Renovabis unterstützt Projekt in Rumänien Besseres Leben für Mensch und Tier

28.04.2021

Ein Bauernhof in Rumänien ermöglicht Menschen neue Perspektiven und produziert gesunde, nachhaltige Lebensmittel. Der Erlös geht an soziale Aktivitäten.

Kühe auf der Weide
Der Bauernhof in Câmpulung produziert gesunde, nachhaltige Lebensmittel. © Renovabis

Câmpulung – Dichtes Grau liegt jetzt, mitten im Winter, über den Hügeln rund um das kleine rumänische Städtchen Câmpulung. Doch die Bekanntschaft, die die Gäste aus der Renovabis-Geschäftsstelle in Freising jetzt machen dürfen, entschädigt für vieles: Im neuen Kuhstall des sozialwirtschaftlichen Milchviehbetriebs Câmpulung steht ein kleines Kälbchen. Mit riesengroßen, braunen Augen starrt es neugierig die fremden Besucher an. Die älteren Kühe dagegen bleiben vollkommen gelassen, würdigen die fremden Menschen keines Blickes und käuen gemächlich weiter vor sich hin. Der gesamte Stall strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus. Zumindest bis Mitarbeiter Augustin die lärmende Melkanlage anwirft und ein Kollege mit einer Art Kehrmaschine die Hinterlassenschaften der Tiere beseitigt.

Unter dem Titel "DU erneuerst das Angesicht der Erde" steht die diesjährige Pfingstaktion des katholischen Osteuropahilfswerks Renovabis. Zu dessen Auftakt überträgt das ZDF am 9. Mai ab 9.30 Uhr den Festgottesdienst aus der Bensheimer Heilig-Kreuz-Kirche mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Mit seinem Jahresthema wolle das Hilfswerk die Menschen in Ost und West für den Reichtum der Schöpfung sensibilisieren, heißt es in der Ankündigung. Zugleich sollen sie zu ökologisch verantwortlichem Handeln aufgerufen werden. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernehmen Regionalkantor Gregor Knop und das Quartett des Jungen Vokalensembles Sankt Georg. (kna)

Rund 37 000 Einwohner hat der Ort Câmpulung, etwa zwei Autostunden sind es von Bukarest bis hierher. Die Stadt liegt am Rande einer Hügelkette in den südlichen Karpaten, auf einer Höhe von 600 Metern. Die klare Luft und die Landschaft machen die Gegend zu einem beliebten Ausflugsziel, im Sommer kommen viele Besucher hierher, um sich vom Trubel in der Hauptstadt zu erholen. Ehemals ein wichtiges Industriezentrum, im Mittelalter sogar die Hauptstadt Rumäniens, erlebte Câmpulung nach dem Ende des Kommunismus einen steilen wirtschaftlichen und demographischen Abschwung – mit einem heute sehr niedrigen Einkommensniveau, einem Verfall der öffentlichen Strukturen und einer großen Abwanderung von Arbeitskräften.

Im Einklang mit der Natur arbeiten

Der Stall, den die Gäste aus Deutschland besichtigen durften, ist nur ein Teil des sozialwirtschaftlichen Milchviehbetriebs Câmpulung: Unter dem Dach des Renovabis-Projektpartners, der Caritas, ist in dem Bergstädtchen ein vielfältiges Ensemble von Einrichtungen und Programmen rund um die Bio-Landwirtschaft entstanden. Angefangen hatte alles 1992, als die Caritas Bukarest mit dem Aufbau einer Außenstelle begann, die 1999 zur Caritas Câmpulung wurde. Seitdem gibt es eine ganze Reihe von Projekten, die sich vor allem um benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kümmern. Im Mittelpunkt stand und steht die Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten und langfristiger Zukunftsperspektiven für junge Menschen, aber genauso der  Gedanke einer naturnahen Landwirtschaft. Der Betrieb sollte die Ressourcen schonen und gleichzeitig ein sicheres Einkommen für die Mitarbeiter ermöglichen. Deshalb nahm 2002 ein neuer Bauernhof seine Arbeit auf – nach den Kriterien der biologischen Landwirtschaft.

Käse aus eigener Herstellung ist sehr beliebt

Heute leitet Pfarrer Petru P?ule? die Caritas Câmpulung. Er ist seit 1986 in der katholischen Pfarrei in dem Bergstädtchen tätig. Früher gab es nur einen kleinen Stall, doch Pfarrer P?ule? ist es gelungen, über einen amerikanischen Verein Mittel für den Ausbau zu gewinnen. Jetzt liegt der Kuhstall auf einem großen Gelände des Erzbistums Bucure?ti außerhalb von Câmpulung. Die Kühe können den ganzen Sommer und Herbst über, solange die Witterung es zulässt, draußen an der frischen Luft weiden.

Die Milch der derzeit 20 Kühe wird in einer eigenen kleinen Käserei verarbeitet, die Käseherstellung unterliegt genau wie die Milchproduktion den Kriterien der biologischen Landwirtschaft. 180 bis 200 Liter werden täglich gemolken, viermal pro Woche wird Käse hergestellt – im Monat bis zu 300 Kilogramm. Vertrieben werden die leckeren Laibe, die noch weitgehend in Handarbeit entstehen, von einer eigens gegründeten sozialwirtschaftlichen Firma. Der Käse erfreut sich großer Beliebtheit und findet reißenden Absatz.

Renovabis unterstützt Betrieb

Der Gewinn aus den landwirtschaftlichen Aktivitäten fließt in pastorale und soziale Aktivitäten, größere Investitionen sind nicht möglich. Deshalb unterstützt das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis den Betrieb. Der Milchviehbetrieb braucht dringend eine neue Jauchegrube – und einen Umkleideraum mit einem kleinen Badezimmer für die Angestellten. Denn langfristig sollen weitere Kühe dazukommen: Die Käseproduktion soll mit Hilfe von modernen und leistungsfähigen Maschinen ausgebaut werden.

»Wir sind froh, dass Renovabis unseren Milchviehbetrieb unterstützt: So können wir benachteiligten Menschen helfen – und tragen mit der Herstellung von Naturprodukten zur Erhaltung der Schöpfung bei«, sagt Pfarrer P?ule?: »Sie ist schließlich Gottes Werk, und deshalb müssen wir sie schützen. Sie wurde uns anvertraut, nicht um sie zu zerstören, sondern um sie zu retten.« (Theresa Grabinger)

Renovabis

Renovabis ist die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Das Hilfswerk mit Sitz in Freising bei München unterstützt nach eigenen Angaben Projekte zur Erneuerung des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebns in den ehemals kommunistischen Ländern. 2020 konnte Renovabis knapp 25 Millionen Euro bewilligen und damit 578 Projekte in den Partnerländern fördern. Seit 1993 hat das Hilfswerk in rund 25.200 Projekte fast 800 Millionen Euro investiert. (kna)


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