Reformen in Kirchengemeinde Bischof Bode kritisiert Vatikan-Papier zu Gemeindereformen

22.07.2020

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz bezeichnete das Papier als "starke Bremse der Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien".

Franz-Josef Bode
Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück © kna

Osnabrück – Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat die neue Vatikan-Instruktion zu Reformen in Kirchengemeinden scharf kritisiert. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme bezeichnete er das Papier als "starke Bremse der Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien". Die Instruktion der Kleruskongregation habe die Bischöfe völlig überrascht, so der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Er habe eine vorherige Fühlungnahme mit den Realitäten vor Ort und eine bessere Beachtung der viel beschworenen Synodalität erwartet.

Nach der am Montag in Rom veröffentlichten Instruktion bleiben Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen. Dagegen hebt der Text die Rolle des Pfarrers hervor. Bestrebungen, die Leitung von Pfarreien beispielsweise Teams aus Priestern und kirchlich Engagierten sowie anderen Mitarbeitern anzuvertrauen, widerspricht das Schreiben direkt.

Von der Realität überholt

Bode sieht in dem Papier eine "Umkehr zur Klerikalisierung". Die dargestellten Normen seien zu einem großen Teil von der Realität längst überholt. Das 2015 von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichte Schreiben "Gemeinsam Kirche sein" habe schon vor Jahren eine Antwort auf die Herausforderungen dieser Zeit grundgelegt, "in der Getaufte, Gefirmte, Beauftragte, Gesendete und Geweihte in guter Weise zusammenspielen".

Der Bischof betonte: "Wir sind auf die intensive Mitarbeit aller Getauften und Gefirmten angewiesen." Er sei angesichts der Instruktion in Sorge, "wie wir unter solchen Bedingungen neue engagierte Christen finden sollen und wie wir unsere pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin gut begleiten und fördern können."

Synodale Weg kann eine Antwort sein

Die neuen Leitungsmodelle im Bistum Osnabrück, wo an mehreren Orten Pfarrbeauftragte anstelle eines Pfarrers Gemeinden leiten, seien ganz im Rahmen des Kirchenrechts, betonte Bode. Die neue Instruktion lasse diesen Weg nur als vorübergehende "Notverordnung" zu. "Ich bin der Meinung, dass diese Not bei uns an so manchen Stellen permanent existieren wird", erklärte der Bischof und fügte hinzu: "Ich sehe zurzeit keinen Änderungsbedarf im Bistum Osnabrück an unserem Kurs einer Kirche der Beteiligung."

Der im vergangenen Jahr in der deutschen katholischen Kirche begonnene Reformprozess Synodaler Weg, bei dem es um die gemeinsame Gestaltung von Kirche gehe, erweise sich nun als umso notwendiger. "Nur dieser Synodale Weg kann eine Antwort auf diese römische Herausforderung sein." Die Bischofskonferenz werde sich noch intensiver mit diesen Fragen befassen müssen, die in den meisten Diözesen schon lange bedacht würden, so Bode. (kna)j


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