100 Jahre Marienerscheinungen in Fátima Betend die Welt verändern

13.05.2017

„Ist die Botschaft von Fátima überholt?“, hat der Filmemacher Max Kronawitter den Bischof des portugiesischen Wallfahrtsorts gefragt. Warum dieser entschieden verneinte, lesen Sie hier.

Seit hundert Jahren ist der portugiesische Marienwallfahrtsort Fátima ein Anziehungspunkt für Gläubige © Fotolia/Bill Perry

Was würden Eltern zu Kindern sagen, die behaupten, die Gottesmutter sei ihnen erschienen? Auch die zehnjährige Lucia und ihre Freunde Jacinta und Francisco wurden erst verlacht, dann geohrfeigt und später sogar mit dem Tod bedroht: Sie sollten endlich mit dem Unsinn aufhören. Selbst der Ortspfarrer warnte sie, die vermeintliche Erscheinung könnte eine Eingebung des Teufels sein. Im Jahre 2000 wurden Jacinata und Francisco im Beisein der 93-jährigen Lucia seliggesprochen. Ohne das Zeugnis der drei Hirtenkinder wäre die Kirche nicht nur um einen bedeutenden Wallfahrtsort ärmer. Eine Botschaft an die Welt wäre wohl ungehört geblieben.

Privatoffenbarungen, zu denen auch die Worte Marias in Fátima zählen, sind – so die Lehre der Kirche – nicht für alle Gläubigen verbindlich. Dennoch haben die letzten Päpste kein Hehl daraus gemacht, wie wichtig ihnen die Erscheinung aus dem Jahr 1917 ist. Dass Johannes Paul II. sein Attentat in den Visionen der Hirtenkinder angedeutet sah, hat für viele die Echtheit und Aktualität der sogenannten „Geheimnisse von Fátima“ bestätigt. An die vier Millionen Menschen besuchen jedes Jahr die portugiesische Kleinstadt.

Der Aufruf Marias, durch Sühne und Umkehr nicht nur das Ende der beiden Weltkriege, sondern auch die Bekehrung Russlands zu erbitten, gab der Generation meiner Eltern und Großeltern einen wertvollen Impuls. Mit dem Rosenkranz, so die Botschaft von Fátima, lässt sich die Welt verändern. Gerade im kalten Krieg der Nachkriegszeit wurde Fátima zur Quelle der Hoffnung.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Ist nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und der Aussöhnung der europäischen Nachbarländer die Botschaft von Fátima überholt? Als ich dem derzeitigen Bischof von Fátima, António Augusto dos Santos Marto, diese Frage stellte, bekam ich ein deutliches „Nein“ zur Antwort. „Sind denn Hass und Gewalt schon besiegt?“, lautete seine Gegenfrage. Und er erläuterte, dass heute an die Stelle des kirchenfeindlichen Kommunismus andere Kräfte getreten sind, die die Kirche bedrohen: Menschen, die leben, als ob es Gott nicht gäbe, gehören nach Auffassung des Bischofs zu den zerstörerischen Mächten der Gegenwart. Der Aufruf Marias, durch Gebet die Bekehrung derer zu bewirken, die vom Weg abgekommen sind, bleibt deshalb aktuell. Am Schluss unseres Gespräches fügte Bischof Marto noch ein Zitat von Papst Benedikt XVI. hinzu: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fátimas beendet sei, der irrt sich.“ (Max Kronawitter)


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