Ursula Gröppmair aus Notzing Bestes Aushängeschild für eine einladende Kirche

26.04.2019

Ursula Gröppmair ist aktiv in der Katholischen Frauengemeinschaft, hat Bienen und sorgt dafür, dass sie genug Nahrung finden.

Ursula Gröppmair engagiert sich auf vielfältige Weise in der Kirche.
Ursula Gröppmair engagiert sich auf vielfältige Weise in der Kirche. © Riffert

Notzing – Wenn Ursula Gröppmair auf Menschen zugeht, ist sie das beste Aushängeschild für eine einladende Kirche: freundlich, zugewandt und engagiert. Die 47-Jährige ist im Pfarrverband (PV) Erdinger Moos für die Buchhaltung der vier kirchlichen Kindergärten mit rund neunzig Angestellten zuständig. Darüber hinaus ist sie aktiv in der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd). Seit 2002 ist Gröppmair in ihrem auf dem PV-Gebiet gelegenen Wohnort Notzing Sprecherin des Führungskreises der kfd, seit 2013 ist sie Dekanatsleiterin des Verbandes, seit 2016 gehört sie auch der Diözesanleitung an. Die gelernte Fotografin lebt in Notzing, seit sie 19 Jahre alt ist. Aufgewachsen ist sie im unterfränkischen Karlstadt. In Würzburg hat sie den gestalterischen Zweig der Fachoberschule besucht und dort auch ihr Abitur abgelegt. Das Fränkische ist aber kaum mehr wahrzunehmen. Ursula Gröppmair, die vor Ort alle „Uschi“ nennen, ist sprachlich eine „Hiesige“.

Die kirchliche Mitarbeiterin ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Außerdem kümmert sie sich schon seit vielen Jahren um ihre Schwiegereltern, die mit im Haus wohnen. „Die Familie ist für mich das Allerwichtigste“, betont sie. Gröppmair führt ein aktives Leben aus dem Glauben heraus, das in sich stimmig ist und andere zur Nachahmung inspirieren dürfte. Doch ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick wirkt, war ihr bisheriger Lebensweg nicht. „Es gab eine Zeit, in der ich mit dem lieben Gott auf Kriegsfuß stand“, gesteht die Katholikin freimütig. Die Ursache dafür war der frühe Tod der Mutter. „Als sie starb, war ich 24, mein Bruder 19 und unsere kleine Schwester erst acht Jahre alt. Für sie war das besonders schwer.“

Früher Tod der Mutter

Gröppmair hatte einen Monat vor dem Tod ihrer Mutter selbst zum ersten Mal ein Kind geboren. So beschlossen sie und ihr Partner, die kleine Schwester in die eigene Familie aufzunehmen. „Ich war ja sowieso daheim, um mich um meinen Sohn zu kümmern. So konnte ich auch für meine kleine Schwester da sein. Mein Vater musste schließlich noch arbeiten und das wäre allein mit einer Achtjährigen schwierig gewesen.“ Mit ihrer Schwester, für die sie auch eine Art Mutterrolle übernahm, fühlt sich Gröppmair bis heute eng verbunden. Diese lebt mittlerweile in einer anderen Stadt und arbeitet als Polizistin.

Gröppmair hat wieder Zugang zu ihrer Spiritualität gefunden und sich dabei auch in die Gemeinde einbinden lassen. „Ich wollte den Glauben an meine Kinder weitergeben. Deshalb habe ich mich dazu bereit erklärt, Tischmutter bei der Erstkommunionvorbereitung zu sein und auch Firmgruppenleiterin.“ Dazu kamen die Aufgaben im Verband.

Zu sich selbst stehen

Wer „Uschi“ neu kennenlernt, merkt oft erst, dass sie hörbehindert ist, wenn sie es selbst zum Thema macht, denn die Hörgeräte sind unter ihrer dichten blonden Mähne nicht zu sehen. „Als Teenager war mir das sehr unangenehm, dass ich schlecht höre, und ich wollte nicht, dass man das gleich merkt. Doch seit ich offensiv mit meiner Behinderung umgehe und dazu stehe, bin ich selbstbewusster“, berichtet die engagierte Frau. So sagt sie gleich, dass E-Mails für sie besser zu verarbeiten sind als Telefonanrufe und dass es für sie nur schwer zu verstehen ist, wenn sie jemand von hinten anspricht.

Die eigene Spiritualität lebt Gröppmair gern zusammen mit anderen Frauen, etwa in Form von eigenen Frauenliturgien. Auch beim Spazierengehen in der Natur oder im Garten findet sie spirituelle Impulse. Außerdem liest sie gerne. Die Lektüre von Büchern hat für sie auch eine spirituelle Seite, etwa dann, wenn sie davon zum eigenen Weiterdenken angeregt werde.

Beim Teilen mit anderen erfährt Gröppmair, wie bereichernd der Glaube sein kann. So hat die kfd in Notzing im vergangenen Jahr nach dem Erntedankgottesdienst eine „Erntedanksuppe“ angeboten, die die Frauen selbst gekocht haben. Die vegetarischen Zutaten stammten allesamt aus der Region. „Gut 70 Menschen haben diese Suppe gegessen und danach Geld zugunsten eines Projekts in der Region gespendet: für neue Kühlgeräte der Erdinger Tafel“, berichtet sie.

Mit solchen Aktionen kommen gleich mehrere wichtige Stränge zusammen: Der Solidaritätsgedanke steht im Mittelpunkt. Die Gemeindemitglieder erfahren außerdem, dass es die Tafel gibt, wie sie arbeitet und wie man helfen kann. Auch der Nachhaltigkeitsgedanke spielt hier eine Rolle, denn neue Kühlgeräte verbrauchen viel weniger Strom als die alten, die schon sehr lange im Dienst sind.

„Man kann mit kleinen Mitteln viel bewirken“

„Man kann mit kleinen Mitteln viel bewirken“, weiß Gröppmair aus Erfahrung. Ihrer Familie ist es zum Beispiel wichtig, dass es möglichst viele bienenfreundliche Pflanzen gibt. Die Gröppmairs haben 16 Bienenvölker, die auf dem Dach der heimischen Werkstatt stehen. Um die Bienen kümmert sich vor allem Sohn Sebastian, aber alle Familienmitglieder werben für Blühpflanzen, die den Insekten Nahrung bieten. So hat Gröppmair bei der jüngsten kfd-Diözesanversammlung die Idee verbreitet, „Blumen-Bomben“ herzustellen, bei denen rote Tonerde, Aussaaterde, Blumensamen mit schmetterlings- oder bienenfreundlichen Pflanzen und Wasser zu kleinen Kügelchen geformt werden. Nach dem Trocknen kann man diese „Blumen-Bomben“ in Töpfe geben oder in bestimmten Bereichen des Gartens in die Erde stecken. Diese Methode eignet sich auch gut für kleine Grundstücke und Balkone. So kann jeder mithelfen, dass Bienen Futter finden und sich dabei auch noch selbst an den schönen Pflanzen erfreuen.

Etwas mitgeben können

Gröppmair ist Lektorin in Notzing und bereitet gern Frauengottesdienste mit vor. Hier ist es ihr wichtig, dass die Teilnehmerinnen etwas für sich selbst mit nach Hause mitnehmen können, was greifbar ist und über die Dauer des Gottesdienstes hinaus nachwirkt: etwa eine schöne Postkarte mit einem Spruch, der zum Thema passt, eine Kerze oder eine Blume. Gröppmair liebt diese Gottesdienste. „Die Frauen bilden eine Mitte, in der Gott spürbar ist. Das ist eine ganz besondere, dichte Atmosphäre“, beschreibt sie.

Gröppmair kann sich vorstellen, irgendwann die Aufgabe einer Wortgottesdienstleiterin zu übernehmen. Um mehr Hintergrundwissen über theologische und kirchliche Fragen zu bekommen, hat sie sich zur Teilnahme am Würzburger Fernkurs angemeldet. „Das Leben ist spannend und nicht immer einfach, aber man erfährt auch sehr viel Positives und Bereicherndes. Das motiviert mich, selbst Positives in die Welt zu geben“, fasst die 47-Jährige ihre Lebenseinstellung zusammen. (Gabriele Riffert)


Das könnte Sie auch interessieren

Pater Slawomir (2.v.l.) und Kirchenpfleger Stephan Schletter (2. v.r.) freuen sich über „ihre“ neue Stromtankstelle.
© Greckl

Sankt Peter in Wörth Elektroauto während des Gottesdienstes aufladen

In Wörth gibt es jetzt die erste erste Stromtankstelle auf kirchlichem Grund. Hier lassen sich parallel ganz einfach der Akku der Seele und des Autos aufladen.

07.05.2019

Noch zwei Fahrstunden, dann haben sie einen Führerschein für die "Bavaria One" des Erzbischöflichen Ordinariats: Adelheid Widmann von der Seniorenpastoral und Alois Bierl vom Sankt Michaelsbund.
© SMB/Kerscher

Besonderes Ehrenamt Rikschapilot im Selbstversuch

Die Erzdiözese München und Freising hat eine Fahrradrikscha für die Seniorenpastoral gekauft. Wer sie steuern will, braucht dazu einen Führerschein.

23.04.2019

© Kiderle/SMB

Pfarreileitung mit Ehrenamtlichen Gemeinsamer Aufbruch

Im niederbayerischen Geisenhausen erprobt das Erzbistum München und Freising ein neues Leitungsmodell, in dem Ehrenamtliche verantwortlich eingebunden sind. Damit öffnet sie eine Tür in die Zukunft.

08.04.2019

Pfarrgemeinderäte und Pastoralreferenten aus dem Rosenheimer Raum beim Werkstatt- gespräch mit Elisabeth Ternyik (hinten links) und Markus Roth (hinten rechts)
© Schlecker

Werkstattgespräch „Freiwilligenmanagement“ Unterstützen statt reglementieren

Für das Erzbistum ist seit Jahren eine „Ehrenamtsakademie“ im Gespräch. Im Raum Rosenheim ist man schon weiter: Das Bildungswerk plant einen Kurs zum Thema. Vorab fand ein Werkstattgespräch statt.

04.04.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren