Trotz Corona nach vorne blicken Biblische Mutmacher

27.04.2020

Jesus, Abraham, Jesaja - Die Bibel ist voll von Mut- und Hoffnungsmachern. Fünf von ihnen sind hier vorgestellt.

Hände
Die Bibel steckt voller Geschichten über Mut. © ipopba - stock.adobe.com

München – Mut machen, Hoffnung schenken, zuversichtlich in die Zukunft blicken ist ein Thema, das die Bibel wie ein roter Faden durchzieht, manchmal völlig entgegen der geschichtlichen Realität, in der sich das Volk gerade befindet. Den die Geschichte des Volks Gottes ist durch das gesamte Alte Testament hindurch ein immer wiederkehrendes Auf und Ab von Heils- und Unheilserfahrungen. Und auch die Lebensrealität zur Zeit Jesu und der jungen Kirche ist alles andere als einfach. Das müssen und dürfen wir uns auch in unseren schweren Zeiten immer vor Augen halten.

Abraham

Abraham ist ein der wichtigsten biblischen Beispielgestalten für absolutes Gottvertrauen. Und damit auch für eine Grundhaltung der Hoffnung, des Mutes und der zuversichtlichen Erwartung einer guten Zukunft.

Schon der Beginn seiner Geschichte zeigt das: Er hört, spürt den Ruf Gottes:  „Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde! 2 Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.“ (Gen 12). Und er geht einfach los. Veränderungen schrecken ihn nicht, auch nicht der lange Weg, nicht ein neues Land mit fremden Menschen.

Ihn trägt Hoffnung und die innere Gewissheit, dass Gott ihn begleitet. Und er bekommt die Verheißung: „Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! So zahlreich werden deine Nachkommen sein.“ (Gen 15)

So in die Zukunft mit all ihren Unsicherheiten gehen zu können, wie gut täte das auch uns.

Jesaja

Eine der einschneidensten Ereignisse in der Geschichte Israels war das Exil, die Wegführung der gesamten Oberschicht, der Mächtigen, Reichen und Gebildeten, nach Babylon.

Alles hätte mit dem jüdischen Glauben in dieser Zeit zu Ende sein können. Schließlich lagen Jerusalem und der Tempel in Trümmern; keine Opfer, keine Kultfeiern waren mehr möglich. Aber ganz im Gegenteil: Das Exil wurde zur theologisch fruchtbarsten Zeit des jüdischen Glaubens und zur Geburtsstunde des Monotheismus. Das hatte wohl viele Gründe, aber Mutmacher wie der Prophet Jesaja waren wohl einer davon.

Jesaja wird nicht müde, dem Volk Mut zuzusprechen. Da ist die wunderbare Friedensvision in Kapitel 2, in der er Jerusalem als Zentrum eines Gottesreichs schildert, in dem Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden. Da sind all die wunderbaren Hoffnungsbilder, die wir im Advent als Lesungen hören: „Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.“ (Jes 9) oder auch die Ankündigung des Friedensfürsten in Kapitel 11. Alle drei Jesajas, die hier in einem Buch zusammengefasst sind, sind getragen von der festen Überzeugung, dass JHWH/GOTT rettet, immer wieder und das Volk heimführen wird in die alte Heimat und in eine neue Heilszeit. Zahlreiche Nachkommen kündigt er dem Volk in Kapitel 54 an und die nie nachlassende barmherzige Liebe Gottes. Besonders poetisch ist sein Versprechen „Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir.…“ im 60. Kapitel.

All diese Worte sind Zusagen, die wir ohne Abstriche auf uns und unsere Zeit übertragen dürfen.

Die Psalmdichter

In viele Psalmen kann ich uns und unsere Zeit mit all ihren Schwierigkeiten wieder entdecken. In vielen dieser uralten Gebetslieder ist beides enthalten: Der Moment des Zweifels, der Verzweiflung sogar – und gleich darauf Worte des Gottvertrauens und der Ermutigung. Z.B. im Psalm 3. Da heißt es: „HERR, wie viele sind meine Bedränger; viele stehen gegen mich auf.“ und gleichdarauf: „Ich erwachte, denn der HERR stützt mich. Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, die mich ringsum belagern.“

Gott nimmt nicht die Feinde weg, sagt der Psalmbeter, aber er nimmt die Angst vor ihnen. Und so ähnlich finden wir es in vielen Psalmen. Am schönsten und passendsten für unsere Zeit vielleicht im Psalm 91: „Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag.(...) Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“

Von diesem Gottvertrauen dürfen wir lernen. In diese Mut machenden Wort dürfen wir uns fallen lassen, wenn wir die Psalmen lesen und mitbeten.

Jesus Christus

Dass Jesus selbst ein biblischer Mutmacher ist, daran zweifelt wohl kein Christ. Seine Botschaft vom Reich Gottes ist eine einzige große Mutmachbotschaft. Er heilt, spricht für die Gerechtigkeit Gottes, befreit von Sünden und ermöglicht dabei Zukunft, für Einzelne in ihrem ganz persönlichen Leben und für das Volk Gottes als Ganzes.

Interessant dabei ist, dass er nicht einfach nur seine Botschaft von der Liebe Gottes ausdrückt, sondern immer auch dazu sagt, dass dieser Weg mit ihm nicht leicht sein wird. Er ist also kein Mutmacher, der die Realität leugnet. Er spricht auch vom Schwert, das er bringt und vom Feuer, das er auf die Erde werfen wird. Er ist sich bewusst, dass es auch zu Konflikten führen wird, wenn man ihm folgt. Aber über allem steht: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Und diese Verheißung gilt auch für uns.

Johannes, der Apokalyptiker

Die Offenbarung des Johannes – eine Mutmachbotschaft? – Ja! Das ist sie. So war sie von ihrem Autor gedacht, bevor ihre schwer verständlichen Bilder für Weltuntergangsszenarien missbraucht wurden. Johannes schreibt sein Buch als eine Art Untergrundpropaganda in Zeiten, in denen die ersten Christen langsam unter Druck geraten. Noch gibt es keine flächendeckende Verfolgung, aber man kann bereits als Christ denunziert werden und ins Gefängnis gehen. Er schreibt in Bildern und Symbolen, die nur Juden und Christen verstehen, die Römer aber nicht (und wir oft genausowenig). Und auch er sieht sehr wohl, dass schwere Zeiten bevorstehen.

Mut machen heißt eben nicht leugnen, dass das Leben oft schwer ist und manchmal Angst uns bestimmt. Mut machen heißt, sich an der Möglichkeit einer positiven Zukunft ausrichten, auf Kräfte zu verweisen, die ein Aushalten und Durchstehen ermöglichen. Mut hat immer ein „Trotzdem“ in sich, das große Trotzdem der Zusage Gottes. Und so ermutigt der Apokalyptiker Johannes die jungen Gemeinden, der Botschaft Jesu treu zu bleiben und stellt in wunderbaren Bildern eine Zukunft voller Leben in Aussicht: Das Ende allen Bösen, das Wohnen Gottes unter den Menschen, die Friedensstadt Gottes als Wohnort für alle und einen neuen Zugang zu den Bäumen des Lebens, die alle Krankheit heilen. Lassen Sie uns dieses göttliche „Trotzdem“ mitnehmen in unser Leben hinein! (Susanne Deininger, Pastoralreferentin im Pfarrverband Dachau-St. Jakob)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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