Krippe am Flughafen München Bethlehem ist überall

13.12.2018

In der Christophorus Kapelle am Münchner Flughafen wurde eine neue Krippe vorgestellt. Das preisgekrönte Kunstwerk bereichert einen Ort der Ruhe in einer hektischen Umgebung.

Von links nach rechts: Flughafen Seelsorger Franz Kohlhuber, Künstlerin Verena Boiger und Diözesanmuseumsdirektor Christoph Kürzeder © Kiderle

Freising – Während im Herzen des Münchner Flughafens die Menschen eilig ihre Rollkoffer hinter sich herziehen, nervös in den langen Schlangen vor Check-In und Sicherheitskontrollen hin und her tippeln und Geschäfte zu schnellem Shopping einladen, herrscht ein Stockwerk darüber nahezu Ruhe. Nicht weil es leer ist, sondern weil die kleine Traube von Menschen vor der Christophorus Kapelle im Münchner Flughafen ruhiger und gelassener ist. Sie sind nicht im Reisestress, sondern sie sind gekommen, um vorab die neue Weihnachtskrippe der Künstlerin Verena Boiger zu sehen. Ab dem 24. Dezember wird diese ganz besondere Krippe ständig zu sehen sein.

Ihre Krippe ist keine „weihnachtliche Puppenstube“, wie Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums, klarstellt. Aus französischem Kalkstein hat Verena Boiger eine Szene aus dem Nahen Osten nach dem Vorbild japanischer Faltkunst dargestellt. Ochs und Esel und die heilige Familie sind wie Origami-Figuren geformt. Krippen sind und waren schon immer auch eine Abbildung der eigenen Lebensrealität. Die Geburt Jesu wird in den eignen Kontext gerückt: „Bethlehem ist überall“, stellt Kürzeder fest. Genau deshalb passt Boigers „internationale Krippe“ so gut zum Flughafen.

Die Heilige Familie mit Ochs und Esel
Die Heilige Familie mit Ochs und Esel © Kiderle

Maria verlor ihren Kopf

Zunächst hat sie die Figuren aus Papier gefaltet und dann aus Stein nachmodelliert. Für die Steinmetzmeisterin eine ungewohnte Arbeit, da sie sonst eher an größeren Objekten arbeitet und nicht an Figuren, die kaum größer als eine Kinderhand sind. Und: Sie hat sich bewusst dagegen entschieden, die Krippe bunt anzumalen: „Ich wollte was ganz Schlichtes machen und nur die wichtigen Elemente mit Blattgold hervorheben“, erklärt die Künstlerin. In der schlichten, modernen Kapelle hat die Krippe einen guten Platz gefunden: „Mit ihrer reduzierten Formensprache passt sie wunderbar in diesen Raum“, hält Kürzeder fest.

Flughafen Seelsorger Franz Kohlhuber hatte Schwierigkeiten eine passende Krippe für den modernen Raum zu finden. Eine traditionelle Darstellung der Geburt Christi hätte nicht in die Kapelle gepasst. Die letzten Jahre hatte eine andere Weihnachtskrippe dort gestanden. Die Kinder der flughafeneigenen Tagesstätte hatten eine gebastelt. Doch der Zahn der Zeit nagte an ihr und nicht nur Josef verlor seine Haare, sondern auch Maria sogar ihren Kopf. Eine neue Krippe musste her. Denn in seiner Arbeit als Seelsorge hat Kohlhuber festgestellt, dass gerade im hektischen Flughafen, wo Freud und Leid, Abschied und Ankommen, ganz dicht beieinanderliegen, es einen Ort brauche, wo die Menschen sich sammeln können: „Zu diesem Kind kommen alle, die mit der höchsten Freude und die mit dem höchsten Leid.“

Verena Boiger präsentiert ihre Krippe
Verena Boiger präsentiert ihre Krippe. © Kiderle

Sicherheit muss sein

Entdeckt hat Kohlhuber das Kunstwerk auf der Krippenausstellung in der Karmeliterkirche zu dem von Kardinal Reinhard Marx ausgerufenem Wettbewerb im vergangen Jahr. Durch Spendengelder konnte die Flughafenseelsorge die prämierte Krippe kaufen und auch eine Schreinerei beauftragen, einen Kasten zu bauen, der das Werk ins richtige Licht setzt, aber auch vor Langfingern schützt. Denn die Kapelle ist für alle 24 Stunden am Tag offen. „Sonst hinterlässt die heilige Familie bald ein verwaistes Jesuskind“, erklärt der Seelsorger lachend. Die Sorge ist nicht unberechtigt: Vor etwa drei Jahren hat ein Mann das Kreuz der Kapelle herausgerissen und auf dem Flughafengelände weggeschmissen.

Für Reisende und Interessierte aber auch die vielen Angestellten des Flughafens, die bei all dem Trubel einen Ort zur Andacht suchen, ist die Krippe ab dem Heiligen Abend bis zum 2. Februar zu sehen. (Thomas Stöppler)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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