Geschäfte sollen weitergehen Bischöfe beschließen: 65 Millionen für Weltbild

28.01.2014

Die katholischen Bischöfe haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen zur Unterstützung der insolventen Verlagsgruppe Weltbild verständigt. Sie beschlossen bis zu 65 Millionen Euro für das Unternehmen aufzubringen. 20 Millionen davon kommen aus dem Erzbistum München und Freising, bestätigte Generalvikar Peter Beer am Dienstag gegenüber mkn.

Weltbild-Filiale in Augsburg (Bild: imago/epd)

Würzburg/München - Die katholischen Bischöfe stehen zu ihrer Ankündigung, 65 Millionen Euro für den insolventen Weltbildverlag aufzubringen. Die Summe beziehe sich unter anderem auf die Fortführung des Geschäftsbetriebs der Gesellschaft und ihrer Töchter sowie gegebenenfalls einer Transfergesellschaft, heißt es. 20 Millionen davon kommen aus dem Erzbistum München und Freising. Die restliche Summe teilt sich auf die weiteren Gesellschafter entsprechend ihrem Anteil an Weltbild auf, sagte Generalvikar Peter Beer am Dienstag den Münchner Kirchennachrichten. Der Anteil des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) fuße dabei auf einer "Sonderberechnung", weil er sich aus den Zahlungen aller Bistümer - "ob sie nun Gesellschafter waren oder nicht" - speist, so Beer.

Ausschuss entscheidet

Nach Angaben des VDD entscheidet über die Verwendung der kirchlichen Mittel ein aus Mitgliedern des Weltbild-Aufsichtsrats bestehender Ausschuss, dem der Münchner Generalvikar als Sprecher der Gesellschafter vorsteht. Die Bischöfe hatten am Montag im Rahmen ihres turnusmäßigen Ständigen Rates im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg über das Schicksal des Augsburger Medienkonzerns beraten, der der zweitgrößte Online-Händler Deutschlands ist. Etwa 70 Weltbild-Mitarbeiter mit Fahnen, Plakaten und Trillerpfeifen hatten sich zudem vor dem Tagungshaus postiert, um für die Rettung ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren.

Kardinal Reinhard Marx hatte bereits am Montag vor den protestierenden Angestellten betont, dass es nun darum gehe, in die Zukunft zu blicken, "dass wir versuchen, Arbeitsplätze zu sichern". Aus Sicht der Eigentümer sei es deshalb das Wichtigste, dass die Geschäfte weitergehen. Darauf seien auch die zugesagten Hilfen in Höhe von 65 Millionen Euro ausgerichtet.

Kritik von Bischof Zdarsa

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hatte erklärt, Weltbild solle möglichst als Ganzes erhalten und nicht aufgespalten werden, um Filetstücke zu verkaufen. Zugleich äußerte Zdarsa deutliche Kritik an der Geschäftsleitung von Weltbild. Sie habe über Jahre eine Strategie verfolgt, die das Unternehmen nicht vorangebracht habe. Auch die Kommunikation zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeiterschaft sei mangelhaft gewesen. Vertreter der Mitarbeiterschaft hielten den Gesellschaftern vor, sie trügen Mitverantwortung für die Strategie der vergangenen Jahre.

Weltbild gehört zwölf katholischen Bistümern, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin. Von der Insolvenz direkt betroffen sind mehr als 2.000 Mitarbeiter am Weltbild-Stammsitz in Augsburg. Insgesamt beschäftigt der Konzern nach eigenen Angaben 6.300 Menschen. (ksc/ut/kna)

Kategorie: Aktuelles
ID: 10
Kategorie: Aufmacher Startseite
ID: 16
Hauptkategorie: Aktuelles
ID: 10

Das könnte Sie auch interessieren

70 Geschäfte betroffen Weltbild verkauft knapp die Hälfte seiner Filialen

Die Augsburger Weltbild-Gruppe hat etwa die Hälfte ihrer Filialen verkauft. Aufgrund der zu hohen Struktur- und Mietkosten seien etwa 70 Filialen an eine mittelständische Buchhandelskette aus Ahaus...

16.02.2015

bücher.de Weltbild übernimmt Onlinebuchhändler

Die Verlagsgruppe Weltbild hat den Onlinebuchhändler buecher.de komplett übernommen. Das Unternehmen vertraue auf das Potenzial des Geschäftsmodells. Über den Kaufpreis wird geschwiegen.

27.08.2014

Insolvente Verlagsgruppe Neuer Investor für Weltbild

Die Vertragsverhandlungen zwischen Paragon und Weltbild sind gescheitert. Die insolvente Verlagsgruppe verkauft an einen neuen Investor. Die Düsseldorfer Droege Group wird neuer Haupteigentümer.

16.07.2014

Investor gefunden Weltbild wird als Ganzes fortgeführt

Für den insolventen Weltbild-Verlag ist ein neuer Investor gefunden. Wie am Montag bekannt gegeben wurde, haben Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und der Münchner Finanzinvestor Paragon Partners GmbH...

13.05.2014

Weltbild 656 Mitarbeiter sollen in Auffanggesellschaft wechseln

Der Insolvenzverwalter der Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg ist am Donnerstag vor die Belegschaft getreten. Seine Botschaft: Ein gutes Drittel der Augsburger Angestellten, also etwa 650 Mitarbeiter,...

20.03.2014

Weltbild-Insolvenz Erzbistum München und Freising unterstützt mit 20 Millionen Euro

Laut einem Zeitungsbericht wollen die Bistümer München und Freising und Augsburg Arbeitsplätze bei Weltbild retten. Offenbar wollen sie Gelder in Höhe von 35 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das...

24.01.2014

Betriebsseelsorge bietet Unterstützung Hilfe für Arbeitnehmer bei Insolvenz

2500 Arbeitsplätze sind bei Weltbild in Gefahr. Eine Situation, in der sich auch Betriebsseelsorger einsetzen. Christian Bindl ist im Erzbistum München und Freising Betriebsseelsorger und hat schon...

17.01.2014

Wimmers Woche Was wir aus dem Fall Weltbild lernen müssen

Diese Woche fordert der MK-Chefredakteur die Kirche und die Katholiken auf, zwei harte Lektionen aus dem Fall Weltbild zu lernen, und daraus auch einen revolutionären Schluss zu ziehen.

17.01.2014

Weltbild-Insolvenz Generalvikar Beer: "Wir konnten den Weg nicht mehr weitergehen"

Das Erzbistum München und Freising ist von der Insolvenz des Medienunternehmens Weltbild direkt betroffen. Die Diözese habe damit Einlagen und gewährte Darlehen verloren, sagte Generalvikar Peter Beer...

14.01.2014

Nach Weltbild-Insolvenz Marx weist Vorwürfe gegen Kirche zurück

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat Vorwürfe gegen die Kirche hinsichtlich der Führung des Weltbild-Konzerns zurückgewiesen. Er stellte den Angestellten der Verlagsgruppe umfangreiche Hilfen...

13.01.2014

Insolvenz von Weltbild Verdi fordert Sicherung der Arbeitsplätze

Verdisekretär Thomas Gürlebeck hat den Weltbild-Eigentümern vorgeworfen, sich aus „der Verantwortung stehlen zu wollen“. Der Augsburger Gewerkschafter forderte eine enge Beteiligung der...

11.01.2014

Miteigentümer über Verlagsgruppe Weltbild soll Gewinne erwirtschaften

Weltbild soll sich künftig ohne Zuschüsse wieder am Markt behaupten und Gewinne erwirtschaften. Das sagte der Geschäftsführer der Katholischen Soldatenseelsorge als Miteigentümer von Weltbild,...

06.11.2013

Verlagsgruppe Weltbild Alt-Eigentümer müssen 130 Millionen Euro abschreiben

Eine Insolvenz der Verlagsgruppe Weltbild scheint laut einem Zeitungsbericht vorerst abgewendet. Es gebe Kapitalzusagen in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Gleichzeitig hätten die Gesellschafter bei...

04.11.2013

Bistum Augsburg 15 Millionen Euro für Weltbild

Der angeschlagene katholische Medienkonzern Weltbild erhält eine Finanzspritze. Mit 15 Millionen Euro will das Bistum Augsburg der Verlagsgruppe helfen - auch aus "besonderer Sorge" um die...

23.10.2013

Rote Zahlen Weltbild: Stellenabbau beim Kundendienst

Der angeschlagene Medienkonzern Weltbild baut Stellen beim Kundendienst ab. Angesichts der Verlustsituation des Verlags sei man zu diesem Schritt gezwungen, so die Geschäftsführung. Der Kundendienst...

21.10.2013

Weltbild Bischöfe wollen Fortbestand sichern

Für die Zukunft des kirchlichen Weltbild-Verlags soll eine stabile Lösung gefunden werden. Das teilten die Bischöfe am Mittwoch mit. Sie haben bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda über die Zukunft...

25.09.2013

Insolvenz des Weltbild-Verlags Aufsichtsratsvorsitzender Beer: Soziale Verantwortung für Weltbild-Mitarbeiter

Nach dem Insolvenzantrag des Weltbild-Verlags in Augsburg hat der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Beer angekündigt, die Beschäftigten nicht im Stich zu lassen. „Die erste Sorge muss den...

Deutsche Bistümer stoppen Zahlungen Verlagsgruppe Weltbild insolvent

Der zweitgrößte Buchhändler Deutschlands steht vor dem Aus: Die Verlagsgruppe Weltbild hat nach Gewerkschaftsangaben einen Insolvenzantrag gestellt. Die deutschen Bistümer haben ihre Kapitalzusagen in...

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren