"Walk & Talk" in Freising Bildung to go

11.02.2019

Dass eine differenzierte schulische Förderung von Kindern und Jugendlichen möglich ist, um gerechte Bildungschancen zu bieten, konnte man bei "Walk & Talk" erleben - ganz entspannt bei einem Spaziergang durch Freising.

Bildungsreferentin Magdalena Falkenhahn (links) präsentierte den Teilnehmern Fakten zum Thema Bildung. © Kiderle

Freising – In einem gehaltvollen „Ge(h)spräch“ beleuchtete die Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese in ihrer Reihe „Walk & Talk“ (wir berichteten) erneut ein gesellschaftsrelevantes Thema: die Bildungsgerechtigkeit.

Startpunkt war das Kardinal-Döpfner-Haus in Freising, wo die Autorin und Mittelschullehrerin Heidemarie Brosche ein Plädoyer hielt für eine differenzierte Förderung von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer familiären Situation einen erschwerten Zugang zu Bildung haben. Die Schuldigen seien schnell gefunden: Die Eltern – sie sollten aktiv zur Bildung ihrer Kinder beitragen anstatt sie „vor die Glotze zu setzen“. So einfach sei das aber nicht, denn die Kinder trügen nicht die Verantwortung für die Versäumnisse der Eltern, und es habe oftmals Hintergründe, warum Eltern ihren Kindern nicht den nötigen Halt anbieten könnten. „Da hat man einfach Glück gehabt, wenn man keinen Problem-Rucksack mit sich herumträgt“, betonte Brosche. Weder die Suche nach Schuldigen noch das resignierende Aufdrücken eines Stempels, was junge Menschen häufig im Schulalltag erleben, nutze etwas. Vielmehr sei es wichtig, sie auf dem Bildungsweg mit individuellen „Stärken-Spritzen“ zu fördern.

Individuell angepasste Schulangebote

Wie dies aussehen kann, beschrieb die stellvertretende Schulleiterin der Grundschule St. Korbinian, Rita Patzelt, am zweiten Halt des Abends. Sie gab Einblicke in die vielen Fördermaßnahmen der Schule. Inklusion sei aufgrund des Schulprofils im Schulalltag zur Gewohnheit geworden. Die Kinder erhalten in Arbeitsgemeinschaften und Differenzierungsstunden auf ihre Bedürfnisse angepasste Bildungsangebote.

Theaterpädagoge Philipp Schreyer (Zweiter von links) ließ den Abend mit den Besuchern kreativ Revue passieren. © Kiderle

Trotz dieser Unterrichtsgestaltung erhöht sich der Druck auch an der Korbiniansschule mit Näherrücken des Übertritts: Das Gymnasium stellt für viele Eltern den „Königsweg“ dar. Dies bestätigen auch die vorläufigen Zahlen: 63 Prozent der Viertklässler planen den Übertritt ans Gymnasium.

900 Millionen Euro pro Jahr für Nachhilfe

Eine Maßnahme, um diesen „Königsweg“ einschlagen zu können, ist die Inanspruchnahme von Nachhilfe. Interessante Fakten dazu präsentierten die Bildungsreferentinnen der Stiftung Bildungszentrum, Magdalena Falkenhahn und Monika Heilmeier-Schmittner, an der dritten Station vor einem Freisinger Nachhilfeinstitut. Vor allem die horrende Summe von 900 Millionen Euro, die Eltern pro Jahr in Deutschland für Nachhilfe ausgeben, sorgte für Gesprächsstoff.

Unterwegs zu alternativen Zugängen ließ Theaterpädagoge Philipp Schreyer in Junker’s Café-Rösterei den Abend auf einer Gedankenreise interaktiv und kreativ Revue passieren. Mithilfe von Standbildern entwarf er mit den Teilnehmenden eine Vision gelebter Bildungsgerechtigkeit – eine Gesellschaft, die gemeinschaftlich Verantwortung für Bildung übernimmt mit Blick auf die Bedürfnisse jedes einzelnen. (Melanie Köhler)

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Walk & Talk“ am Freitag, 20. März, widmet sich dem Thema „Gewissen im Kontext Gesundheitswesen“. Die dreistündige Tour durch das Münchner Klinikviertel beginnt um 16 Uhr am Eingang der Medizinischen Klinik der LMU (Ziemssenstraße 1). Nähres unter www.bildungszentrum-freising.de.


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