Glaube im Alltag Bild für Gottes unendliche Liebe

04.07.2017

Wasser erinnert Pfarrer Stephan Fischbacher an Gottes unendliche Liebe. Warum, erläutert der Geistliche hier.

Wie das Schwimmen müssen die meisten Menschen das Vertrauen in Gottes unendliche Liebe erst lernen, meint Pfarrer Stephan Fischbacher © Fotolia/AlcelVision

Die Freibadsaison ist schon lange eröffnet und zu tausenden strömen die Menschen in die Bäder, um sich im Wasser abzukühlen. Ich selbst schwimme sehr gerne meine Bahnen, denn die Bewegung tut mir gut. Früher liebte ich den Nichtschwimmerbereich. Dort hatte ich lange Jahre ein Gefühl von Sicherheit. Hier kann nichts passieren, dachte ich, ganz im Gegensatz zum Schwimmerbereich, wo das Wasser sehr, sehr tief ist. Dort hatte ich lange ein eher mulmiges Gefühl. Die Vorstellung, im Fall der Fälle nicht auf festem Grund stehen zu können, machte mir Angst. Aber das hat sich geändert.

Durch die viele Praxis und ausreichendes Training merke ich heute mehr denn je, dass ich im Schwimmbecken keinen Grund brauche, um mich sicher zu fühlen. Denn jetzt spüre ich, dass mich das Wasser nicht nach unten zieht, sondern dass es mich trägt. Im Wasser gibt es eine Auftriebskraft, die mich oben hält. Je tiefer das Becken, umso mehr fühle ich mich getragen.

Stephan Fischbacher ist Leiter der Pfarrverbandes Waakirchen. © Privat

Das Wasser erinnert mich an Gottes unendliche Liebe, in die ich eingetaucht bin. Ich weiß, ich bin im Leben nie ohne Gott, denn immer bin ich von Gottes Liebe umgeben: „Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich. Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.“ (Psalm 139,5f.) Das ist es, was mir in meinem Leben Auftrieb gibt.

Wasser, das Auftrieb gibt, ist ein tragfähiges Bild für Gottes unendliche Liebe. Davon hat sich auch der Apostel Petrus tragen lassen, als er auf dem See Genezareth der Aufforderung Jesu gefolgt und über das Wasser auf ihn zugegangen ist. Gottes Liebe wurde für ihn zu einem tragfähigen Fundament seines Lebensweges. Als ein Sturm auftauchte, bekam es Petrus mit der Angst zu tun. Er drohte unterzugehen. Doch nicht der Sturm nahm Petrus das tragfähige Fundament weg. Die menschliche Angst des Petrus verhinderte, dass er sich von Gottes Liebe tragen ließ.

„Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“

Wie Petrus fällt es vielen Menschen schwer, an Gottes unendliche Liebe zu glauben. Zu groß sind die zwischenmenschlichen Enttäuschungen, zu stark der Zweifel. Jesus rettet Petrus und fragt ihn: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ Vielleicht ging es ihm wie mir damals: Das Vertrauen in die Auftriebskraft des Wassers musste ich erst lernen. Petrus musste wie die meisten Menschen erst das Vertrauen in Gottes unendliche Liebe lernen. Und wie bei Petrus bedeutet das für uns: learning by doing! (Stephan Fischbacher)


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