Die Hochwasser-Katastrophe Betroffene nicht allein lassen

10.06.2013

Schreckliche Bilder sind das: Häuser, von denen nur noch das Dach aus dem Wasser ragt, unbenutzbare Wohnungen voll Schlamm, Felder und Wiesen, die durch das Wasser und den Treibsand nicht mehr zu bewirtschaften sind.

Am schlimmsten anzusehen finde ich aber die Interviews mit Betroffenen. „Wir haben alles verloren“, sagen sie, oder: „Gerade haben wir den Kredit vom letzten Hochwasser abbezahlt, nun fangen wir wieder von vorn an.“ Hochwasser ist eine existenzielle Erfahrung, durch die das ganze Leben aus den Fugen geraten kann. Zuerst müssen die Betroffenen damit zurechtkommen, dass ihr Zuhause nicht sicher ist vor der Gewalt der Natur. Dann müssen sie es wieder in Ordnung bringen, putzen, renovieren, Dinge ersetzen – eine psychische und eine finanzielle Belastung. Geschäftsleute und Landwirte sind oft auch in ihrer beruflichen Existenz gefährdet. Und zu all dem kommt die Angst vor dem nächsten Hochwasser. Ich habe großen Respekt vor den Betroffenen, die in dieser Situation den Mut nicht verlieren und die Kraft aufbringen, nach vorne zu schauen. Als Kirche müssen wir versuchen, die Menschen dabei soweit als möglich zu begleiten und zu unterstützen. Den Seelsorgern in den betroffenen Gebieten bin ich sehr dankbar für ihren Einsatz, ebenso den Maltesern, die wie viele andere Organisationen Großartiges leisten, und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die zum Beispiel Sandsäcke füllen oder Schlamm wegräumen. Sie alle tragen dazu bei, dass die Betroffenen spüren, dass sie nicht allein mit diesem Schicksalsschlag zurechtkommen müssen. Wir können Hochwasser nicht verhindern – wir können uns aber auf sie einrichten. Viel ist schon passiert im Hochwasserschutz, viel ist noch zu tun. Dabei dürfen nicht politische und wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, sondern der Schutz der Menschen, der Gebäude und der Natur. Für dieses Ziel sollten wir uns in den kommenden Jahren gemeinsam einsetzen.

Weihbischof Wolfgang Bischof (52) ist Bischofsvikar für die Seelsorgsregion Süd des Erzbistums.


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