Veränderungen in der Kita-Landschaft Betreungsgeldzuschuss, Einschulungskorridor und Krippengeld

14.11.2019

Der Kindergartenplatz kostet fast nichts mehr, die Krippe wird ab kommenden Jahr auch für viele deutlich günstiger. Die Eltern freut es, für die Einrichtungen war, und bleibt, das schwierig.

Update Kita -Landschaft © chrupka-adobe.stock

München/Dachau – Der Kindergartenplatz wird 100 Euro günstiger oder sogar kostenfrei – über diese Nachricht freuten sich Anfang des Jahres viele Eltern. In den Kitas sorgte dieser „Schnellschuss“ der Bayerischen Staatsregierung für weniger Freude.

Zuschuss zu den Betreuungskosten

Zwar wollte man natürlich die Eltern gerne entlasten, aber eine Einführung zum 1. April war überhaupt nicht möglich, da der bayerische Landtag das Budget für den Haushalt für die Jahre 2019 und 2020 noch gar nicht festgelegt hatte. Laura Hölzlwimmer, Verwaltungsleiterin des KiTa-Verbunds Heilig Kreuz Dachau, erinnert sich noch gut an die schwierige Situation. „Die Eltern wussten aus den Medien längst, dass sie zum April weniger zahlen müssen – das Geld haben wir selbst aber erst im August bekommen“, erzählt sie. Der KiTa-Verbund in Dachau hätte für seine Einrichtungen eine Viertelmillion Euro vorstrecken müssen. „Das hätten wir mit unseren finanziellen Ressourcen nicht stemmen können. Wir haben keine derartigen Liquiditätsreserven“, fügt Hölzlwimmer hinzu. Glücklicherweise zeigten die meisten Eltern Verständnis. Im Sommer mussten dann neue Verträge für alle Kita-Kinder geschrieben werden. Wieder eine immense Arbeit.

Einschulungskorridor

Dazu kam der – auch in letzter Minute eingeführte – Einschulungskorridor. Er ermöglicht es Eltern von Kindern, die von Juli bis September sechs Jahre alt werden, zu entscheiden, ob ihr Kind eingeschult werden soll oder nicht. „Eigentlich eine gute Sache“, meint die Verwaltungsleiterin, „denn so wird der persönlichen Entwicklung des Kindes Rechnung getragen. Allerdings haben wir überhaupt nicht gewusst, wie viele Plätze wir neu vergeben können.“ Eine schwierige Situation, gerade wo Hölzlwimmer ohnehin vielen Eltern eine Absage erteilen muss, weil keine Plätze da sind. Ruhe sei auch jetzt nicht eingekehrt. Der Einschulungskorridor wird nun jedes Jahr eine Herausforderung darstellen.

Krippengeld kommt

Anfang Januar kommt das Krippengeld hinzu. Damit werden Eltern bereits ab dem ersten Geburtstag ihres Kindes mit monatlich bis zu 100 Euro pro Kind bei den Kinderbetreuungsbeiträgen entlastet. Das Krippengeld erhalten nur Eltern, deren Einkommen eine bestimmte haushaltsbezogene Einkommensgrenze nicht übersteigt, und deshalb gibt es die Ermäßigung auch nicht direkt bei den Kitas, sondern sie muss beim Zentrum Bayern Familie und Soziales beantragt werden. „Die Fragen dazu werden trotzdem an uns adressiert. Wir sind der Ansprechpartner der Eltern und wollen natürlich auch den engen Kontakt. Er fordert uns aber auch zeitlich“, erläutert Hölzlwimmer.

Qualität soll gesteigert werden

Das Geld für Krippengeld und die Beitragsentlastung der Kindergartenkinder kommt aus dem „Gute-KiTa-Gesetz“. Und hier sieht auch Maria Magdalena Hellfritsch, Vorsitzende des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern, die Schwierigkeit. Der Verband hatte gehofft, dass ein großer Teil des Geldes des „Gute-KiTa-Gesetzes“ in Qualitätsentwicklung fließen würde. „Ein großer Punkt sind dabei Zeitkontingente für Leitungsaufgaben in der Kita. Leitungen müssen für ihre Aufgaben freigestellt werden“, erklärt Hellfritsch. Wesentlich sei aber, Kita-Fachkräfte zu gewinnen. Laut einer Bertelsmann-Studie fehlen aktuell 7.200 solcher Fachkräfte in Bayern. Hellfritsch fügt hinzu: „Uns wurde eine Fachkräfte-Initiative versprochen. Davon merken wir derzeit noch nicht viel.“ Es zeige sich, dass man mehr Bewerber bekommen könnte, wenn eine Ausbildungsvergütung gezahlt würde. Eine fünfjährige Ausbildung zum Erzieher ohne Ausbildungsvergütung könne und wolle sich heute kaum jemand leisten. Wichtig sei auch ein Ausbau der Studienplätze für Sozial- und Kindheitspädagogik. „Hier gibt es in Bayern viel zu wenige. Wir haben klar die Forderung an das Wissenschaftsministerium, da etwas zu tun“, sagt Hellfritsch. Wie sich nun das „Gute-KiTa-Gesetz“ weiter auswirkt, wird gespannt erwartet. Es stehen viele Forderungen im Raum, um die Qualität in der Kinderbetreuung wirklich zu steigern.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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