Umgang mit Lebensmitteln Bewusstsein und Mindestpreise

05.10.2020

Luise Braun von der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) äußert sich im Interview über die Wertschätzung von Nahrungsmitteln in unserer Gesellschaft.

Gemüse im Supermarktregal
Sollte es in unseren Geschäften einen Mindestpreis auf Lebensmittel geben? © imago images/Geisser

mk online: Wie beurteilen Sie denn den gesellschaftlichen Umgang mit Nahrung?

Luise Braun: Essen ist im Überfluss vorhanden. Es wird deswegen nicht wertgeschätzt, wie lange es dauert, bis ein Brot auf dem Teller liegt und welche Mühe das macht. Diesen Prozess haben heute viele Menschen überhaupt nicht mehr vor Augen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen fast jeder irgendwie mit der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion in Berührung war. Es ist auch deswegen wenig Wissen vorhanden, weil immer weniger Menschen zuhause kochen und Ernährung nach außen verlagert ist. Darum hat unser Verband zusammen mit dem Bauernverband vor zwei Jahren gefordert, das Schulfach Alltagskompetenz einzuführen. Damit schon Kinder mehr über Ernährung, Einkauf und praktisches Leben lernen.

Wie versucht denn die Katholische Landvolkbewegung sonst noch, Ernährungsfragen zu einem Thema zu machen?

Braun: Wir haben ja viele Ortsgruppen. Zahlreiche Landwirte sind bei uns Mitglied und schon allein deshalb können wir viele Begegnungen mit Nahrungsmittelerzeugen und -verbrauchern herstellen. Wir haben eine gute Mitgliederzeitschrift und fast alle unsere Vorträge oder Diskussionsrunden sind für jeden offen, da schaffen wir Bewusstsein. Wir setzen uns aber auch konkret für faire Preise ein. Da wird die Verantwortung gerne auf die Verbraucher abgewälzt, die angeblich nicht bereit sind, mehr zu zahlen, aber die Politik könnte einen Mindestpreis einführen. Neulich habe ich Kohlrabi für 39 Cent das Stück im Angebot gesehen. Ich weiß, wie lange es dauert, bis so ein Kohlrabi vom Feld in den Supermarkt kommt, und dass er viel mehr wert ist. Der Bauer muss aber seine Ernte loswerden und wir haben nur noch fünf große Lebensmittelhändler, die dann die Preise entsprechend drücken können. Das ließe sich durch Mindestpreise ändern.

Die KLB und andere kirchlichen Initiativen versuchen durch das Netzwerk „Unser Land“ rund um München einen anderen Weg aufzuzeigen. Die Produkte sind gut, haben einen festen Preis und kein Bauer muss sie verschleudern. Viele Supermärkte bieten „Unser Land“-Lebensmittel mit Erfolg an. Das nimmt viel Druck von den Landwirten, die dann auch naturnäher produzieren können. Das macht den Beruf für junge Menschen attraktiver, die einen Hof oft gar nicht mehr übernehmen wollen.

Inwiefern hat denn die Corona-Krise die Debatte über Nahrungsmittel schon beeinflusst?

Braun: Da hat sich schon etwas getan. Vor allem auf dem Höhepunkt der Krise sind die Umsätze von „Unser Land“ stark gestiegen, weil die Familien mehr Essen selbst gekocht haben und dafür gute Produkte wollten. Die Krise hat uns darin bestätigt, wie wichtig die Produktion vor Ort ist, denn die Grenzen sind schnell dichtgemacht und auch dann muss die Bevölkerung versorgt sein. Es ist gefährlich, wenn ein Land keine oder nur noch eine schwache Landwirtschaft hat. Oder nur wenige riesige Betriebe, die viele Erntehelfer auf engem Raum konzentrieren und anfällig für ein Infektionsgeschehen sind.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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