Mehraufwand für Kitas groß Billigerer Kitaplatz - Begeisterung nicht überall

23.04.2019

Nach den Plänen der Bayerischen Staatsregierung sollen Träger von Kindertageseinrichtungen ab diesem Monat den Elternbeitrag um 100 Euro reduzieren. Ein Entscheidung, die zu Lasten der Träger geht, sagt Maria Magdalena Hellfritsch vom Verband katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern...

100 Euro Entlastung für die Eltern © Stepan Popov -adobe.stock

100 Euro Beitragsermäßigung für 3- und 4-jährige Kinder in der Kita. Viele Eltern waren froh, als sie hörten, dass der Kita Besuch der Sprösslinge günstiger wird. Für Kitas und ihre Verwaltungen kein Grund zu Freude. "Die Ermäßigung sollen Kitas rückwirkend zum 1. April zahlen. Das heißt wir müssten bei der Größe unseres Kita-Verbunds derzeit 45.000 Euro monatlich vorschießen. Das ist finanziell nicht möglich, wir würden in Liquiditätsengpässe kommen," erklärt Laura Hölzlwimmer, Verwaltungsleiterin des Pfarrverbands Heilig Kreuz in Dachau. Schwierig sei es, dass die Eltern quasi zeitgleich aus den Medien von der Ermäßigung erfuhren, wie es die Kitas vom Bayerischen Landtag erfahren hatten. "Wir wurden sofort von Eltern angesprochen, die fragten, wann sie die 100 Euro bekämen", erzählt sie. Maria Magdalena Hellfritsch, die Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern e.V., kennt das Problem aus vielen Einrichtungen. Sie betont, dass der Landtag dem Gesetzesentwurf noch zustimmen müsse, was wohl am 15. Mai geschähe. Eine Auszahlung sei frühestens erstmals im Juni 2019 zu erwarten. Genau darüber hat auch Laura Hölzlwimmer in einem Elternbrief informiert. "Wir haben mitgeteilt, dass wir erst handeln werden, wenn es eine gesetzliche Grundlage gibt. Dafür haben wir um Verständnis gebeten. Natürlich versichern wir, dass jede Familie das bekommt, was ihr gesetzlich zusteht. Nur eben mit zeitlicher Verzögerung", erklärt die Verwaltungsleiterin. Die Eltern hätten auf diese Mitteilung mit viel Verständnis reagiert, erzählt sie. Ein riesiger Verwaltungsaufwand vor dem ihr schon grause, werde es aber allemal. Denn bis das Geld die Einrichtungen erreiche, sei es vermutlich Sommer, meint sie, und so müsse man beispielsweise Geld an Eltern auszahlen, die teilweise den Kindergarten gar nicht mehr besuchen. Auch Maria Magdalena Hellfritsch bemerkt die Verunsicherungen der Einrichtungen und rät zum Abwarten. Sie hält den Einführungszeitpunkt für die Beitragsermäßigung für äußerst ungünstig: „Man hätte den Verwaltungsaufwand zumindest minimieren können, wenn man den Zuschuss zum Start des neuen Kita Jahres im September eingeführt hätte. Kompliziert werde es noch zusätzlich dadurch, dass derzeit nur Kinder, die bereits am 31. 12. 2018 drei Jahre alt gewesen seien, den Zuschuss bekämen, während jüngere erst ab September in diese Gruppe fielen. Die Gebührenermäßigung lässt sich Bayern einiges kosten. Allein für das laufende Jahr 2019 wird man voraussichtlich 210 Millionen Euro investieren müssen. Generell hätte es Hellfritsch lieber gesehen, die Staatsregierung hätte dieses Geld in die Qualitätsverbesserung oder Qualitätssicherung invertiert. "Das Geld nach dem Gießkannenprinzip über alle Eltern unabhängig des Einkommens auszuschütten, sei keine gute Methode. Einkommensschwache würde die Kita bereits jetzt über die wirtschaftliche Jugendhilfe finanziert bekommen. "Man hätte die Einkommensgrenze anheben können, so dass mehr Familien unterstützt werden, aber nicht generell alle“, meint die Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen in Bayern.

Forderungen des Verbands seien der Ausbau von Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung, zur Begleitung der Kita Teams in den Einrichtungen und ein besserer Betreuungsschlüssel. „Wir betreuen immer mehr Kinder mit erhöhtem Förderbedarf in unseren Kitas. Dafür brauchen wir mehr Fachkräfte“, bestätigt auch Verwaltungsleiterin Laura Hölzlwimmer.

Man habe sehr gehofft, mit dem Geld, dass durch das "Gute Kita Gesetz" komme, die Qualität der Betreuung steigern zu können. Nach dem Gesetz, das zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist, bekommt Bayern von 2019 bis 2022 insgesamt etwa 850 Millionen Euro.

Eine Folge: die Kitas in Bayern werden nicht umhin können, in den kommenden Jahren die Beiträge auf die eine oder andere Weise zu erhöhen. Denn das ist für eine langfristige Qualitätssicherung unumgänglich. Damit kommt die Entlastung der Eltern bei den Kita-Gebühren nur zum Teil an.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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