Abschluss der Vollversammlung Bischöfe stellen Zölibat und Sexualmoral zur Debatte

14.03.2019

Die Bischöfe hätten gespürt, "dass es so nicht weitergeht", so Kardinal Reinhard Marx in Lingen. Deshalb wollen die Oberhirten nun Zölibat und Sexualmoral der Kirche in einem "synodalen Weg" diskutieren.

Kardinal Reinhard Marx bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Bischofstreffens in Lingen
Kardinal Reinhard Marx bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Bischofstreffens in Lingen © Harald Oppitz/kna

Lingen – Die deutschen katholischen Bischöfe stellen den Zölibat, die Sexualmoral der Kirche und den "nötigen Machtabbau" bei Klerikern zur Debatte. Kardinal Reinhard Marx kündigte zum Abschluss des Frühjahrstreffens der Bischofskonferenz am Donnerstag in Lingen einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung der Kirche an. Der ohne Gegenstimmen beschlossene Beratungsprozess werde gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) organisiert und sei für Experten von außen offen.

Marx betonte, es gehe nicht um einen "deutschen Sonderweg" in der Weltkirche. Am Ende könne ein "Brief nach Rom" mit konkreten Veränderungswünschen stehen. Alle Bischöfe hätten gespürt, "dass es so nicht weitergeht und dass die Gläubigen das nicht mehr mitmachen".

Konkrete Ergebnisse "wichtig"

Das ZdK begrüßte den Entschluss. "Wir stehen bereit, mit den Bischöfen in der Gemeinsamen Konferenz und der Tagung im September dieses Jahres, die Vorbereitung zügig voranzubringen", erklärte Präsident Thomas Sternberg. Ähnlich äußerte sich die Katholische Frauengemeinschaft. Wichtig sei, dass es konkretere Ergebnisse gebe als beim zurückliegenden Gesprächsprozess, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt auf Anfrage.

Anders als beim "Gesprächsprozess" von 2011 bis 2015 sollen diesmal die heißen Themen wie Zölibat und Sexualmoral nicht ausgeklammert werden, betonte Marx. Damals habe man "Ärger mit Rom" vermeiden wollen. "Die Zeiten sind jetzt vorbei."

Aufbau von kirchlichen Verwaltungsgerichten

Die Sexualmoral der Kirche habe entscheidende Erkenntnisse aus der Theologie und den Humanwissenschaften noch nicht aufgenommen, so der Konferenz-Vorsitzende. Die synodalen Beratungen sollen auch klären, inwieweit der Zölibat immer zum Zeugnis des Priesters gehören müsse. Zugleich sagte der Kardinal, dass die Bischöfe die Ehelosigkeit der Priester als "Ausdruck der religiösen Bindung an Gott" schätzten. Der synodale Weg solle auch klären, wie der klerikale Machtmissbrauch abgebaut werden könne. Dazu gehöre der Aufbau von kirchlichen Verwaltungsgerichten.

Als ersten Schritt beschlossen die Bischöfe die Einsetzung von drei Vorbereitungsforen. Das Forum zum Thema "Macht" leitet der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, das Forum "Sexualmoral" der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und das Forum "Priesterliche Lebensform" Münsters Bischof Felix Genn. Sie sollen am 12. und 13. September einen ersten Zwischenbericht geben.

Kritik von Opferinitiative

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, begrüßte, dass die Kirche sowohl für mögliche Reformen der innerkirchlichen Strukturen als auch für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle externe Hilfe in Anspruch nehmen wolle. Er mahnte eine zügige zeitliche Umsetzung an. Bis Jahresende müsse eine Vereinbarung mit seinem Amt erarbeitet werden, in der die Standards für die Aufarbeitung und einheitliche Kriterien für die Akteneinsicht festgelegt seien.

Unterdessen übte die Opferinitiative "Eckiger Tisch" Kritik an den Ergebnissen der Vollversammlung. Die Kirche mauere weiter bei der Entschädigung der Opfer, sagte Sprecher Matthias Katsch. Die Missbrauchsopfer würden den synodalen Weg kritisch begleiten. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bischofstreffen in Lingen

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