Impuls von Pfarrer Stephan Fischbacher „Besser sich ärgern als lachen“

24.11.2019

Niemandem wäre geholfen, wenn man Missstände mit heiterer Gelassenheit hinnähme, ist Pfarrer Stephan Fischbacher überzeugt. Er möchte seinen Ärger deshalb als Motivation sehen, etwas zu verändern.

Sich zu ärgern, ist nicht selten eine Motivation, eine Veränderung herbeizuführen und Dinge konkret zu verbessern, meint Pfarrer Stephan Fischbacher.
Sich zu ärgern, ist nicht selten eine Motivation, eine Veränderung herbeizuführen und Dinge konkret zu verbessern, meint Pfarrer Stephan Fischbacher. © khobenz – stock.adobe.com

In diesem Herbst habe ich meine letzte Bergtour auf den Wallberg gemacht. Sonniges Wetter versprach eine schöne Aussicht, der Weg ist gut zu gehen und am Kirchweihmontag waren nicht zu viele Touristen unterwegs. Insgesamt war es ein gelungener Ausflug, an den ich gerne zurückdenke.

Aber über eines habe ich mich geärgert. Mitten auf dem Weg lag ein Plastiksackerl, offensichtlich mit Hundekot gefüllt. Ich kann einfach nicht verstehen, wie dumm manche Menschen sind: Wenn der Hund schon einen Haufen macht, warum räumt man den Dreck in eine Plastiktüte und lässt diese dann achtlos liegen? Kann man das nicht mitnehmen und ordentlich entsorgen?

Sich zu ärgern, ist immer schade, weil es stets einen Schatten wirft, wo sonst viel Licht herrscht, und die Erinnerung unnötigerweise eintrübt. Ärgern kann ich mich auch im Pfarrhaus am Schreibtisch, wenn das Internet nicht funktioniert, oder wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Oft sind es Kleinigkeiten.

Ganz überrascht war ich, als ich in der Bibel im Buch Kohelet gelesen habe: „Besser sich ärgern als lachen; denn bei einem vergrämten Gesicht wird das Herz heiter.“ (Koh 7,3). Bisher dachte ich, es sei oft besser, etwas mit milder Gelassenheit zu sehen. Vielleicht hat der Ärger doch etwas Gutes: Wenn er meine Mitmenschen zur Heiterkeit anstiftet, wäre das schon mal was.

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Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Ärger als Motivation, etwas zu verändern

Ich möchte den Gedanken aber noch weiterführen: Sich zu ärgern, ist nicht selten eine Motivation für Menschen, eine Veränderung herbeizuführen und Dinge konkret zu verbessern. Nicht wenige Menschen bringen sich deshalb in der Kommunalpolitik ein, weil sie sich einmal geärgert haben und es in Zukunft besser machen wollen als andere.

Niemandem wäre geholfen, wenn man Missstände mit heiterer Gelassenheit hinnähme. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass Jesus Christus alles nur gelassen hingenommen hat. Hätte er sonst die fünftausend Menschen gespeist? Hätte er sonst die Händler aus dem Tempel geworfen? Hätte er sonst die Kinder zu sich geholt und sie gesegnet? Warum hätte er sonst die Menschen zur Umkehr aufgerufen?

Ich selber will versuchen, in meinem Ärger eine Motivation zu sehen, etwas zu verändern. Auch was mich selber angeht, wenn ich mich über mich selbst ärgern muss. Ich kann mich nur selber anstrengen und anfangen, umzukehren und mich zu verändern. Dann lacht das Herz, obwohl ich mich geärgert habe.


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