Katholische Kirche Bischof Ackermann zur Missbrauchsstudie

12.09.2018

"Bedrückend und beschämend" , so äußerte sich der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, zu den Zahlen.

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann
Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann © imago

Berlin – Laut einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie hat es 3.677 Opfer sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 Priestern gegeben. Bei den zwischen 1946 und 2014 erfassten Opfern handelte es sich überwiegend um männliche Minderjährige, mehr als die Hälfte von ihnen war zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre, wie es in der Zusammenfassung der Ergebnisse heißt.

Beratungshotline für Betroffene

"Wir wissen um das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs, das durch die Ergebnisse der Studie belegt wird", so der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann. Gleichwohl seien die Zahlen "bedrückend und beschämend". Der Trierer Bischof kündigte an, dass die Bischöfe erneut eine Beratungshotline für Betroffene für den Zeitraum vom 24. bis zum 27. September freischalten wollen. In diesem Zeitraum treffen sie sich zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda. Dabei wollen sie auch die komplette Studie vorstellen. Eine Hotline hatte es bereits zwischen 2010 und 2012 gegeben.

Über erste Ergebnisse der Untersuchung berichteten "Spiegel" und die "Zeit" auf Basis einer 15-seitigen Zusammenfassung. Diese Zusammenfassung liegt auch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vor. Für die Langzeit-Studie werteten Wissenschaftler mehr als 38.000 Personal- und Handakten aus allen 27 deutschen Bistümern aus. In etwa jedem sechsten Missbrauchsfall kam es demnach zu einer Form von Vergewaltigung. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden.

Dunkelziffer liegt vermutlich höher

Bereits im Vorfeld hatten die Forscher angekündigt, sie könnten aus den ihnen zugänglichen Quellen nur eine konservative Annahme zu Tätern und Opfern vorlegen. Die Dunkelziffer liege vermutlich höher. Immer wieder seien beschuldigte Kleriker an einen anderen Ort versetzt worden, ohne dass die neue Gemeinde "mit der entsprechenden Information" über den Missbrauchstäter versorgt worden wäre.

In der Zusammenfassung empfehlen die Autoren, die grundsätzliche Ablehnung der katholischen Kirche zur Weihung homosexueller Männer "dringend zu überdenken". Außerdem müsse die Frage erlaubt sein, ob die Verpflichtung zur Ehelosigkeit bei Priestern "ein möglicher Risikofaktor" sei. Erstellt wurde die Studie von einem Forschungskonsortium unter Leitung des Mannheimer Psychiaters Harald Dreßing.

Aufruf zu tiefgreifenden Reformen

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sagte der KNA, die Kirche solle sich damit beschäftigen, wie das Rollenverständnis von Geistlichen aussehe und wie Hierarchien abgebaut werden könnten. Matthias Katsch von der Opferinitiative Eckiger Tisch erklärte, das "erschreckende Ausmaß sexueller Gewalt" von Priestern gegenüber Kindern und Jugendlichen mache deutlich, was dringend notwendig sei: "eine umfassende, unabhängige Untersuchung". Die Gruppe "Wir sind Kirche" rief zu tiefgreifenden Reformen auf, "um den Opferschutz zu stärken und den Täterschutz zu überwinden".

Aufruf zu Entschuldigung

Der katholische Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller rief die Bischöfe auf, die Opfer um Entschuldigung zu bitten. "Es geht um eine Entschuldigung für Machtmissbrauch, der durch die Bischöfe, die sexuellen Missbrauch im Kontext der Kirche vertuscht haben, ausgeübt wurde", sagte Müller der KNA. Weiter nannte er es wichtig, dass die Wissenschaftler den Zölibat als möglichen Risikofaktor benannt hätten, auch wenn er sicher nicht Grund für sexuellen Missbrauch sei. Die verpflichtende Ehelosigkeit könne aber in Einzelfällen dafür sorgen, dass man sich mit Sexualität nicht auseinandersetze. Diese könne aber nicht verdrängt werden, sonst setze sie sich "in all ihrer Unreife in Szene". (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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