Bier aus dem Kloster Bier gibt’s fast zu jeder Mahlzeit

24.04.2018

Sie ist die einzige bierbrauende Nonne in Deutschland: Schwester Doris Engelhard aus dem Kloster Mallersdorf in Niederbayern. So entsteht ihr Klosterbier.

Schwester Doris und ihr Bier
Schwester Doris Engelhard ist stolz auf ihr Bier © SMB/Würschinger

Mallersdorf ? 03:30 Uhr: Während andere noch fest schlafen, muss Schwester Doris aufstehen. Es ist Sudtag, wie die Franziskanerin sagt. Rund 70 Hektoliter Bier braut sie an diesem Tag. Einmal die Woche macht sie das. Pro Jahr füllt Schwester Doris mehr als eine halbe Millionen Flaschen ab.

18 Prozent davon trinken sie und ihre Klosterschwestern. Außer zum Frühstück gibt es zu jeder Mahlzeit Bier, sagt Schwester Doris ganz nüchtern. Die übrigen 82 Prozent verkauft sie an regionale Getränkehändler oder an Kunden direkt vom Kloster aus. Bei der Auswahl der Zutaten setzt sie auf Regionalität: Die Braugerste kommt aus dem Kloster, der Hopfen aus der Holledau.

Jahrelange Erfahrung

Ein Piepsen. Zwischen zwei Edelstahlkesseln steht ein Rechner, der den Brauvorgang überwacht und Signal gibt, sobald der nächste Arbeitsschritt ansteht. Es ist Zeit, die Maische zu machen. Schwester Doris geht in den zweiten Stock der Brauerei hinauf, wo der Schrotbehälter steht. Die 69-jährige öffnet den Holzdeckel und drückt das pulverisierte Malz durch den Trichter. Durch ein Metallrohr landet es eine Etage tiefer im Sudhaus, wo es mit Wasser erhitzt wird. In den folgenden Prozessen wird der Geschmack des Bieres ganz wesentlich beeinflusst. Für Schwester Doris ist das Brauen Routine. 10 Prozent des Bayerischen Reinheitsgebots ist sie schon dabei, scherzt sie. 1966 hat die gebürtige Fränkin ihr Handwerk von einer Mitschwester erlernt. Seitdem braut sie Helles, Zoigl, Bock und Doppelbock.

Vier Stockwerke zum Biergenuss

Ein Piepsen. Inzwischen befinden sich keinerlei Malzrückstände, sog. Treber, mehr in der Flüssigkeit. Sie werden an Vieh verfüttert. Schwester Doris öffnet einen Einfülltrichter und kippt grünen kieselgroßen Hopfen in den Kessel. Eineinhalb Stunden wird die Würze gekocht, anschließend in den dritten Stock gepumpt. In einem Kupferbecken soll der Gerstensaft erst einmal abkühlen, bevor es in den Gärkeller geht und die Hefe dazukommt. Eine Woche muss das Gebräu dann gären. Dann wird es filtriert und in Flaschen abgefüllt. Und auf jeder einzelnen Flasche prostet einem die Nonne entgegen. Denn das Gesicht von Schwester Doris ziert das Etikett der Biere. Ob das auch so bleibt, wenn die 69-jährige nicht mehr braut, wird sich zeigen. Bislang gibt es aber keine Nachfolgerin. Aber Schwester Doris hofft, dass die Brauerei weiterhin in Klosterhand bleibt und nicht an externe Brauereien verkauft wird.

Der Autor
Ralph Würschinger
Radio-Redaktion
r.würschinger@st-michaelsbund.de

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