Geschichte, Zukunft und Kuriositäten Bildung am Freisinger Domberg

18.11.2016

Bei der Eröffnung der Ausstellung Bildung³ würdigt Kardinal Marx Joseph Ratzinger als einen der ganz großen Theologen des 20. Jahrhunderts und fordert eine Erziehung zur Freiheitskultur.

In Freising: Bildungszentrum-Direktorin Pfrang mit Kardinal Marx, Landrat Hauner und Oberbürgermeister Eschenbacher. © Kiderle

"Dieses Haus soll ein Haus der Bildung bleiben, so dass man auch in 100 Jahren noch von einem mons doctus sprechen wird." Mit diesem optimistischen Ausblick eröffnete Erzbischof Reinhard Marx die Ausstellung Bildung3, die Geschichte und Zukunft der Bildung am Freisinger Domberg zeigt. Das Erzbistum sei sich seiner Verantwortung für diesen Ort durchaus bewusst und werde deshalb in den kommenden Jahren viel Geld investieren, um den Domberg für die Zukunft fit zu machen. Vor den rund 50 Gästen, darunter der Freisinger Bürgermeister Tobias Eschenbacher und Landrat Josef Hauner unterstrich Marx, dass dieses Geld letztlich der Gesellschaft zugutekomme.

 

Die Schau mit dem Titel "Bildung³. Mons doctus. Gestern. Heute. Morgen" ist sie in verschiedene Bereiche untergliedert: Von religiöser Bildung unter dem Motto "Bildung, die Sinn stiftet", über politische Bildung ("Bildung, die die Zeichen der Zeit ernst nimmt") bis zu Persönlichkeitsbildung ("Bildung, die unterbricht") reicht das Spektrum. Gleichzeitig zeichnet die Schau die Geschichte des Dombergs nach von den Anfängen im Frühmittelalter mit dem Domkloster bis zur Verlagerung des Priesterseminars 1968 nach München und der damit verbundenen Gründung des heutigen Bildungszentrums, das nun im Zuge der Umgestaltung des Dombergs vor einer Neuausrichtung steht.

 

Kardinal Marx: "Abendland, Werte, Leitkultur – das muss man differenzierter sehen"

 

Bildung sei immer auch eine Erziehung zur Freiheitskultur sagte Kardinal Marx, der vor seiner Bischofsweihe mit der Dortmunder Kommende selbst ein Bildungshaus leitete, in seiner Eröffnungsrede. Unter Berufung auf die Schriften der Aufklärungsphilosophen forderte er ein umfassendes Verständnis für eine solche Freiheitskultur. Bildung ziehe sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte. Der Münchner Kardinal ermahnte dazu, bei Begriffen wie Abendland, Werte und Leitkultur zu differenzieren. "Wichtig ist uns eine gemeinsame Vorstellung von Bildung."

 

Der Besucher der Ausstellung Bildung hoch 3 wird vom Eingangsbereich über drei Etagen geführt und durchaus auch mit Kuriositäten konfrontiert. So zum Beispiel ein Schreiben an das "Kläre Carl Seminar" aus dem Jahr 1961. Ob sich dabei der Münchner Handwerksbetrieb beim Versand einer Rechnung an das Klerikalsemiar sich einen Scherz erlaubt hat oder es nicht besser wusste ist nicht geklärt.

 

Die Schau widmet sich auf Josef Ratzinger, dessen Theologenkarriere als Dozent an der damaligen Freisinger Hochschule seinen Lauf nahm. Er komme hier vor, nicht nur, weil er dann Papst geworden sei, führte Marx aus. "Ratzinger ist einer der ganz großen Theologen des 20. Jahrhunderts und hat hier gewirkt."

 

Die Schau zeigt auch Gegenstände des Alltags, die teilweise von Speichern und aus Kellern geholt wurden, darunter auch Bilder die "dem Archiv noch gar nicht bekannt sind" wie die Direktorin des Bildungszentrum Freising, Claudia Pfrang beim Gang durch die Ausstellung anmerkte. Sie hat die gelungene Schau mit  Friedrich Bernack, dem Referent für theologische Erwachsenenbildung, und einem Ausstellungsmacher erstellt. Dabei mit den Schautafeln und Exponaten im Kardinal-Döpfner-Haus Einblicke in die Geschichte und Perspektiven des Hauses in den Bereichen des täglichen Betriebes inszeniert: im Foyer, in den Gängen, vor dem Speisesaal. Von der ersten Sichtung am 15. Juni bis zur Eröffnung sind gerade mal 5 Monate vergangen. Trotz dieser kurzen Zeit Vorbereitungszeit ist es gelungen, zu zeigen, dass Bildung Einblick, Durchblick und Weitblick schaffe. Gerade letzteres dürfe man am Domberg auch wörtlich verstehen, so Pfrang in ihrer Eröffnungsrede.


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