich. Fast jeder Wunsch werde erfüllt und das nicht nur bei großen Margen, sondern bereits bei Bestellungen ab einem Stück. Als Beispiel nennt Troll einen Schweinskopf, der es in die Spielfeldmitte eines Kickers für eine Metzgerei geschafft hat.

Eines zeigt sich bei dem Besuch sehr schnell: wenn es um Kicker geht, dann sind Detlev Troll und sein Team schon lange in der Profiliga. 1999 wurde in Gremsdorf das erste Mal an einem Kicker gebaut, seitdem wird in der Benedikt-Menni-Werkstatt permanent gesägt, gehobelt, gebohrt, gefräst, geschliffen und lackiert. Rund 140 Spielgeräte werden so pro Jahr überwiegend in Handarbeit hergestellt. Und das mit echter Leidenschaft: „Also bei uns kickert a jeder“, so Troll. Egal ob männlich oder weiblich, jung oder alt, „jeder hat die Möglichkeit und jeder tut es auch gerne“. Und das „Kickerfieber“ grassiert nicht nur in der eigenen Einrichtung bei den Barmherzigen Brüdern, „wir haben in der Region Kickerspielen wieder ins Leben gerufen“, freut sich der Werkstattleiter.

Die Mitarbeiter in der Benedikt-Menni-Werkstatt sind mit Feuereifer bei der Sache.
Die Mitarbeiter in der Benedikt-Menni-Werkstatt sind mit Feuereifer bei der Sache. © SMB/Burkhard

"Macht richtig Spaß"

Im Kicker-Bauteam sind neben Troll und seinen Mitarbeitern auch sieben Menschen mit Behinderung. Die sind allerdings nur in geringem Maß auf Hilfe angewiesen und können „sehr selbstständig“ arbeiten. Ermöglicht wird das laut dem Werkstattleiter auch durch viele wiederkehrende Arbeiten und die Spezialisierung auf bestimmte Arbeitsschritte. Jürgen zum Beispiel ist der Maler- und Lackierermeister der Truppe. Schon seit 25 Jahren ist er bei den Barmherzigen Brüdern. „Die Arbeit macht mir richtig Spaß“ erzählt er. Am besten gefällt ihm am Kickerbau das Qualitätsmanagement: „Wenn der Kicker fertig dasteht, dann wird er angespielt.“ Besonders betont Jürgen auch die gute Zusammenarbeit mit dem ganzen Team. „Wenn jemand im Urlaub ist, dann merkt man, dass er fehlt, wir sind wie eine Familie.“ Klar, dass es da auch mal kracht. Aber spätestens nach der Abschlussrunde am Abend ist der Familienfrieden wiederhergestellt.

Ideales Spielgerät

Von einem besonderen Arbeitsklima spricht auch Werkstattleiter Detlev Troll. Ob das damit zusammenhängt, dass die Trägerschaft bei den Barmherzigen Brüdern liegt, könne er nicht mit Gewissheit sagen. Allerdings bekomme er immer wieder bei Führungen die Rückmeldung „irgendwas ist bei euch besonders“. Die Stimmung beim Kickerbauen sei auf jeden Fall immer gut. Wenn es Rivalität gibt, dann auf „gutem Niveau“, so Troll. „Da trägt der Kicker auch zu einer sehr guten Stimmung bei. Weil zum einen kann man da mal die Luft rauslassen, einen schönen Wettbewerb austragen untereinander und dann ist der Kicker ein ideales Spielgerät, dass da auch sehr viel Kollegialität schafft.“

Der neue WM-Kicker ist übrigens nicht das erste Sondermodell dieser Art. Bereits zur WM im eigenen Land gab es 2006 eine exklusive Edition und auch zu den vergangenen Weltmeisterschaften wurden Kicker angefertigt. Sogar ins Guinness-Buch der Rekorde haben es die Kickerbauer aus Gremsdorf schon geschafft. Sie habe einen Eintrag für „den längsten Kicker der Welt“ erhalten. Das Modell ist stolze 12,26 m lang und kann von bis zu 40 Spielern gleichzeitig genutzt werden.

Wer sich jetzt zur WM einen Kicker in die Wohnung stellen will, ist in Gremsdorf leider zu spät dran. Das Standardmodell hat eine Lieferfrist von etwa sechs Wochen und kostet rund 900 Euro. Allerdings gibt es neben dem Verkauf auch die Möglichkeit, sich eines der Geräte für eine Veranstaltung zu leihen. Wer sich einen näheren Eindruck verschaffen und einen der Kicker mal persönlich testen will, hat am kommenden Wochenende die Gelegenheit dazu: am Sonntag, 10. Juni, feiern die Barmherzigen Brüder Gremsdorf nämlich Tag der offenen Tür. Alle Informationen dazu gibt es auch hier.

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de


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